Hermann und Dorothea.
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Dreiundachtziger her, damit wir die Grillen vertreiben. ;
Hier ist nicht freundlich zu trinken; die Fliegen umstimmen die !
Gläser. ,
Und sie gingen dahin und freuten sich alle der Kühlung. j
Sorgsam brachte die Mutter des klaren herrlichen Weines,
In geschliffener Flasche auf blankem zinnernem Runde,
Mit den grünlichen Römern, den ächten Bechern des Rhein-weins.
Und so sitzend umgaben die Drei den glänzend gebahnten,
Runden braunen Tisch, er stand auf mächtigen Füßen.
Heiter klangen sogleich die Gläser des Wirthes und Pfarrers;Doch unbeweglich hielt der dritte denkend das seine,
Und es fordert' ihn auf der Wirth mit freundlichen Worten:
Frisch, Herr Nachbar, getrunken! denn noch bewahrte vorUnglück
Gott uns gnädig, und wird auch künftig uns also bewahren.Denn wer erkennet es nicht, daß seit dem schrecklichen Brande,
Da er so hart uns gestraft, er uns nun beständig erfreut hat,
Und beständig beschützt, so wie der Mensch sich des AugesKöstlichen Apfel bewahrt, der vor allen Gliedern ihm lieb ist.Sollt' er fernerhin nicht uns schützen und Hülfe bereiten?
Denn man sieht es erst recht, wie viel er vermag, in Ge-fahren.
Sollt' er die blühende Stadt, die er erst durch fleißige BürgerNeu aus der Asche gebaut und dann sie reichlich gesegnet,
Jetzo wieder zerstören und alle Bemühung vernichten?
Heiter sagte darauf der treffliche Pfarrer, und milde:
Haltet am Glauben fest, und fest an dieser Gesinnung!
Denn sie macht im Glücke verständig und sicher, im UnglückReicht sie den schönsten Trost und belebt die herrlichste Hoffnung.
Da versetzte der Wirth, mit männlichen klugen Gedanken:Wie begrüßt' ich so oft mit Staunen die Fluchen des Rhein-stroms ,
Wenn ich, reisend nach meinem Geschäft, ihm wieder michnahte!
Immer schien er mir groß, und erhob mir Sinn und Gemüthe;Aber ich konnte nicht denken, daß bald sein liebliches UferSollte werden ein Wall, um abzuwehren den Franken,
Und sein verbreitetes Bett ein allverhindernder Graben.
Seht, so schützt die Natur, so schützen die wackeren Deutschen,Und so schützt uns der Herr; wer wollte thöricht verzagen?
Müde schon sind die Streiter, und alles deutet auf Frieden.Möge doch auch, wenn das Fest, das lang erwünschte, gefeiertWird, in unserer Kirche, die Glocke dann tönt zu der Orgel,
Und die Trompete schmettert, das hohe Te Deum begleitend —Möge mein Hermann doch auch an diesem Tage, Herr Pfarrer,Mit der Braut, entschlossen, vor Euch am Altare sich stellen,Und das glückliche Fest, in allen den Landen begangen,
Auch mir künftig erscheinen der häuslichen Freuden ein Jahrstag!Aber ungern seh' ich den Jüngling, der immer so thätigMir in dem Hause sich regt, nach außen langsam und schüchtern.Wenig findet er Lust sich unter Leuten zu zeigen;
Ja, er vermeidet sogar der jungen Mädchen Gesellschaft,
Und den fröhlichen Tanz, den alle Jugend begehret.
Also sprach er und horchte. Man hörte der stampfendenPferde
Fernes Getöse sich nahn, man hörte den rollenden Wagen,
Der mit gewaltiger Eile nun donnert' unter dem Thorweg.
T e r p s i ch o r e.
Hermann.
Als nun der wohlgebildete Sohn in's Zimmer hereintrat,Schaute der Prediger ihm mit scharfen Blicken entgegen,
Und betrachtete seine Gestalt und sein ganzes Benehmen,
Mit dem Auge des Forschers, der leicht die Mienen enträthselt;Lächelte dann, und sprach zu ihm mit traulichen Worten:Kommt Ihr doch als ein veränderter Mensch! Ich habe nochniemals
Euch so munter gesehn und Eure Blicke so lebhaft.
Fröhlich kommt Ihr und heiter; man sieht, Ihr habet die GabenUnter die Armen vertheilt und ihren Segen empfangen.
Ruhig erwiederte draus der Sohn, mit ernstlichen Worten:Ob ich löblich gehandelt? ich weiß es nicht; aber mein Herz hatMich geheißen zn thun, so wie ich genau nun erzähle.
Mutter, Ihr kramtet so lange, die alten Stücke zu suchenUnd zn wählen; nur spät war erst das Bündel zusammen,
Auch der Wein und das Bier ward langsam, sorglich gepacket.Als ich nun endlich vor's Thor und auf die Straße hinauskam,Strömte zurück die Menge der Bürger mit Weibern und Kindern,Mir entgegen; denn fern war schon der Zug der Vertriebnen.Schneller hielt ich mich dran, und fuhr behende dem Dorf zu,Wo sie, wie ich gehört, heut' übernachten und rasten.
Als ich nun meines Weges die neue Straße Hinanfuhr,
Fiel mir ein Wagen in's Auge, von tüchtigen Bäumen gefüget,Von zwei Ochsen gezogen, den größten und stärksten desAuslands;
Neben her aber ging, mit starken Schritten, ein Mädchen,Lenkte mit langem Stäbe die beiden gewaltigen Thiere,
Trieb sie an und hielt sie zurück, sie leitete klüglich.
Als mich das Mädchen erblickte, so trat sie den Pferden gelassenNäher und sagte zu mir: Nicht immer war es mit uns soJammervoll, als Ihr uns heut' auf diesen Wegen erblicktet.Noch nicht bin ich gewohnt, vom Fremden die Gabe zu heischen,Die er oft ungern giebt, um los zu werden den Armen;
Aber mich dränget die Noth zu reden. Hier auf dem StroheLiegt die erst entbundene Frau des reichen Besitzers,
Die ich mit Stieren und Wagen noch kaum, die schwangre,gerettet.
Spät nur kommen wir nach, und kaum das Leben erhielt sie.Nun liegt, neugeboren, das Kind ihr nackend im Arme,
Und mit Wenigem nur vermögen die Unsern zu helfen,
Wenn wir im nächsten Dorf, wo wir heute zu rasten gedenken,Auch sie finden, wiewohl ich fürchte, sie sind schon vorüber.Wär' Euch irgend von Leinwand nur was Entbehrliches, wenn IhrHier aus der Nachbarschaft seyd, so spendet's gütig den Armen,