Hermann und Dorothea.
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Und du setztest mich nieder und küßtest mich, und ich verwehrt' es.Aber du sagtest darauf mit freundlich bedeutenden Worten:
Siehe, das Haus liegt nieder. Bleib' hier, und hilf es mir bauen,Und ich helfe dagegen auch deinem Vater an seinem.
Doch ich verstand dich nicht, bis du zum Vater die MutterSchicktest und schnell das Gelübd' der fröhlichen Ehe vollbrachtwar.
Noch erilinr' ich mich heute des halbverbrannten GebälkesFreudig, und sehe die Sonne noch immer so herrlich heraufgeht!;Denn mir gab der Tag den Gemahl, es haben die erstenZeiten der wilden Zerstörung den Sohn mir der Jugend gegeben.Darum lob' ich dich, Hermann, daß du mit reinem VertrauenAuch ein Mädchen dir denkst in diesen traurigen Zeiten,
Und es wagest zu frei'n im Krieg und über den Trümmern.
Da versetzte sogleich der Vater lebhaft und sagte:
Die Gesinnung ist löblich, und wahr ist auch die Geschichte,Mütterchen, die du erzählst; denn so ist alles begegnet.
Aber besser ist besser. Nicht einen jeden betrifft es,
Anzufangen von vorn sein ganzes Leben und Wesen;
Nicht soll jeder sich quälen, wie wir und andere thaten.
O, wie glücklich ist der, dem Vater und Mutter das Hans schonWohlbestellt übergeben, und der mit Gedeihen es ausziert!
Aller Anfang ist schwer, am schwersten der Anfang der Wirth-schaft.
Mancherlei Dinge bedarf der Mensch, und alles wird täglichTheurer; da seh' er sich vor, des Geldes mehr zu erwerben.
Und so hoff' ich von dir, mein Hermann, daß du mir nächstensIn das Haus die Braut mit schöner Mitgift hereinführst;
Denn ein wackerer Mann verdient ein begütertes Mädchen, ^Und es behaget so wohl, wenn mit dem gewünschten Weibchen ,Auch in Körben und Kasten die nützliche Gabe hereinkommt. jNicht umsonst bereitet durch manche Jahre die MutterViele Leinwand der Tochter, von feinem und starkem Gewebe; !Nicht umsonst verehren die Pathen ihr Silbergeräthe, ^
Und der Vater sondert im Pulte das seltene Goldstück: !
Denn sie soll dereinst mit ihren Gütern und Gaben ^
Jenen Jüngling erfreun, der sie vor allen erwählt hat. i
Ja, ich weiß, wie behaglich ein Weibchen im Hanse sich findet,Das ihr eignes Geräth in Küch' und Zimmern erkennet,
Und das Bette sich selbst und den Tisch sich selber gedeckt hat.
Nur wohl ausgestattet möcht' ich im Hause die Braut sehn;
Denn die Arme wird doch nur zuletzt vom Manne verachtet,
Und er hält sie als Magd, die als Magd mit dem Bündelhereinkam.
Ungerecht bleiben die Männer, die Zeiten der Liebe vergehen.
Ja, mein Hermann, du würdest mein Alter höchlich erfreuen,Wenn du mir bald in's Haus ein Schwiegertöchterchen brächtestAus der Nachbarschaft her, aus jenem Hause, dem grünen.
Reich ist der Mann fürwahr: sein Handel und seine FabrikenMachen ihn täglich reicher; denn wo gewinnt nicht der Kauf-mann ?
Nur drei Töchter sind da; sie theilen allein das Vermögen.
Schon ist die ältste bestimmt, ich weiß es; aber die zweite,
Wie die dritte sind noch, und vielleicht nicht lange, zu haben.Wär' ich an deiner Statt, ich hätte bis jetzt nicht gezaudert.
Eins mir der Mädchen geholt, so wie ich das Mütterchenforttrug.
Da versetzte der Sohn bescheiden dem dringenden Vater:Wirklich, mein Wille war auch, wie Eurer, eine der TöchterUnsers Nachbars zu wählen. Wir sind zusammen erzogen,Spielten neben dem Brunnen am Markt in früheren Zeiten,Und ich habe sie oft vor der Knaben Wildheit beschützet.
Doch das ist lange schon her; es bleiben die wachsenden MädchenEndlich billig zu Haus, und fliehn die wilderen Spiele.Wohlgezogen sind sie gewiß l Ich ging auch zu ZeitenNoch aus alter Bekanntschaft, so wie Ihr es wünschtet, hinüber;Aber ich konnte mich nie in ihrem Umgang erfreuen.
Denn sie tadelten stets an mir, das mußt' ich ertragen:
Gar zu lang war mein Rock, zu grob das Tuch, und die FarbeGar zu gemein, und die Haare nicht recht gestutzt und gekräuselt.Endlich hatt' ich im Sinne, mich auch zu Putzen, wie jeneHandelsbübchen, die stets am Sonntag drüben sich zeigen,
Und um die, halbseiden, im Sommer das Läppchen herumhängt;Aber noch früh genug merkt' ich, sie hatten mich immer zumbesten;
Und das war mir empfindlich, mein Stolz war beleidigt; dochmehr noch
Kränkte mich's tief, daß so sie den guten Willen verkannten,Den ich gegen sie hegte, besonders Minchen, die jüngste.
Denn so war ich zuletzt an Ostern hinübergegangen,
Hatte den neuen Rock, der jetzt nur oben im Schrank hängt,Angezogen und war frisirt wie die übrigen Bursche.
Als ich eintrat, kicherten sie; doch zog ich's auf mich nicht.Minchen saß am Clavier; es war der Vater zugegen,
Hörte die Töchterchen singen, und war entzückt und in Laune.Manches verstand ich nicht, was in den Liedern gesagt war;Aber ich hörte viel von Pamina, viel von Tamino,
Und ich wollte doch auch nicht stumm seyn! Sobald sie geendet,Fragt' ich dem Texte nach, und nach den beiden Personen.
Alle schwiegen darauf und lächelten; aber der VaterSagte: Nicht wahr, mein Freund, Er kennt nur Adam und Eva?Niemand hielt sich alsdann, und laut auf lachten die Mädchen,Laut auf lachten die Knaben, es hielt den Bauch sich der Alte.Fallen ließ ich den Hut vor Verlegenheit, und das GekicherDauerte fort und fort, so viel sie auch sangen und spielten.
Und ich eilte beschämt und verdrießlich wieder nach Hause,Hängte den Rock in den Schrank, und zog die Haare herunterMit den Fingern, und schwur nicht mehr zu betreten die Schwelle.Und ich hatte wohl Recht; denn eitel sind sie und lieblos,
Und ich höre, noch heiß' ich bei ihnen immer Tamino.
Da versetzte die Mutter: Du solltest, Hermann, so langeMit den Kindern nicht zürnen; denn Kinder sind sie ja sämmtlich.Minchen fürwahr ist gut, und war dir immer gewogen;
Neulich fragte sie noch nach dir. Die solltest du wählen!
Da versetzte bedenklich der Sohn: Ich weiß nicht, es prägteJener Verdruß sich so tief bei mir ein, ich möchte fürwahr nichtSie am Claviere mehr sehn und ihre Liedchen vernehmen.
Doch der Vater fuhr auf und sprach die zornigen Worte:Wenig Freud' erleb' ich an dir! Ich sagt' es doch immer,
Als du zu Pferden nur und Lust nur bezeigtest zum Acker:
Was ein Knecht schon verrichtet des wohlbegüterten Mannes,Thust du; indessen muß der Vater des Sohnes entbehren,