Reineke Fuchs.
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Schilt euch Isegrim laut, und so bewegt er den König.
Er wird Marschall; ihr werdet es sehen in wenigen Wochen.Das Kaninchen erschien, dazu die Krähe, sie brachtenGroße Klagen gegen euch vor. Und sollt' euch der KönigDießmal sahen, so lebt ihr nicht lange! Das muß ich befürchten.
Weiter nichts? versetzte der Fuchs. Das ficht mich nun allesKeinen Pfifferling an. Und hätte der König mit seinemGanzen Rathe doppelt und dreifach gelobt und geschworen:Komm' ich nur selber dahin, ich hebe mich über sie alle.
Denn sie rathen und rathen, und wissen es nimmer zu treffen.Lieber Neffe, lasset das fahren, und folgt mir und sehet,
Was ich euch gebe. Da hab' ich so eben die Tauben gefangen,Jung und fett; es bleibt mir das liebste von allen Gerichten,Denn sie sind leicht zu verdauen, man schluckt sie nur eben hin-unter;
Und die Knöchelchen schmecken so süß! sie schmelzen im Munde,Sind halb Milch, halb Blut. Die leichte Speise bekommt mir,Und mein Weib ist von gleichem Geschmack. So kommt nur, siewird uns
Freundlich empfangen; doch merke sie nicht, warum ihr ge-kommen !
Jede Kleinigkeit fällt ihr auf's Herz und macht ihr zu schaffen.Morgen geh' ich nach Hofe mit euch; da hoff' ich, ihr werdet,Lieber Neffe, mir helfen, so wie es Verwandten geziemet.
Leben und Gut verpflicht' ich euch gern zu eurem Behufe,Sagte der Dachs, und Reineke sprach: Ich will es gedenken;Leb' ich lange, so soll es euch frommen! Der andre versetzte:Tretet immer getrost vor die Herren und wahret zum BestenEure Sache, sie werden euch hören; auch stimmte LupardusSchon dahin, man sollt' euch nicht strafen, bevor ihr genugsamEuch vertheidigt; es meinte das Gleiche die Königin selber.Merket den Umstand und sucht ihn zu nutzen! Doch Reinekesagte:
Seyd nur gelassen! es findet sich alles. Der zornige König,Wenn er mich hört, verändert den Sinn; es frommt mir amEnde.
Und so gingen sie beide hinein und wurden gefälligVon der Hausfrau empfangen; sie brachte, was sie nur hatte.Und man theilte die Tauben, man fand sie schmackhaft, und jedesSpeiste sein Theil; sie wurden nicht satt, und hatten gewißlichEin halb Dutzend verzehrt, wofern sie zu haben gewesen.
Reineke sagte zum Dachse: Bekennt mir, Oheim, ich habeKinder trefflicher Art; sie müssen jedem gefallen.
Sagt mir, wie euch Rössel behagt und Reiuhart der kleine?
Sie vermehren einst unser Geschlecht und fangen allmahligAn sich zu bilden, sie machen mir Freude von Morgen bis Abend.Einer sängt sich ein Huhn, der andre hascht sich ein Küchlein;Auch in's Wasser ducken sie brav, die Ente zu holenUnd den Kibitz. Ich schickte sie gern noch öfter zu jagen;
Aber Klugheit muß ich vor allem sie lehren und Vorsicht,
Wie sie vor Strick und Jäger und Hunden sich weise bewahren.Und verstehen sie dann das rechte Wesen und sind sieAbgerichtet, wie sich's gehört, dann sollen sie täglichSpeise holen und bringen und soll im Hanse nichts fehlen;
Denn sie schlagen mir nach und spielen grimmige Spiele.
Wenn sie's beginnen, so ziehn den Kürzern die übrigen Thiere,An der Kehle fühlt sie der Gegner und zappelt nicht lange:
Das ist Reinekens Art und Spiel. Auch greifen sie hastig,
Und ihr Sprung ist gewiß; das dünkt mich eben das Rechte!
Grimbart sprach: Es gereichet zur Ehre und mag man sichfreuen,
Kinder zu haben, wie man sie wünscht, und die zum GewerbeBald sich gewöhnen, den Eltern zu helfen. Ich freue mich herzlich,Sie von meinem Geschlechte zu wissen, und hoffe das Beste. '
Mag es für heute bewenden, versetzte Reineke; gehen wirSchlafen, denn alle sind müd', und Grimbart besonders ermattet.Und sie legten sich nieder im Saale, der über und überWar mit Heu und Blättern bedeckt, und schliefen zusammen.
Aber Reineke wachte vor Angst; es schien ihm die SacheGuten Raths zu bedürfen, und sinnend fand ihn der Morgen.Und er hub vom Lager sich auf und sagte zu seinemWeibe: Betrübt euch nicht! es hat mich Grimbart gebeten,
Mit nach Hofe zu gehn; ihr bleibet ruhig zu Hause.
Redet jemand von mir, so kehret es immer zum Besten,
Und verwahret die Burg; so ist uns allen gerathen.
Und Frau Ermelyn sprach: Ich find' es seltsam! ihr wagt es.Wieder nach Hofe zu gehn, wo eurer so übel gedacht wird!
Seyd ihr genöthigt? Ich seh'es nicht ein; bedenkt das Vergangne!
Freilich, sagte Reineke drauf, es war nicht zu scherzen;
Viele wollten mir übel, ich kam in große Bedrängniß;
Aber mancherlei Dinge begegnen unter der Sonne.
Wider alles Vermuthen erfährt man dieses und jenes,
Und wer was zu haben vermeint, vermißt es auf einmal.
Also laßt mich nur gehn! ich habe dort manches zu schaffen.Bleibet ruhig, das bitt' ich euch sehr, ihr habet nicht nöthigEuch zu ängstigen. Wartet es ab! ihr sehet, mein Liebchen,
Ist es mir immer nur möglich, in fünf, sechs Tagen mich wieder.
Und so schied er von dannen, begleitet von Grimbart demDachse.
Achter Gesang.
Weiter gingen sie nun zusammen über die Heide,
Grimbart und Reineke, grade den Weg zum Schlosse des Königs.Aber Reineke sprach: Es falle wie es auch wolle,
Dießmal ahnet es mir, die Reise führet zum Besten.
Lieber Neffe, höret mich nun! Seitdem ich zum LetztenEuch gebeichtet, verging ich mich wieder in sündigem Wesen;Höret Großes und Kleines, und was ich damals vergessen.
Bon dem Leibe des Bären und seinem Felle verschafft' ichMir ein tüchtiges Stück; es ließen der Wolf und die WölfinIhre Schuhe mir ab; so hab' ich mein Müthchen gekiihlet.Meine Lüge verschaffte mir das; ich wußte den KönigAufzubringen, und hab' ihn dabei entsetzlich betrogen;