Reincke Fuchö.
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Seht ihr nicht, baß der Schalk euch betrügt und uns alle be-schädigt?
Wahrheit redet er nie und eitel Lügen ersinnt er.
Aber ich lass' ihn so leicht nicht davon! Ihr sollt es erfahren,Daß er ein Schelm ist und falsch. Ich weiß drei große Verbrechen,Die er begangen; er soll nicht entgehen, und sollten wir kämpfen.Zwar man fordert Zeugen von uns; was wollte das helfen?Stünden sie hier und sprächen und zeugten den ganzen Gerichtstag,Könnte das fruchten? er thäte nur immer nach seinem Belieben.Oft sind keine Zeugen zu stellen; da sollte der FrevlerNach wie vor die Tücke verüben? Wer traut sich zu reden?Jedeni hängt er was an und jeder fürchtet den Schaden.
Ihr und die Euren empfinden es auch und alle zusammen.Heute will ich ihn halten, er soll nicht tranken noch weichen,Und er soll zu Rechte mir stehn; nun mag er sich wahren!
Eilfter Gesang.
Isegrim klagte, der Wolf, und sprach: Ihr werdet verstehen!Reineke, gnädiger König, so wie er immer ein Schalk war,Bleibt er es auch, und steht und redet schändliche Dinge,
Mein Geschlecht zu beschimpfen und mich. So hat er mir immer,Meinem Weibe noch mehr, empfindliche Schande bereitet.
So bewog er sie einst in einem Teiche zu waten,
Durch den Morast, und hatte versprochen, sie solle des TagesViele Fische gewinnen; sie habe den Schwanz nur in's WasserEinzutauchen und hängen zu lassen: es würden die FischeFest sich beißen, sie könne selbviert nicht alle verzehren.
Watend kam sie darauf und schwimmend gegen das Ende,Gegen den Zapfen; da hatte das Wasser sich tiefer gesammelt,Und er hieß sie den Schwanz in's Wasser hängen. Die KälteGegen Abend war groß, und grimmig begann es zu frieren,Daß sie fast nicht länger sich hielt; so war auch in kurzemIhr der Schwanz in's Eis gefroren, sie konnt' ihn nicht regen,Glaubte, die Fische wären so schwer, es wäre gelungen.
Reineke merkt' es, der schändliche Dieb, und was er getrieben,Darf ich nicht sagen; er kam und übermannte sie leider.
Von der Stelle soll er mir nicht! Es kostet der FrevelEinen von beiden, wie ihr nns seht, noch heute das Leben.
Denn er schwätzt sich nicht durch; ich hab' ihn selber betroffenUeber der That, mich führte der Zufall am Hügel den Weg her.Laut um Hülfe hört' ich sie schreien, die arme Betrogne,
Fest im Eise stand sie gefangen und konnt' ihm nicht wehren,Und ich kam und mußte mit eignen Augen das allesSehen! Ein Wunder fürwahr, daß mir das Herz nicht gebrochen.Reineke! rief ich: was thust du? Er hörte mich kommen und eilteSeine Straße. Da ging ich hinzu mit traurigem Herzen,Mußte waten und frieren im kalten Wasser und konnteNur mit Mühe das Eis zerbrechen, mein Weib zu erlösen.
Ach, es ging nicht glücklich von Statten! sie zerrte gewaltig,Und es blieb ihr ein Viertel des Schwanzes im Eise gefangen.Jammernd klagte sie laut und viel; das hörten die Bauern,Kamen hervor und spürten uns aus, und riefen einander.
Hitzig liefen sie über den Damm mit Piken und Aexten,
Mit dem Rocken kamen die Weiber und lärmten gewaltig;Fangt sie! Schlagt nur und Werst! so riefen sie gegen einander,
Angst wie damals empfand ich noch nie, das Gleiche bekennetGieremund auch; wir retteten kaum mit Mühe das Leben,Liefen, es rauchte das Fell. Da kam ein Bube gelaufen,
Ein vertrackter Geselle mit einer Pike bewaffnet;
Leicht zu Fuße, stach er nach uns und drängt' uns gewaltig.Wäre die Nacht nicht gekommen, wir hätten das Leben gelassen.Und die Weiber riefen noch immer, die Hexen, wir hättenIhre Schafe gefressen; sie hätten uns gerne getroffen,Schimpften und schmähten hinter uns drein. Wir wandten uns aberVon dem Lande wieder zum Wasser und schlupften behendeZwischen die Binsen; da trauten die Bauern nicht weiter zu folgen;Denn es war dunkel geworden; sie machten sich wieder nach Hause.Knapp entkamen wir so. Ihr sehet, gnädiger König,Ueberwältigung, Mord und Verrath, von solchen VerbrechenIst die Rede, die werdet ihr streng, mein König, bestrafen.
Als der König die Klage vernommen, versetzt' er: Es werdeRechtlich hierüber erkannt! doch laßt uns Reineken hören.
Reineke sprach: Verhielt' es sich also, würde die SacheWenig Ehre mir bringen, und Gott bewahre mich gnädig,
Daß man es fände, wie er erzählt! Doch will ich nicht läugnen,Daß ich sie Fische sangen gelehrt und auch ihr die besteStraße zu Wasser zu kommen, und sie zu dem Teiche gewiesen.Aber sie lies so gierig darnach, sobald sie nur FischeNennen gehört; und Weg und Maaß und Lehre vergaß sie.Blieb sie fest im Eise befroren, so hatte sie freilichViel zu lange gesessen; denn hätte sie zeitig gezogen,
Hätte sie Fische genug zum köstlichen Mahle gefangen.
Allzugroße Begierde wird immer schädlich. Gewöhnt sichUngenügsam das Herz, so muß es vieles vermissen.
Wer den Geist der Gierigkeit hat, er lebt nur in Sorgen,Niemand sättige ihn. Frau Gieremund hat es erfahren,
Da sie im Eise befror. Sie dankt nun meiner BemühungSchlecht. Das hab' ich davon, daß ich ihr redlich geholfen!
Denn ich schob und wollte mit allen Kräften sie heben,
Doch sie war mir zu schwer, und über dieser BemühungTraf mich Isegrim an, der längs dem Ufer daher ging,
Stand da droben und rief und fluchte grimmig herunter.
Ja fürwahr ich erschrak, den schönen Segen zu hören.
Eins- und zwei- und dreimal warf er die gräßlichsten FlücheUeber mich her, und schrie von wildem Zorne getrieben.
Und ich dachte: Du machst dich davon und wartest nicht länger;Besser laufen als faulen. Ich hatt' es eben getroffen;
Denn er hätte mich damals zerrissen. Und wenn es begegnet.Daß zwei Hunde sich beißen um einen Knochen, da muß wohlEiner verlieren. So schien mir auch da das Beste gerathen,Seinem Zorn zu entweichen und seinem verworrnen Gemüthe.Grimmig war er und bleibt es; wie kann cr'S läugnen ? BefragetSeine Frau; was hab' ich mit ihm, dem Lügner, zu schaffen?Denn sobald er sein Weib im Eise befroren bemerkte,
Flucht' und schalt er gewaltig und kam und hals ihr entkommen.Machten die Bauern sich hinter sie her, so war es zum Besten;Denn so kam ihr Blut in Bewegung, sie froren nicht langer.Was ist weiter zu sagen? Es ist ein schlechtes Benehmen,
Wer sein eignes Weib mit solchen Lügen beschimpfet.
Fragt sie selber, da steht sie, und hätt' er die Wahrheit gesprochen,Würde sie selber zu klagen nicht fehlen. Indessen erbitt' ich