442
Reineke Fuchs.
Neffen wieder zu sehn. Doch Isegrim sagte dagegen:
Muhme das Weib zu begrüßen ? und Neffen die häßlichen Kinder ?Nehm' sie der Teufelzu sich! Mir graut vor solcher Verwandtschaft.Pfui! ein ganz abscheuliches Pack! ich seh' sie nicht wieder.Darum ward er so übel bezahlt. Nun richtet, Herr König!Sagt er mitRecht, ich hab' ihn verrathen? Er mag es gestehen:Hat die Sache sich nicht, wie ich erzähle,'begeben?
Isegrim sprach entschlossen dagegen: Wir machen wahrhaftigDiesen Streit mit Worten nicht aus. Was sollen wir keifen?Recht bleibt Recht, und wer es auch hat, es zeigt sich am Ende.Trotzig, Reineke, tretet ihr auf, so mögt ihr es haben!
Kämpfen wollen wir gegen einander, da wird es sich finden.Vieles wißt ihr zu sagen, wie vor der Affen BehausungIch so großen Hunger gelitten, und wie ihr mich damalsTreulich genährt. Ich wüßte nicht wie! Es war nur ein Knochen,Den ihr brachtet; das Fleisch vermuthlich speistet ihr selber.
Wo ihr stehet, spottet ihr mein und redet verwegenMeiner Ehre zu nah. Ihr habt mit schändlichen LügenMich verdächtig gemacht, als hätt' ich böse VerschwörungGegen den König im Sinne gehabt und hätte sein LebenIhm zu rauben gewünscht; ihr aber prahltet dagegenIhm von Schätzen was vor; er möchte schwerlich sie finden!Schmählich behandeltet ihr mein Weib und sollt es mir büßen.Dieser Sachen klag' ich euch an! ich denke zu kämpfenUeber Altes und Neues, und wiederhol' es: Ein Mörder,
Ein Verräther seyd ihr, ein Dieb; und Leben um LebenWollen wir kämpfen! es endige nun das Keifen und Schelten.Einen Handschuh biet' ich euch an, so wie ihn zu RechteJeder Fordernde reicht; ihr mögt ihn zum Pfande behalten,
Und wir finden uns bald. Der König hat es vernommen,
Alle die Herren haben's gehört! Ich hoffe, sie werdenZeugen seyn des rechtlichen Kampfs. Ihr sollt nicht entweichen,Bis die Sache sich endlich entscheidet; dann wollen wir sehen.
Reineke dachte bei sich: Das geht um Vermögen und Leben!Groß ist er, ich aber bin klein, und könnt' es mir dießmalEtwa mißlingen, so hätten mir alle die listigen StreicheWenig geholfen. Doch warten wir's ab! Denn wenn ich's bedenke,Bin ich im Vortheil; verlor er ja schon die vordersten Klauen!Ist der Thor nicht kühler geworden, so soll er am EndeSeinen Willen nicht haben, es koste, was es auch wolle.
Reineke sagte zum Wolfe darauf: Ihr mögt mir wohl selberEin Verräther, Isegrim, seyn, und alle Beschwerden,
Die ihr auf mich zu bringen gedenket, sind alle gelogen.
Wollt ihr kämpfen? ich wag' es mit euch und werde nicht wanken.Lange wünscht' ich mir das! hier ist mein Handschuh dagegen.
So empfing der König die Pfänder, es reichten sie beideKllhnlich. Er sagte darauf: Ihr sollt mir Bürgen bestellen,Daß ihr morgen zum Kampfe nicht fehlt; denn beide ParteienFind'' ich verworren; wer mag die Reden alle verstehen?Jsegrim's Bürgen wurden sogleich der Bär und der Kater,Braun und Hinze; für Reineken aber verbürgten sich gleichfallsBetter Moneke, Sohn von Martin, dem Affen, mit Grimbart.
Euer Oheim, mich einst ein Gebet; es hatte dasselbeAbt von Schluckauf gesetzt, und gab es meinem Gemahle,
Dem er sich günstig erwies, auf einem Zettel geschrieben.
Dieses Gebet, so sagte der Abt, ist heilsam den MännernDie in's Gefecht sich begeben; man muß es nüchtern des MorgensUeberlesen, so bleibt man des Tags von Noth und GefahrenVöllig befreit, vor'm Tode geschützt, vor Schmerzen und Wunden.Tröstet euch, Neffe, damit! ich will es morgen bei ZeitenUeber euch lesen, so geht ihr getrost und ohne Besorgniß.
Liebe Muhme, versetzte der Fuchs, ich danke von Herzen;Ich gedenk' es euch wieder. Doch muß mir immer am meistenMeiner Sache Gerechtigkeit helfen, und meine Gewandtheit.
Reinekens Freunde blieben beisammen die Nacht durch undscheuchten
Seine Grillen durch muntre Gespräche. Frau Rückenau aberWar vor allen besorgt und geschäftig: sie ließ ihn behendeZwischen Kopf und Schwanz, und Brust und Bauche bescheerenUnd mit Fett und Oele Lestreichen; es zeigte sich aberReineke fett und rund und wohl zu Fuße. DarnebenSprach sie: Höret mich an, bedenket, was ihr zu thun habt!Höret den Rath verständiger Freunde, das hilft euch am besten.Trinket nur brav und haltet das Wasser, und kommt ihr desMorgens
In den Kreis, so macht es gescheidt, benetzet den rauhenWedel über und über und sucht den Gegner zu treffen;
Könnt ihr die Augen ihm salben, so ist's am besten gerathen;Sein Gesicht verdunkelt sich gleich; es kommt euch zu Statten,Und ihn hindert es sehr. Auch müßt ihr anfangs euch furchtsamStellen, und gegen den Wind mit flüchtigen Füßen entweichen.Wenn er euch folget, erregt nur den Staub, auf daß ihr die AugenIhm mit Unrath und Sande verschließt. Dann springet zur Seite,Paßt auf jede Bewegung, und wenn er die Augen sich auswischt,Nehmt des Vortheils gewahr und salbt ihm aus's neue die AugenMit dem ätzenden Wasser, damit er völlig verbünde,
Nicht mehr wisse, wo aus noch ein, und der Sieg euch verbleibe.Lieber Neffe, schlaft nur ein wenig, wir wollen euch wecken,Wenn es Zeit ist. Doch will ich sogleich die heiligen WorteUeber euch lesen, von welchen ich sprach, auf daß ich euch stärke.Und sie legt' ihm die Hand aus's Haupt und sagte die Worte:Nekräst negibaul geid sum namteflih dnudna mein tedachs!
Nun Glück auf! nun seyd ihr verwahrt! Das Nämliche sagteOheim Grimbart; dann führten sie ihn und legten ihn schlafen.Ruhig schlief er. Die Sonne ging auf; da kamen die OtterUnd der Dachs, den Vetter zu wecken. Sie grüßten ihn freundlich,Und sie sagten: Bereitet euch wohl! Da brachte die OtterEine junge Ente hervor und reicht' sie ihm sagend:
Eßt! ich habe sie euch mit manchem Sprunge gewonnenAn dem Damme bei Hünerbrot; laßt's euch belieben, mein Vetter!
Gutes Handgeld ist das, versetzte Reineke munter;
So was verschmäh' ich nicht leicht. Das möge Gott euch vergelten,Daß ihr meiner gedenkt! Er ließ das Essen sich schmeckenUnd das Trinken dazu, und ging mit seinen VerwandtenIn den Kreis, auf den ebenen Sand, da sollte man kämpfen.
Reineke, sagte Frau Rückenau drauf, nun bleibet gelassen,Klug von Sinnen! Es lehrte mein Mann, der jetzo nach Rom ist,