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Reineke Fuchs.
Setzten ihm zu, er jammerte laut und schien zu verzweifeln.Sorglich wartete Gieremund sein, mit traurigem Muthe,Dachte den großen Verlust. Mit mannichfaltigen SchmerzenStand sie, bedauerte sich und ihre Kinder und Freunde,
Sah den leidenden Mann; er konnt' es niemals verwinden,Ras'te vor Schmerz, der Schmerz war groß und traurig die Folgen.
Reineken aber behagte das wohl, er schwätzte vergnüglichSeinen Freunden was vor und hörte sich preisen und loben.Hohen Muthes schied er von dannen. Der gnädige KönigSandte Geleite mit ihm, und sagte freundlich zum Abschied:Kommt bald wieder! Da kniete der Fuchs am Throne zur Erden,Sprach: Ich dank' euch von Herzen und meiner gnädigen Frauen,Eurem Rathe, den Herren zusammt. Es spare, mein König,Gott zu vielen Ehren euch auf, und was ihr begehret,
Thu' ich gern; ich lieb' euch gewiß und bin es euch schuldig.Jetzo, wenn ihr's vergönnt, gedenk' ich nach Hause zu reisen,Meine Frau und Kinder zu sehn; sie warten und trauern.
Reiset nur hin, versetzte der König, und fürchtet nichts weiter!Also machte sich Reineke fort, vor allen begünstigt.
Manche seines Gelichters verstehen dieselbigen Künste;
Rothe Bärte tragen nicht alle, doch sind sie geborgen.
Reineke zog mit seinem Geschlecht, mit vierzig Verwandten,Stolz von Hofe, sie waren geehrt und freuten sich dessen.
Als ein Herr trat Reineke vor, es folgten die andern.
Frohen Muthes erzeigt' er sich da, es war ihm der WedelBreit geworden, er hatte die Gunst des Königs gefunden,
War nun wieder im Rath, und dachte, wie er es nutzte.
Wen ich liebe, dem frommt's und meine Freunde genießeu's.Also dacht' er; die Weisheit ist mehr als Gold zu verehren.
So begab sich Reineke fort, begleitet von allenSeinen Freunden, den Weg nach Malepartus, der Beste.
Allen zeigt' er sich dankbar, die sich ihm günstig erwiesen,
Die in bedenklicher Zeit an seiner Seite gestanden.
Seine Dienste bot er dagegen; sie schieden und gingenZu den Seinigen jeder, und er in seiner BehausungFand sein Weib, Frau Ermelyn, wohl; sie grüßt' ihn mit Freuden,Fragte nach seinem Verdruß, und wie er wieder entkommen,Reineke sagte: Gelang es mir doch! Ich habe mich wiederIn die Gunst des Königs gehoben, ich werde wie vormalsWieder im Rathe mich finden, und unserm ganzen GeschlechteWird es zur Ehre gedeihn. Er hat mich zum Canzler des ReichesLaut vor allen ernannt und mir das Siegel befohlen:
Alles, was Reineke thut und schreibt, es bleibet für immerWohlgethan und geschrieben; das mag sich jeglicher merken!
Unterwiesen hab' ich den Wolf in wenig Minuten,
Und er klagt mir nicht mehr. Geblendet ist er, verwundet,
Und beschimpft sein ganzes Geschlecht; ich hab' ihn gezeichnet!Wenig nützt er künftig der Welt. Wir kämpften zusammen,Und ich hab' ihn untergebracht. Er wird mir auch schwerlichWieder gesund. Was liegt mir daran? Ich bleibe sein Vormann,Aller seiner Gesellen, die mit ihm halten und stehen.
Reinekeus Frau vergnügte sich sehr; so wuchs auch den beidenKleinen Knaben der Muth bei ihres Vaters Erhöhung.
Unter einander sprachen sie froh: Vergnügliche TageLeben wir nun, von allen verehrt, und denken indessenUnsre Burg zu befest'gen und heiter und sorglos zu leben.
Hochgeehrt ist Reineke nun! Zur Weisheit bekehreBald sich jeder, und meide das Böse, verehre die Tugend!Dieses ist der Sinn des Gesangs, in welchem der DichterFabel und Wahrheit gemischt, damit ihr das Böse vom GutenSondern möget und schätzen die Weisheit, damit auch die KäuferDieses Buchs vom Laufe der Welt sich täglich belehren.
Denn so ist es beschaffen, so wird es bleiben, und alsoEndigt sich unser Gedicht von Reinekens Wesen und Thaten.Uns verhelfe der Herr zur ewigen Herrlichkeit! Amen.