Festgedichte.
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Was er gepfropft und oculirtMit sichrer, kluger Hand,
Das Bäumchen, zart, ist anspalirtNach Ordnung und Verstand.
Doch sagt mir, was es heißen soll?Warum ist er so still?
Man sieht, ihm ist der Kopf so voll,Daß er was andres will.
Genug ihm wird nicht wohl dahier,
Ich fürcht', er will davon;
Er schreitet nach der Gartenthür'
Und draußen ist er schon.
Im Felde giebt's genug zu thun,
Wo der Befreite schweift;
Er schaut, studirt und kann nicht ruhn,Bis es im Kopfe reist.
Auf einmal hat's der Biedre los,
Wie er das Beste kann:
Nicht ruhen soll der Erdenkloß,Am wenigsten der Mann!
Bring' er Töchter nun und Söhne,Sittenreich, in holder Schöne,
Vor den Vater alles Guten,
In die reinen Himmelsgluthen,Mitgenossen ew'ger Freuden! —Das erwarten wir bescheiden.
Der Frau von Ziegesar, geb. von Stein,
zum Geburtstage. 3
Zwar die vierunbzwanzig RitterEhren wir in allen Fällen;
- Doch auch Fräulein sind nicht bitter,
Wenn sie sich dazwischen stellen.
Heute lasset mich beachtenSolche lieblichsten Vereine,
Wenn sie bunte Reihe machtenDie Ziegesar und die Steine.
Der Boden rührt sich ungesäumtIm Wechsel jedes Jahr,
Ein Feld so nach dem andern keinitUnd reift und fruchtet baar;
So fruchtct's auch von Geist zu Geist,Und nutzt von Ort zu Ort.
Gewiß ihr fragt nicht, wie er heißt;Sein Name lebe fort!
Kämen sämmtlich angezogenDieser Stämme frohe Lichter,Würden Könige gewogenUnd begrüßten sie die Dichter.
Und besonders aber Eine,Welche wir zu segnen kamen;Freunde nennen Sie die Kleine,Sie verdient gar viele Namen.
Erwiederung
der Feier meines siebzigsten Geburtstages.
Sah gemalt, in Gold und Rahmen,
Grauen Barts, den Ritter reiten,
Und zu Pferd an seinen SeitenAn die vierundzwanzig kamen;
Sie zum Thron des Kaisers ritten,Wohlempfangen, wohlgelitten,
Derb und kräftig, hold und schicklich.
Und man Pries den Vater glücklich.
Sieht der Dichter, nah und ferneSöhn' und Töchter, lichte Sterne,
Sieht sie alle Wohlgerathen,
Tüchtig, von geprüften Thaten,
Freigesinnt, sich selbst beschränkend,
Immerfort das Nächste denkend;
Thätig treu in jedem Kreise,
Still beharrlich jeder Weise;
Nicht vom Weg, dem graben, weichend,
Und zuletzt das Ziel erreichend.
Herrn Geheimeratli von Frankenberg's Jubiläum
am 2. Januar 1815.
Hat der Tag sich kaum erneuet,
Wo uns Winterfreude blühet,
Jedermann sich wünschend freuet,
Wenn er Freund' und Gönner siehet.
Sagt, wie schon am zweiten TageSich ein zweites Fest entzündet?
Hat vielleicht willkommne SageVaterland und Reich gegründet?
Haben sich die AllgewaltenEndlich schöpferisch entschieden,
Aufzuzeichnen, zu entfaltenAllgemeinen ew'gen Frieden?
Nein! — Dem Würdigen, dem BiedernWinden wir vollkommne Kränze,
Und zu aller Art voll LiedernSchlingen sich des Festes Tänze.