Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
JPEG-Download
 

456

Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Selbst das Erz erweicht sich gerne,Wundersam ihn zu verehren;

Aber ihr, auch aus der Ferne,

Laßt zu seinem Preise hören!

Er, nach langer Jahre Sorgen,

Wo der Boden oft gebidmet,

Sieht nun Fürst und Volk geborgen,Dem er Geist und Kraft gewidmet.

Die Gemahlin, längst verbundenIhm als treulichstes Geleite,

Sieht er auch, der tausend StundenFroh gedenk, an seiner Seite.

Leb' er so, mit Jllnglingskräften,Immer herrlich und vermögsam,

In den wichtigsten GeschäftenHeiter klug und weise regsam,

Und in seiner Trauten KreiseSorgenfrei und unterhaltend,

Eine Welt, nach seiner Weise,

Nah und fern umher gestaltend.

Erwiederung der festlichen Gaben,

angelangt von Frankfurt nach Weimar, den 28. August 18M.

Pflegten wir krystallen GlasRasch mit Schaum zu füllen,

Und mit Maaß und ohne MaaßDurst und Lust zu stillen;

Reicht man jetzt dem heitern ZecherSilbern-, reich verzierten Becher,

Scheint es gar bedenklich.

Ward auch alt- und junger WeinReichlich hergespendet,

Wie die Fülle sich vom MainNorden zugewendet:

Euren Frohsinn im BehagenSollen wir in guten TagenDankbar mitgenießen.

Werde Silber, werde Gold,

Wie sich's ziemt, verehret;

Bleibe guter Geist euch hold,

Der im Stillen lehret:

Sich an's Reine zu gewöhnen,

Und im Aechten, Guten, SchönenRecht uns einzubürgern.

Den verehrten

Achtzehn Frankfurter Festfreunden

am 28. August 183l.

Heitern Weinbergs LustgewimmelFraun und Männer, thätig, bunt,

Laut ein fröhliches Getümmel,

Macht den Schatz der Rebe kund.

Dann, der Kelter trübes FließenAbgewartet, hellen Most,

Jahresgabe zu genießen,Hoffnungsreiche Lebenskost.

Doch im Keller wird's bedenklich,

Dem Gefäß entquillt ein Schaum,

Und erstickend ziehn verfänglich,

Dünste durch den düstern Raum.

Edle Kraft, in sich bewahret,

Wächst im Stillsten unvermerkt,

Bis, gesteigert und bejahret,

Sie des Freundes Fest verstärkt.

Großes, redliches BemühenEmsig still sich fördern mag;

Jahrd kommen, Jahre fliehen,

Freudig tritt es auf zum Tag.

Künste so und WissenschaftenWurden ruhig - ernst genährt,

Bis die ewig MusterhaftenEndlich aller Welt gehört.

Toast zum 28. August 1828

beim akademische» Gastmahl auf der Rose.

Wo Jahr um Jahr die Jugend sich erneut,Ein frisches Alter würd'ge Lehre beut,

Wo Fürsten reichlich hohe Mittel spenden,Was alles kann und wird sich da vollenden,Wenn jeder thätig, froh, an seinem Theil!Heil jedem Einzelnen! dem Ganzen Heil!

Toast zum Landtage.

Das Wohl des Einzelnen bedenken,

Im Ganzen auch das Wohl zu lenken,

Welch wünschcnswerthester Verein!

Den guten Wirth beruft man zum Berather,Ein jeder sey zu Hause Vater,

So wird der Fürst auch Landesvater seyn.