Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Derselben.

Retsesegen. 37

Sey die Zierde des Geschlechts!Blicke weder links noch rechts;Schaue von den GegenständenIn Dein Innerstes zurück;Sicher traue Deinen Händen,Eignes fördre, Freundes Glück.

Än Julien.

Zur TreSdncr Reise. M

Ein guter Geist ist schon genug,

Du gehst zu hundert Geistern;

Vorüber wandelt Dir ein ZugVon großen, großem Meistern.

Sie grüßen alle Dich fortanAls seinen Junggesellen,

Und winken freundlich Dich heran,

Dich in den Kreis zu stellen.

Du stehst und schweigst am heil'gen OrtUnd möchtest gerne fragen;

Am Ende ist's ein einzig WortWas sie Dir alle sagen.

Laß den Makrokosmus gelten,Seine spenstischen Gestalten!Da die lieben kleinen WeltenWirklich Herrlichstes enthalten.

Än Julien?"

Von so zarten Miniaturen,

Wie der schönen Hand sie glücken,Schreitest Du auf breitre Spuren,Wichtiger umher zu blicken.

Heil den ernsteren Geschäften!Seligen Erfolg zu schauen,

Einigest zu Mannes KräftenLiebenswürdiges der Frauen.

Julien."

Abgeschlossen sey das Buch,

Es enthält fürwahr genug;

Was davon Dich kann erfreuen,

Wird sich immerfort erneuen,

Und was mag dem Scheiden frommen,Als ein baldig Wiederkommen?

Lntoptische Jarben.

An Julien.

Laß Dir von den SpiegeltenUnsrer Physiker erzählen,

Die am Phänomen sich freuen,Mehr sich mit Gedanken quälen.

Spiegel hüben, Spiegel drüben,Doppelstellung auserlesen,

Und dazwischen ruht im TrübenAls Krystall das Erdewesen.

Dieses zeigt, wenn jene blicken,Allerschönste Farbenspiele;Dämmerlicht, das beide schicken,Offenbart sich dem Gefühle.

Herrn Canzler von Müller. "

Weimar, den 1S. April 1822.

Will sich's wohl ziemen, Dir zum zweitenmal«:Dieselbe Gabe festlich darzubringen?

Den Dichtertrank in Deiner eignen Schale,

Und nur dazu das alte Lied zu singen?

So sey es denn! Es bleiben alte LiederDen Christgemeinden wie gewohnt erbaulich;

Und Hort er Freundes Wunsch und Segen wieder,Er findet sie wie immer lieb und traulich.

Herrn Grafen Caspar Sternberg.

Schwarz wie Kreuze wirst du sehen,Pfauenaugen kann man finden;

Tag und Abendlicht vergehen,

Bis zusammen Leide schwinden.

Und der Name wird ein Zeichen,Tief ist der Krystall durchdrungen:Aug' im Auge sieht dergleichenWundersame Spiegelungen.

Wenn mit jugendlichen SchaarenWir beblllmte Wege gehn,

Ist die Welt doch gar zu schön!Aber wenn bei hohen JahrenSich ein Edler uns gesellt,

O wie herrlich ist die Welt!