An Personen.
Zum Geburtstag,
mit meinen kleinen Gedichten.
Jenn, den 22. Mai 1817.
Wenn Kranz auf Kranz den Tag umwindet,Sey dieser auch Ihr zugewandt,
Und wenn Sie hier Bekannte findet,
So hat Sie sich vielleicht erkannt.
In ein Stammbuch.
Wen ein guter Geist besessen,Hält sich das Gedächtniß rein;Alles Uebel sey vergessen,Eingedenk der Lust zu seyn!Bleib' ein fröhliches VermächtnißJed' Ergötzen, jede Ruh;
So belebe Dein GedächtnißUnd dann denke mich dazu!
In das Stammbuch
meinem lieben Enkel
Walter von Goethe
unter folgende Worte Jean Panl's:
„Der Mensch hat dritthalh Minuten; eine zu lächeln, eine zu seufzen,und eine halbe z» lieben: denn mitten in dieser Minute stirbt er."
Ihrer sechzig hat die Stunde,
Ueber tausend hat der Tag;
Söhnchen, werde Dir die Kunde,
Was man alles leisten mag!
Find' in dieser Büchlein ReiheManches Alte, manches Neue!Dich, zu ihnen wiederkehrend,Stets erstellend, oft belehrend.
Viel gute Lehren stehn in diesem Buche;Summst' ich sie, so heißt's doch nur zuletzt:Wohlwollend sieh umher und freundlich suche,So findest du, was Geist und Herz ergötzt.
An dem stillbegränzten OrteBilde Dich, so wie's gebührt;Jüngling! öffne Dir die Pforte,Die in's weite Leben führt!
An Demoiselte Sontag.
Ging zum Pindus, Dich zu schildern;Doch geschah's zu meiner Qual:
Unter neun GeschwisterbildernWogte zweifelnd Wahl um Wahl.Phöbus mahnt' mich ab von: Streben:Sie gehört zu unserm Reich;
Mag sie sich hieher begeben,
Findet wohl sich der Vergleich.
Daß man in Güter dieser ErdeZu theilen sich bescheiden werde,Singt manches alt und neue Lied.Und wären's zarte Liebesgaben,Mit wem wir sie zu theilen haben,Das macht den großen Unterschied.
Die Gegenwart weiß nichts von sich,Der Abschied fühlt sich mit Entsetzen:Entfernen zieht dich hinter dich,Abwesenheit allein versteht zu schätzen.
An Mir Mendelssohn-Larthotdy.
Wenn über die ernste PartiturQuer Steckenpferdlein reiten;
Nur zu! auf weiter TöneflurWirst manche Lust bereiten,
Wie Du's gethan mit Lieb' und Glück:
Wir wünschen Dich allesammt zurück.
Wenn das Talent verständig waltet,Wirksame Tugend nie veraltet.
Wer Menschen gründlich konnt' erfreun,Der darf sich vor der Zeit nicht ffchenn;
Und möchtet ihr ihm Beifall geben,
So gebt ihn uns, die wir ihn frisch beleben.
Schulpforta.
Ehre, Deutscher, treu und innigDes Erinnerns werthen Schatz!Denn der Knabe spielte sinnigKlop stock einst auf diesem Platz.
G.'s Feder an.
Was ich mich auch sonst erkühnt,Jeder würde froh mich lieben,Hätt' ich treu und frei geschriebenAll das Lob, das Du verdient.