486
Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.
Herrn Ferdinand Hitler.
(Schüler von Hummel, iBei seiner Reise nach Wien,
Ein Talent, das jedem frommt,Hast Du in Besitz genommen;Wer mit holden Tönen kommt,Ueberall ist der willkommen.
Zu der Brust, der sie entquollen,Diese Blätter wandern sollen;Immer liebevoll bereit,
Zeugen allerschönster Zeit.
Weimar, den 3, März 183t,
Welch ein glänzendes Geleite!Ziehest an des Meisters Seite;Du erfreust Dich seiner Ehre,Er erfreut sich seiner Lehre.
Än Frau Llementine von Mandelsloh.
Wenn Phöbus' Rosse sich zu schnellIn Dunst und Nebel stürzen,
Geselligkeit wird blendend hellDie längste Nacht verkürzen.
Und wenn sich wieder auf zum LichtDie Hören eilig drängen,
So wird ein liebend FrohgesichtDen längsten Tag verlängern
Weimar, am kürzesten Tage 1830.
Rhein und Main/'
Zu des Rheins gestreckten Hügeln,Hochgesegneten Gebreiten,
Auen, die den Fluß bespiegeln,Weingeschmllckten Landesweiten,Möget mit GedankenflügelnIhr den treuen Freund begleiten.
Was ich dort gelebt, genossen,Was mir all dorther entsprossen,Welche Freude, welche Kenntniß,Wär' ein allzulang Geständniß.Mög' es jeden so erfreuen,
Die Erfahrenen, die Neuen!
Erst Empfindung, dann Gedanken,Erst in's Weite, dann zu Schranken,Aus dem Wilden, hold und mild,Zeigt sich dir das wahre Bild.
In das Stammbuchtcr
Fräulrin Melanie von Spiegel.
Würd' ein künstlerisch BemühenRosenbüsche, wie sie blühen,Rosenkrone, wie sie leuchtet,
Hell vom Morgenthau befeuchtet,Diesen Blättern anvertrauen,
Würdest Du Dein Bildniß schauen.Wie's der Sommergartcn hegt,Bleibt's in unsrer Brust geprägt.
Weimar, am längsten Tage 183t.
Wenn ihr's habt und wenn ihr's wißt,Wißt ihr denn, wer es vermißt?Bleibet eurem Sinne treu!
Neu ist alt und Alt ist neu.
Hier sah ich hin, hier sah ich zuNach liebevoller Weise;
Die fernen Lieben, Du, auch Du,Sie lebten froh im Kreise.
Siehst du das, wie ich es sah,Wohnst du, so wie ich gewohnt;Lieb' und Freundschaft sind dir nah,Und ein jeder Tag betont.
Vermiichtiliß.
Vor die Augen meiner Lieben,
Zu den Fingern, die's geschrieben —Einst, mit heißestem VerlangenSo erwartet wie empfangen —
Nicht ist alles Gold, was gleißt,Glück nicht alles, was so heißt,
Nicht alles Freude, was so scheint.Damit hab' ich gar manches gemeint.