Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Jnvectiren.

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Aber weil durch ihren FrevelSie verdienen ew'ge Hölle,

Setzt sie der behende JungeImmer wieder auf die Stelle.

Und so stürzen meine FeindeDurch des Arms Geschick und Stärke;Darum nannt' ich auch die KugelnNach dem Namen meiner Werke.

Eine heißt die Sucht zu glänzen;Und dann steigt es immer höher,

Das Jahrhundert nannt' ich eine,Eine den Hyperboreer.

Wie Alcinous behaglichKönnt' ich mich auf Rosen betten;

Doch das Weimar'sche TheaterSchickt mir mit dem Westwind Kletten.

Und das Unkraut wächst behende,

Und aus jedem DistelkopseSeh' ich eine Maske blicken,

Gräßlich mit behaartem Schöpfe.

Merkel schickt mir einen Boten:

Doch ich schweige, lass' ihn warten;Weiter geh' ich, und er folgt mirGar bescheiden durch den Garten.

Und wie jener Röm'sche KönigSich den höchsten Mohn erlesen,

Also fahr' ich mit der GerteIn das schnöde Distelwesen.

Alle die verdammten Köpfe,

Die so stech herüber gucken,

Sollen gleich vor meinen HiebenFallen oder niederducken.

Und der Bote merkt verwundertMein geheimnißvolles Wandeln,

Geht und meldet'« meinem Freunde;Dieser fängt nun an zu handeln.

Und so glänzen wir, mit Ehren,

Unter allen krit'schen Mächten,

Die Verständ'gen, die Bescheidnen,Und besonders die Gerechten.

Journal der Moden.

Der Redacteur spricht.

Wir sollten denn doch auch einmalWas Conseqnentes sprechen,

Und nicht, wie immer, Haub' und ShawlUnd Hut vom Zaune brechen;

Erwähnen, was des Menschen GeistSo aus sich selbst entwickelt,

Und nicht, wie Fall und Zufall weist,Census zusammenstückelt;

Ein Wissen, das in's Ganze strebt,

Und Kunst auf Fundamenten,

Nicht, wie man Tag' um Tage lebt,Von fremden Elementen.

Allein wie richten wir es ein?

Wir sinnen uns zu Tode.

Mitarbeiter spricht.

Beim Zevs! was kann bequemer seyn?So macht es doch nur Mode!

S- und K.

Ihr möchtet gern den brüderlichen SchlegelnMit Beil und Axt den Reisekahn zerstückelt;

Allein sie lassen euch schon weit im Rücken,

Und ziehen fort mit Rudern und mit Segeln.

Zwar wär' es billig, diesen stechen VögelnAuch tüchtig was am bunten Zeug zu flicken;

Doch euch, ihr Musenlosen, wird's nicht glücken:Drum, Flegel, bleibt zu Haus mit enern Flegeln!

Dramatisch tanzt ein Esel vor Apollen,

Und reichet traulich seinem Freund die Patschen,Dem Häßlichzerrer besserer Naturen.

Der liefert Hexen, jener liefert Huren,

Und beide hören sich aus einer vollenParterrkloak bejubeln nnd beklatschen.

Schämt euch, ihr Bessern, auch mit einzupatschen!Die Müh', uns zu vernichten, ist verloren:

Wir kommen neugebärend, neugeboren.

Triumvirat.

Den Gott der Pfuschereien zu begrüßen,

Kam Leichtfuß, Genius der Zeit, gegangen:

Laß uns, mein Theurer, an einander hangenWie Klett' und Kleid! Pedanten mag's verdrießen.

Wir ruhen bald von unsrer einz'gen, süßen,

Planlosen Arbeit mit genährten Wangen;

Wenn Dilettantenskizzen einzig prangen,

Sey ernste Kunst in's Fabelreich gewiesen.

An Schmierern fehlt's nicht, nicht am Lob der Schmierer;Der rühmt sich selbst, den preiset ein Verleger,

Der Gleiche den, der Pöbel einen Dritten: