Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Doch fehlt im Ganzen noch ein Rädelsführer,

Ein unermüdlich unverschämter PrägerPapierner Münze. Da trat in die Mitten

Herr Ueberall, in Tag - und MonatstempelnDen Lumpenbrei der Pfuscher und der SchmiererMit Bchr zum Meisterwerk zu stempeln.

*... und *...

Die gründlichsten Schuften, die Gott erschuf,Und zwar zu eigenstem Beruf,

Auf Deutschlands angebauten GauenDie Menge zu kirren und zu krauen,

Indem sie sagen Tag für Tag,

Was jeder gerne hören mag:

Der Nachbar sey brav in vielen Stücken,Doch könne man ihm auch am Zeuge flicken.Vor ihnen beiden, wie vor Gott,

Sey alle Menschentugend Spott,

Ja, wenn man's recht nimmt, gar ein Laster.Das machte die Herren nicht verhaßter;

Denn Hinz und Kunz, an ihren Stellen,Glaubten doch auch was vorzustellen.

Gottheiten zwei, ich weiß nicht wie sie heißenDenn ich bin nicht des Heidenthnms beflissen

Von böser Art Gottheiten! wie wir wissen,

Die gern, was Gott und Mensch verband, zerreißen.

Die beiden also sagten: Laß versuchen,

Wie wir dem Deutschen Volk ein Unheil bringen;

Sie mögen reden, schwätzen, tanzen, singen,

Sie müssen sich und all ihr Thun verfluchen.

Sie lachten gräßlich, fingen an zu formenSchlecht schlechten Teig, und kneteten beflissen:

Figuren waren's; aber wie.

Das sind nun die Enormen!

Welch ein verehrendes GedrängeSchließt den verfluchten *... ein?Natürlich! jeder aus der MengeWünscht sehnlich, so ein Mann zu seyn.

Er sah fürwahr die Welt genau;

Doch schaut er sie aus seinen Augen:Deßwegen konnte Mann und FrauAuch nicht das Allermindste taugen.

Daß er aus Bosheit schaden mag,

Das ist ihm wohl erlaubt;

Doch fluch' ich, daß er Tag für TagAuch noch zu nützen glaubt.

Kotzebue.

Februar 1816.

Natur gab dir so schöne Gaben,

Als taufend andre Menschen nicht haben;

Sie versagte dir aber den schönsten Gewinnst,Zu schätzen mit Freude fremdes Verdienst.

Könntest du dich deiner Nachbarn freuen,

Du stelltest dich ehrenvoll mit in den Reihen;Nun aber hat dich das Rechte verdrossen,

Und hast dich selber ausgeschlossen.

Und wenn nach hundert Jahren ein MeinerDeiner Werke gedenkt und deiner,

So darf er es nicht anders sagen;

Du kannst ihn beim jüngsten Gericht verklagen.

Demselben.

Eisenach, den 18. Oktober 1817.

Du hast es lange genug getrieben,Niederträchtig vom Hohen geschrieben,Hättest gern die tiefste NiedertrachtDem Allerhöchsten gleichgebracht.

Das hat denn deine Zeitgenossen,

Die Tüchtigen mein' ich, baß verdrossen;Hast immer doch Ehr' und Glück genossen.

St. Peter hat es dir aber gedacht,

Daß du ihn hättest gem klein gemacht,Hat dir einen bösen Geist geschickt,

Der dir den heimischen Sinn verrückt,Daß du dein eignes Volk gescholten.

Die Jugend hat es dir vergolten:

Aller End' her kamen sie zusammen,

Dich haufenweise zu verdammen;

St. Peter freut sich deiner Flammen.

Bist du Gemündisches Silber, so fürchte den schwarzen Probir-stein;

Kotzebue, sage, warum hast du nach Rom dich verfügt?

Ultimatum.

Wollt', ich lebte noch hundert JahrGesund und froh, wie ich meistens war;Merkel, Spazier und KotzebueHätten auch so lange keine Ruh,

Müßten'« collegialisch treiben,

Täglich ein Pasquill auf mich schreiben.Das würde nun für's nächste LebenSechsnnddreißigtausend fünfhundert geben,