Gedichte zu Bildern.
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Gedichte zu Bildern.
Adler,
mit einer Lvra noch oben strebend.
Sollen immer unsre LiederNach dem höchsten Aether dringen?
Bringe lieber sie hernieder,
Daß wir Lieb' und Liebchen singen.
Bei Tag der Wolken formumformend Weben!Bei Nacht des Sternenheeres glühend Leben!Mit reinen Saiten wag' empor zu dringen!Du wirst der Sphären ewige Lieder singen.
Guter Adler, nicht so munterMit der Leier fort nach oben!Bringe lieber sie herunter,Daß wir uns an ihr erproben;Manches ist an uns zu loben.
Schwebender Genius über der Erdkugel,
mit der einen Hand nach nnten. nitt der andern nachoben deutend.
Zwischen oben, zwischen untenSchweb' ich hin zu muntrer Schau;
Ich ergötze mich am Bunten,
Ich erquicke mich im Blau.
Neiuento mori! giebt's genug,
Mag sie nicht Hererzählen;
Warum sollt' ich im LebensflugDich mit der Gränze quälen?
Drum, als ein alter Knasterbart,Empfehl' ich dir ckooeuäo:
Mein theurer Freund, nach deiner Art,Nur vivsrs lueweuto!
Wenn am Tag Zenith und FerneBlau in's Ungemeßne fließt,Nachts die Ueberwucht der SterneHimmlische Gewölbe schließt;
So am Grünen, so am BuntenKräftigt sich ein reicher Sinn;
Und das Oben wie das UntenBringt dem edlen Geist Gewinn.
Leschildeter Arm
gegen ein vorüberziehendes Wetter Bücher beschützend.
Manches Herrliche der WeltIst in Krieg und Streit zerronnen;
Wer beschützet und erhält,
Hat das schönste Loos gewonnen.
Soll dich das Alter nicht verneinen,
So mußt du es gut mit andern meinen;Mußt viele fördern, manchem nützen:Das wird dich vor Vernichtung beschützen.
Regenbogen
über den Hügeln einer anmnthigen Landschaft.
Grau und trüb und immer trüberKommt ein Wetter angezogen:
Blitz und Donner sind vorüber,
Euch erquickt ein Regenbogen.
Wilde Stürme, KriegeswogenRas'ten über Hain und Dach;Ewig doch und allgemachStellt sich her der bunte Bogen.
Frohe Zeichen zu gewahrenWird der Erdkreis nimmer müde;Schon seit vielen tausend JahrenSpricht der Himmelsbogen: Friede!
Aus des Regens düstrer TrübeGlänzt das Bild, das immer neue;Aus den Thränen zarter LiebeSpiegelt sich der Engel Treue.
Genius, die Lüste der Natur enthüllend.
Bleibe das Geheimniß theuer!
Laß den Augen nicht gelüsten!
Sphinx Natur, ein Ungeheuer,
Schreckt sie dich mit hundert Brüsten.