494
Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.
Suche nicht verborgne Weihe!Unter'm Schleier laß das Starre!Willst du leben, guter Narre,Sich nur hinter dich in's Freie.
Anschaun, wenn es dir gelingt,Daß es erst in's Innre dringt,Dann nach außen wiederkehrt,Bist am herrlichsten belehrt.
Urne auf einem bunten Teppich.
Kannst du die Bedeutung lesen,
Ihren Sinn verlierst du nie:
Beide sind nur todte Wesen,
Und die Kunst belebte sie.
Offen steht sie! doch geheime Gaben,Zugerollt, in ihrem SchooßeLiegen ahnungsvoll die Loose:
Wer's ergreift, der wird es haben.
Leuchtender Stern
über Winkelwage, Blei und Zirkel.
Zum Beginnen, zum VollendenZirkel, Blei und Winkelwage:
Alles stockt und starrt in Händen,Leuchtet nicht der Stern dem Tage.
Sterne werden immer scheinen,Allgemein auch, zum Gemeinen;Aber gegen Maaß und KunstRichten sie die schönste Gunst.
Pinsel und Feder,
vom Lorbeer umwunden und von einem Sonnendlickbeleuchtet.
Auf den Pinsel, auf den KielMuß die Sonne freundlich blicken,
Dann erreichen sie das Ziel,
Erdensohne zu beglücken;
Künstlern auch der Lorbeer grünt,
Wenn sie freudig ihn verdient.
Willst du Großes dich erkühnen,Zeigt sich hier ein doppelt Glück;Feder wird dem Geiste dienen,Und der Pinsel dient dem Blick.
Wenn der Pinsel ihm die Welt erschuf,Wenn die Feder ihm das Wort gereicht,Bleibt des Mimen edelster Beruf,
Daß er sich des Lorbeers würdig zeigt.
Will der Feder zartes Walten,
Will des Pinsels muthig SchaltenSich dem reinsten Sinn bequemen,Kannst getrost den Lorbeer nehmen.
Zu einem Oelgemälde.
An den Wurzeln heiliger EicheSchwillt ein Lebensquell hervor,Und so, ohne Nachbar-Gleiche,Wuchs die edle still empor.
Neste streckt sie, BlätterbüscheSonnig, über glatte Fluch,
Und in ewig grüner FrischeSpiegelt sich des Dankes Gluth.
Zu Gemälden einer . Lapelle.
So wie Moses, kaum geborenGewissem Tode bestimmt,
Wunderbar ward gerettet:
So mancher, schon halb verloren,
Da der Feind eindrang, ergrimmt,
Ward wieder froh und glücklich gebettet.
Johannes erst in der Wüste predigt:
„Seht Gottes Lamm, das von Sünden erledigt!"Nun deutet er in die himmlischen Auen:
„Dort sollt ihr den Herrn, den erlösenden, schauen!"
Lore.
Nicht geveiitetl
Ob Mutter? Tochter? Schwester? Enkelin?
Von Helios gezeugt? Von wer geboren?
Wohin gewandert? Wo versteckt? Verloren?Gefunden? — Räthsel ist's dem Künstlersinn.
Und ruhte sie verhüllt in düstre Schleier,
Vom Rauch umwirbelt Acherontischer Feuer,
Die Gottnatur enthüllt sich zum Gewinn:
Nach höchster Schönheit muß die Jungfrau streben,Sicilien verleiht ihr Götterleben.