Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Maskenzügc.

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Zu einem Bilde von Frankfurt am Main,

als Geschenk für Herrn Bibliotheksecretär Kränker.

Großen Fluß hab' ich verlassen,

Einem kleinen mich zu weihn;

Sollte der doch eine QuelleManches Guten, Schönen seyn.

Allen, die daselbst verkehrt,Ward ein guter Muth bescheert.Schlanker Bäume grüner Flor,Selbstgepflanzter, wuchs empor;Geistig ging zugleich alldortSchaffen, Hegen, Wachsen fort.

Mit einem Bildchen:

Schloß Belvedere in der Äbendsonne.

Erleuchtet außen hehr vom Sonnengold,Bewohnt im Innern traulich, froh und hold.Erzeige sich Dein ganzes Leben so:

Nach außen herrlich, innen hold und froh.

Zum Bildniß der Prinzeß Marie.

Lieblich und zierlich,

Ruhig und hold,

Sind Ihr die TreuenSicher wie Gold.

Gartenhaus am untern Park.

Uebermllthig sieht's nicht aus,

Hohes Dach und niedres Haus;

Dieser alte Weidenbaum

Steht und wächst als wie im Traum,

Sah des Fürstendaches Gluthen,

Sieht der Jlme leises Fluthen.

Wohnhaus.

Warum stehen sie davor?

Ist nicht Thüre da und Thor?Kämen sie getrost herein,Würden wohl empfangen seyn.

Zu dem Bilde einer Hafenstadt

am schwarzen Meere.

Schroffe Felsen, weite Meere,Geben weder Lust noch Lehre;

Denn sie sind uns gar zu fern:

Aber jener Freund im Innern,Seine Neigung, sein ErinnernLeuchtet her, ein holder Stern.

Maskenzüge.

Die Weimarischen Redouten waren besonders von 177k an sehr lebhaft und erhielten oft durch MaSkenerfindungen einen besondernReiz. Der Geburtstag der allverehrten und geliebten regierenden Herzogin fiel auf den 30. Januar, und also in die Mitte der Winterver-gnügungen. Mehrere Gesellschaften schloffen sich daher theils an einander, theil« bildeten sie einzelne sinnreiche Gruppen, davon manchesAngenehme zu erzählen seyn würde, wenn man sich jenes weggeschwundenen Jugendtraums wieder lebhaft erinnern könnte.

Leider sind die meisten Programme, so wie die zu den Aufzügen bestimmten und dieselben gewiffermaaßen erklärenden Gedichte verlorengegangen, und nur wenige werden hier mitgetheilt. Symbolik und Allegorie, Fabel, Gedicht, Historie und Scherz reichten gar mannich-faltigen Stoff und die verschiedensten Formen dar. Vielleicht läßt sich künftig außer dem Vorliegenden noch einiges auffinden und zusammenstellen.

Äufzug des Winters.

Der Schlaf.

Ein treuer Freund, der allen frommt;Gerufen oder nicht, er kommt.

Gern mag er Elend, Sorge, PeinMit seinem sanften Schleier decken;Und selbst das Glücke wiegt er ein,

Zu neuen Freuden es zu wecken.

Nie Nacht.

Der Menschen Freund und Feind,Dem Traurigen betrübt,

Dem Frohen froh,

Gefürchtet und geliebt.

Nie Träume.

Wir können eine ganze Welt,

So klein wir sind, betrügen,

Und jeden, wie es uns gefällt,Erschrecken und vergnügen.

Her Winter.

Euch so zusammen hier zu finden,Ist mir die größte Lust.