Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Beide.

„Einig sind die Zwei, die sich gefunden!Lebt nun wohl! Jn's Leben gebt es fort."Fließen doch für euch nun andre Stunden;Euch gehört von nun an jeder Ort.

Hand in Hand, wie dieses Paar,Wollen wir das Fest genießen;Fröhlich jauchze die ganze SchaarUnd stampfe mit den Füßen!

MaskenMg

bei Allerhöchster Anwesenheit Jhro Majestät der Kaiserin Mutter

Maria Feodorowna

in Weimar.

Den 18. December 1818.

AIs Jhro Kaiserliche Hoheit die Frau Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach hiernächst beschriebenen Festzug gnädigst anordne-ten. befahlen Höchst Dieselben: daß dabei einheimische Erzeug.Nisse der Einbildungskraft und des Nachdenkens vorgeführt und aufdie vleljährtg und mannichfaitig gelungenen Arbeiten beispielweisehingedeutet werden solle. Hiernach wäre denn der Inhalt des nun-mehr summarisch verzeichneten Charakterzuges aufzunehmen und zubeurtheilen.

Prolog.

Genius, in Pilgertracht, eröffnet den Zug, Weg' und Stegezu segnen. Zwei Knaben mit Reisetaseln (Jtinerarien), die bis-her vollbrachte Reise symbolisch anzudeuten, und sich derselbenzu freuen. Drei Monate treten auf. Oc tob er, des Allerhöch-sten Gcburtsfestes sich rühmend, in Gestalt eines wein- undfruchtbegränzten Genius. November, in Jägergestalt; fröh-licher Geleitsmann des bisherigen Zuges durch so manche Länder,Zeuge erfreulichster Namensfeier. December, hausmütterlichherantretend, mit Kindern, die an den Weihnachtsgeschenken,noch mehr aber an Allerhöchster Gegenwart und Gunst sichergötzen, und ein herannahendes, der Welt segenreiches Geburts-fest ankündigen.

Die Nacht, ihrer Herrschaft über die ganze gegenwärtigeJahreszeit, so wie über die Feststunden sich anmaßend, führtden Schlaf herein, von Träumen umgeben, deren Aus-legung sie versucht. Alle deuten auf die höchsten Glückselig-keiten der Erde, welche den meisten Menschen nur als Wunschund Traum erscheinen, Begünstigten aber als Wirklichkeit ver-liehen sind.

Drei Verschwisterte treten auf. Epos, die Heldendichtung,sonst nur Unheil unter den Großen besingend, erfreut sich glück-bringender Einigkeit der höchsten Herrscher.

Tragödie, gleichsam wie aus einem Traume erwacht,wird gewahr, daß das Ungeheure auch einmal heilbringend sey.

Komödie fühlt sich heiter in den klebrigen, geht, sich mitder Menge zu verbinden und des Tages zu genießen. Jene bei-den andern aber, ohne ihren Charakter abzulegen, erbieten sich,

dem heutigen Feste zu dienen und, was allenfalls einer Aufklä-rung bedürfte, nachzuweisen.

F e st z u g.

Die Jlme tritt auf, in der Ueberzeugung, daß sie dasRäthselhafte dieser Gestaltenreihe am besten zu deuten wisse.Wieland's Charakter, dessen Denk- und Dichtweise wird vonihr umrissen, das glückliche Verhältniß zu seiner Fürstin berührt,des Tiefurter Aufenthaltes mit Anmuth gedacht.

Musarion tritt auf, begleitet von Phanias und zweiphilosophischen Gegnern. Die Lehre von Mäßigung,Genügsamkeit, heiterem Genuß und stiller Duldung wird, nachdes Dichters eigenster Weise, kürzlich ausgelegt.

Oberen und Titania, mit Feen und Elfen erschei-nend, gestehen, wie sie ihre Wiedervereinigung diesem schönenTage verdanken und bekennen sich als Lehnsleute der Allerhöch-sten Gäste.

Hüon und Amanda, durch der kleinen Geister Versöh-nung auch mit ihrem Schicksal ausgesöhnt, bezeigen sich dankbarfür die segenreiche Wirksamkeit. Scherasmin und Fatimestimmen ein.

Der Uebergang zu Herd er's Leistungen führt uns aufdessen schöne Eigenschaft, die Stimmen aller Völker zu verneh-men und aus ihren heimischen Tönen auf die Eigenheiten ihrerNeigungen, Tugenden und Fehler zu schließen. Deßhalb sindLegende und Barde vorgeführt.

Terpsichore, noch gewöhnt an patriotische Klagen, aberbegleitet', ermuntert, im höheren Sinne hergestellt durch Ad ra-ste», die Allrichtende und Ausgleichende.

Nun aber treten auf Neon und Aeonis. Er, als alterGriesgram, keineswegs erbaut von so viel Neuerungen desTages; sie aber, lebendig, heiter, jung, der jungen Gegenwartgemäß, versteht ihn zu beschwichtigen, wozu das herzerhebendeFest ihr die besten Beweggründe darreicht.

Erinnernd an die herrliche Epoche spanischer Rittertage, zeu-gend vom Uebergewicht christlicher Heldenkraft über mahometa-nischcn Hochsinn, erscheinen Cid, Limene, Uraka. Was sieandeuten, bringt jene den Deutschen so tüchtig als erfreulichüberlieferte Romanzenreihe wieder zur Gegenwart.

Zu den Bemühungen eines lebenden Dichters folgt hieraufder Uebergang. Die Jlme tritt abermals hervor, und indemsie ihm die Beständigkeit seiner Neigung zu ihr zum Verdienstmacht, rechtfertigt sie die ihrige. Ein Ueberblick theatralischerBehandlung wichtiger Weltbegebeuheiten wird gefordert, da allefolgenden Glieder des Zuges dramatische Werke sind.

Mahomet erscheint mit Palmireu und Seiden. AlsMusterbild dramatischer Beschränkung in Ansehung der Handlung,der Zeit und des Ortes, wie solche früher die Alten, späterhinbesonders die Franzosen beliebt, kann diese Darstellung wohlgelten.

Die Aussicht auf eine freiere Dichtart wird gegeben. Götzvon Berlichingeu tritt auf, von den Genügen begleitet, mitGegnern ausgesöhnt. Wir sehen Gattin, Sohn und Schwe-ster, voran den treuen Georg. Weisungen, Adelheidund Franz dürfen nicht fehlen. Landvolk zeigt sich, den ein-fachen Lebensgenuß zur verworrensten Zeit, Zigenner dagegen,