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Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.
Dem Fühlenden Gefühl begegnet,
Wie jeder sich im Ganzen segnet,
Gelinge lieblich zu enthüllen
Uns, Eurem Dienst entzündeten Sibyllen!
Epos.
Den Jubel hör' ich schon des muntern Zuges;Wie froh beschleunigt jeder seinen Gang!
Denn was ihm heut gewährt ist, raschen Fluges,Bleibt würdiger Schatz das ganze Leben lang.Nur Augenblicks an dieser Stelle halten,
Von Euch bemerkt, Euch nah zu stehn,
Ist höchste Gunst, die sämmtliche GestaltenDurch meinen Mund vorläufig anerflehn.
Damit jedoch in solchem LustgetümmelDer Sinn erscheine, der verschleiert liegt,Gestaltenreich, ein überdrängt Gewimmel,
Dem innern Sinn so wie dem äußern gnllgt;
So melden wir, daß alles, was vorhanden,Durch Musengunst den Unsrigen entstanden.
Tragödie.
„Man hält mit jedem Stoffe sich geschmückt,Wenn er ein Landerzeugniß! — Mag der besteDem Ausland bleiben! — Eigner Fleiß beglückt,Und eignet sich dem Anschaun höchster Gäste."
So sagte Jene, die uns angeregt,
Selbstthätig weiß uns alle zu beseelen;
Geschieht nunmehr, was sie uns auferlegt,
So können wir in keinem Sinne fehlen.
Was von Erzeugnissen dem DichtergeistIm stillen Thal der Jlme längst gelungen,
Ist mehrentheils, was dieser Zug beweis't.
Er kommt, Gestalt Gestalten aufgedrungen.
Und wenn die Guten — sag' ich's nur gerührt —Die uns der Welt Bedeutnisse gegeben,
Vorüber sind, so sey zu Lust und Leben,
Was sie vermocht, vor diesen Tag geführt.
F e st z u g.
„Wenn vor deines Kaisers ThroneOder vor der VielgeliebtenJe dein Name wird gesprochen,
Sey es dir zum höchsten Lohne!"
Solchen Augenblick verehre,
Wenn das Glück dir solchen gönnte!Also klingt vom OrienteHer des Dichters weise Lehre.
Glücklich preisen wir die Guten,Die wir jetzt zu nennen wagen,Die, in kurzvergangnen Tagen,Weggeführt des Lebens Fluchen.
Nie Iiwk (tritt auf).
Wenn die Jlme, still im Thäte,Manchen gvldnen Traum gegängelt,So erlaubt, daß hoch im SaaleSie den Feierzug durchschlängelt.
Denn ich muß am besten wissen,Wie die Räthsel sich entsiegelt;
Die sich solcher Kunst beflissen,Haben sich in mir bespiegelt.
Droben hoch an meiner QuelleIst so manches Lied entstanden,
Das ich mit bedächt'ger SchnelleHingeflLßt nach allen Landen.
Lebensweisheit, in den SchrankenDer uns angewies'nen Sphäre,
War des Mannes heitre Lehre,
Dem wir manches Bild verdanken.
Wie land hieß er! Selbst durchdrungenBon dem Wort, das er gegeben,
War sein wohlgeführtes LebenStill, ein Kreis von Mäßigungen.
Geistreich schaut' er und beweglichImmerfort auf's reine Ziel,
Und Lei ihm vernahm man täglich:
Nicht zu wenig, nicht zu viel!
Stets erwägend, gern entschuld'gend,
Ost getadelt, nie gehaßt;
Ihr mit Lieb' und Treue huld'gend,Seiner Fürstin werther Gast. ,
MnsariSN (PhaliiaS spricht).
Ein junger Mann von schönen Gaben,
Bon edlem Sinn und rascher Lebenslust,
Uni Antheil an der Welt zu haben,
Eröffnet ihr die hoffnungsvolle Brust.
Gesellen, Freunde, weibliche GestaltenVon großer Schönheit kreisen um den Tag.
Bei Fest und Sang, wo Freud' und Liebe walten,Gewährt das Glück, was es im Glanz vermag.Doch solch ein Rausch reich überdrängter Stunden,Er dauert nicht. — Und alles ist verschwunden.