Maskenzüge.
509
Er steht allein! Jetzt soll Philosophie,
Bald ernst bald schwärmerisch, ihn heilen;
Die eine fordert streng, die andre würdigt nieAm Boden thätig zu verweilen,
Den sie bebauen sollte. ZweifelhaftWird nun der Sinn, gelähmt ist jede Kraft;Verdüstert Haupt, erfrostet alle Glieder,
So wirst er sich am Scheidewege nieder.
Ein Mädchen kommt, die er geliebt,
Aus falschem Argwohn sie verlassen.
Sie ist's, die mir die besten Lehren giebt:
„Warum das Leben, das Lebend'ge hassen?
Beschaue nur in mildem Licht
Das Menschenwesen, wiege zwischen Kälte
Und Ueberspannung dich im Gleichgewicht;
Und wo der DUnkel hart ein Urtheil fällte,
So laß ihn fühlen, was ihm selbst gebricht;
Du, selbst kein Engel, wohnst nicht unter Engeln;Nachsicht erwirbt sich Nachsicht, liebt geliebt.
Die Menschen sind, trotz allen ihren Mangeln,
Das Liebenswürdigste, was es giebt;
Fürwahr, es wechselt Pein und Lust.
Genieße, wenn du kannst, und leide, wenn du mußt,Vergiß den Schmerz, erfrische das Vergnügen.
Zu einer Freundin, einem Freund gelenkt,
Mittheilend lerne, wie der andre denkt;
Gelingt es dir, den Starrsinn zu besiegen,
Das Gute wird im Ganzen überwiegen."
Wer von dem höchsten Fest nach Hause kehrt,
Und findet, was Musarion gelehrt:
Genügsamkeit und tägliches Behagen,
Und guten Muth,, das Uebel zu verjagen,
Mit einem Freund, an einer Liebsten froh —
Der Größt' und Kleinste wünscht es immer so.Gesteht, es war kein eitles Prangen,
Mit diesem Bild den Schauzug anzufangen.
vbcron.
Das kleine Volk, das hier vereintIn luftigem Gewand erscheint,
Sind Geister voller Sinn und Kraft;Doch wie der Mensch voll Leidenschaft.
Der König und die Königin,
Titania, Oberen genannt,
Entzweiten sich aus EigensinnUnd wirkten, schadenfroh entbrannt.Anheut jedoch im höchsten FlorUnd Glänze treten sie hervor.
Längst an Verdruß und Zorn gewöhnt,Sie haben heute sich versöhnt,
Wohl wissend, wie vor Eurem BlickMißwollen bebt und Haß zurück.
Denn daß die Wesen sich entzwei'n,
Das möchte ganz natürlich seyn;
Jedoch Natur, beherrscht von Euch,
» Gern unterwirft sich Eurem Reich,
Und jedes Gute, das Ihr thut,
Kommt vielen andern auch zu gut.
So ist es! Dieser junge HeldGar wohl gepaart vor Euch gestellt,
Der Hüon heißt, Amanda sie,
Litt große Noth und herbe Müh,
Weil Zwist in dieser Geister SchaarAuch Zwist in seinem Schicksal war.
Das alles habt Ihr abgestellt,
Den Himmel diesem Kreis erhellt.
Und Hüon hat's verdient! Die schwerste ThatWard ihm geboten; diese schafften Rath.
Mehr darf ich mich zu sagen nicht erkühnen.Doch es beweist sich, daß es Wahrheit sey:Gott, seinem Kaiser, Einem Liebchen treu,Dem müssen alle Geister dienen.
Nie Älmc.
Ein edler Mann, begierig, zu ergründen,
Wie überall des Menschen Sinn ersprießt,
Horcht in die Welt, so Ton als Wort zu finden,
Das tausendquellig durch die Länder fließt.
Die ältesten, die neusten RegionenDurchwandelt er und lauscht in allen Zonen.
Und so von Volk zu Volke hört er singen,
Was jeden in der Mutterlust gerührt,
Er hört erzählen, was von guten DingenUrvaters Wort dem Vater zugeführt.
Das alles war Ergötzlichkeit und Lehre,
Gefühl und That, als wenn es Eines wäre.
Was Leiden bringen mag und was Genüge.
Behend verwirrt und ungehofft vereint,
Das haben tausend Sprach - und Redeziige,
Vom Paradies bis heute, gleich gemeint.
So singt der Barde, spricht Legend' und Sage,
Wir fühlen mit, als wären's unsre Tage.
Wenn schwarz der Fels, umhängen AtmosphäreZu Traumgebilden düstrer Klage zwingt,
Dort heiterm Sonnenglanz im offnen MeereDas hohe Lied entzückter Seele klingt;
Sie meinen'« gut und fromm im Grund, sie wolltenNur Menschliches, was alle wollen sollten.
Wo sich's versteckte, wußt' er's aufzufinden,
Ernsthaft verhüllt, verkleidet leicht als Spiel;
Im höchsten Sinn der Zukunft zu begründen,