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Alles an Personen und zu festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.
Wallensteins Lager.
Mephijiopheles (spricht).
Gefährlich ist's mit Geistern sich gesellen!
Und wenn man sie nicht stracks vertreibt,
Sie ziehen fort, ein und der andre bleibtIn irgend einem Winkel hängen,
Und hat er noch so still gethan,
Er kommt hervor in wunderlichen Fällen.
Mich zieht die Kameradschaft an,
In Reih' und Glied mit ihnen mich zu stellen.
Ich kenn' euch wohl, ihr seyd die Wallensteiner,
Ein löblich Volk, so brav wie unser einer.
Ihr kennt auch mich, wir sprechen frei:
Mit einem Wort, daß ich das Lob vollende,
Da, wo nichts ist, da habt ihr reine Hände.
Doch das war damals und ich war dabei.
Seyd ihr beisammen! In! Wachtmeister?
Hier!
Die Cürassiere?
Hier!
Die Holk'schen Jäger?
Hier!
Croaten?
Hier!
Uhlanen?
Hier!
Die Marketenderinnen? —Ich sehe sie und spare meine Frage,
Die fehlen nicht am Sonn- und Werkeltage.
Wo viel verloren wird, ist manches zu gewinnen.
Ein Lind (springt hervor).
Ich bin ein MarketenderkiudUnd zwar von guten Sitten;Darum, wo hübsche Leute sind,Beständig wohlgelitten.
Soldaten lieb' ich, das ist wahr!Wer sollte sie nicht lieben,
Da sie in jeglicher GefahrSich immer treu geblieben?
Ich ziehe wieder mit in's Feld:Kein Weg im Feld ist bitter.
Es lebe St. Georg der Held,Die Helden, seine Ritter!
Mrp h i jio p helc s (zu den Soldaten).
Und ihr verlauft euch nur nicht weit,
Und merkt es wohl, es ist nun andre Zeit.Die Herrscher wissen, was sie wollen,
Und ist ein großer Zweck erreicht,
So sollt ihr nicht von Land zu Lande tollen.
Parole bleibt: Subordination!
Und Feldgeschrei ist: Mannszucht! Nun davon
Demctrius.
Tragödie (spricht).
Verstummst du, Schwester, trittst zurück verlegen,Als wärst du hier ein fremder Neulingsgast?
Epos.
Gar vieles hat mir heut schon obgelegen,
Dem mannichfalt'gen Wort erlieg' ich fast.
Nun kommt mir noch ein Schwierigstes entgegen.Wie fass' ich an, wie heb' ich diese Last?
Wer gäbe mir in dieser Zeiten MeereZu schwimmen Kraft! O, wenn's der Anfang wäre!
Ich seh' ein Reich vor meinem Blick gebreitet,
An Flüssen rasch, an grünen Ebnen klar,
Das immerfort sich vor den Augen weitet,
Zum gränzenlosen Raum verliert sich's gar.
In Städten, aus dem Lande wie bereitetIhr eigen Glück die wohlgenährte Schaar!
Das Feld ergrünt, der Handel wogt lebendig,
Sobald ein Herrscher mächtig und verständig.
Doch ach! das Reich bis zu dem Fuß der ThronenVon eignem, bald von fremdem Blute roth,
Denn wilde Horden, blut'ge Nationen,
Heran sich drängend, führen Qual und Noth:Tartaren, Türken, Polen ohne Schonen,
Auch Dänen, Schweden bringen, suchen Tod.
So macht der Herrschaft, so des Raubs GelüsteDen Mittelpunkt des Reichs zu Graus und Wüste.
Da greift denn jeder, der sich tüchtig nähnie,
Nach Schwert und Scepter, wer den Feind vertreibt,Wer gräßlich straft, daß Unwill sich bequeme,
Und dann zuletzt von allen übrig bleibt!
Der Leichtsinn auch erringt sich Diademe,
Bis aufgebracht ein Gegner ihn entleibt.
So Boris, so Demetrius, Marina,
In wildem Wust bald Rex und bald Regina.
So weder Liebe, Zutraun noch GewissenEinheimischen und Fremden in der Brust,
Bis nun erscheint was alle längst vermissen,
Ein Heldensproß, dem Land zu Glück und Lust.
Er wird sich in's Geschick zu fügen wissen,
Es fügt sich ihm, daß alle, sich bewußtDes eignen Heils, dem Herrscherwort sich fügen,
Sich bildend adeln, zu der Welt Vergnügen.
Nun klärt sich's auf, er kehrt in seine Schranken,
Der Völker Schwall im ungemeßnen Land,
Nun wirken große, größere Gedanken,
Erweitert Gränze, thätig innrer Stand;