Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Alles an Personen und zn festlichen Gelegenheiten Gedichtete enthaltend.

Doch diese hier, kein wandelbar Ereigniß,

Der Pflege wollen sie empfohlen seyn;

Drum führ' ich sie, ein gültig ZeugnißDaß es verlangst geschehn, mit mir herein.

So sprech' ich nun den hochverklärten NamenAmalia mit Ehrfurcht aus.

Du winktest uns. Geräuschlos kamenWir eine nach der andern, das zerstörte Haus,Den Flammenraub, erbauten wir im Stillen,Mit neuer Landschaft rings umzirkt.

So ward es denn nach unsers Fürsten Willen,Des hohen Sohns, der unablässig wirkt.

Hier thronet Er, der uns erheitert,

Daß jede schnell das Beste schafft,

Der unsern Wirkungskreis erweitertZu Thätigkeiten jeder Kraft.

Hier thronet Sie, die uns verbundenIn stillen Tugenden erbaut,

Sie, die in schreckensvollen StundenAuf uns als Retterin geschaut.

Nun aber feiern Sie im Glänze,

Wo lebensfroh das Fest ergrünt.

Ihr tretet vor aus eurem Kranze,

Ich rühm' euch, wie ihr es verdient.

Kommt her, geschäft'ge Dienerinnen,Unsterblich, unermüdet, reich,

Was schon und nützlich anszusinnen,

Den Göttern des Olympus gleich.

(Sie deutet auf eine nach der andern.)

Himmclskunbe.

Die zeichnet rein den Gang der Sphäre,

Ihr Griffel regelt Nacht und Tag;

Der launenhaften Atmosphäre,

Dem Grillenwechsel forscht sie nach.

Erdkunde.

Und diese hier vom ErdenrundeErweitert wandernd Uebersicht;

Ertheilt von rasch erfahrner KundeDem Fürstenpaare treu Bericht.

Lotautk.

Und Fürst und Fürstin schmücken diese,

Daß sie sich selber wohlgefällt;

Die Gegend wird zum Paradiese,

Hier blüht die ganze weite Welt.

Feldbau.

Auch jene, die in ihrem KreiseSich immer kräftig still bewegt,

Nach alter, nach erneuter WeiseDer Erde Fruchtbarkeit erregt,

Den Menschen lehrt sich selbst genügen,Gefesselt gern am Boden bleibt,

Indem sie, mit gewissen Zügen,

Die lange, reine Furche schreibt.

Dagegen schaut sie mit Entzücken,

Wie grün der neue Halm sich bläht,Und auf der Berge festem RückenEin Stnfenwnchs den Wald erhöht.

Sie ist's, an der wir uns erbauen,

Die uns im Lebenskreis belehrt,

Auf die wir alle kindlich schauen:Gefördert sey sie, wie verehrt.

Die Künste.

Was die Künste sich erkühnen,

Baukunst, Bildkunst, Malerei,

Steht an Säulen, Mauern, BühnenEinem günst'gen Blicke frei.

Doch, erregt durch Euer Kommen,

Haben sie es unternommen,

Manchen Abend, manche Nacht,

Musterbilder dargebracht,

Die Ihr günstig aufgenommen.

Tonkunst.

Und diese, die sich gern in Töne sonst verbreitet,Sie zog mit uns im Stillen fort;

Im Tacte hat sie uns geleitet,

Und gab uns manch melodisch Wort.

So stehn wir zuversichtlich alle,

Und schämen uns des Eigenlobes nicht;Ruhmredigkeit wär' es im andern Falle,

Jedoch in diesem ist es Pflicht.

Noch manche Tugend schmückt sich ungeduldigUnd rüstet sich zur That geschwind:

Denn Rechenschaft, wem wären wir sie schuldig,Wenn wir es nicht der Allerhöchsten sind?

Die Tochter hat Sie uns gesendet,

Der dienen wir und dem.Gemahl;

Wohin sich Blick und Finger wendet,

Dahin bewegt sich unsre Zahl.

Und schon den lieben Enkeln darf's nicht fehlen;Was gut und schön, im frohen ChorBegegnet es den jungen SeelenUnd freudig blühen sie empor.

Nun aber an die Wiege! Diesen SprößlingVerehrend, der sich schnell entwickelnd zeigt,

Und bald herauf, als wohlgewachs'ner Schößling,Der Welt zur Freude hoch und höher steigt.