Vorspiel zu Eröffnung des Weimurtschen Theaters,
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Friede.
So nimm die treue Schwester an die starke Brust!
Majestät.
Gerechtigkeit und Friede küssen sich, o Glück!
Friede.
O längst erflehter Augenblick, o Wonnetag!
Majestät.
Ich sehe, Schwester, dich erheiterter als je.
Friede.
Denn mehr als je umgaukelt mich die Heiterkeit.
Diese Stadt, die ich so langeMütterlich begünstigte,
Weil sie meine holden GabenWürdig schätzend, thätig wirkend,
Dankbarlich erwiederte;
Weil sich holder FriedenskünsteAlte, Junge, Hohe, NiedreMänniglich befleißigten.
Aber nie ist mir ein Regen,
Solch ein Treiben, solch Bestreben,
Wie es heut sich rührt, begegnet:
Jeder strebet mit dem andern,
Jeder eifert vor dem andern,
Einer ist des andern MusterAufgeweckter Thätigkeit.
Kein Befehl ist's, der sie aufregt,
Jeder froh gehorcht sich selber;
Und so reihn sie an einanderIhren Fleiß und ihre Lust.
Majestät.
Dieses Thun, das einzig schätzenswerthe,
Das hervordringt aus dem eignen Busen,
Das sich selbst bewegt und seines KreisesHolden Spielraum wiederkehrend ausfüllt,
Lob' ich höchstens: denn es zu belohnenBin ich selbst nicht mächtig g'nug; es lohnt sichJeder selbst, der sich im stillen Hausraum. Wohl befleißigt übernommnen Tagwerks,Freudig das Begonnene vollendet.
Gern und ehrenhaft mag er zu andernOeffentlich sich fügen, nützlich werden,
Nun dem Allgemeinen weislich rathend,
Wie er sich berieth und seine Liebsten.
Also wer dem Hause trefflich vorsteht,
Bildet sich und macht sich werth, mit andernDem gemeinen Wesen vorzustehen.
Er ist Patriot, und seine TugendDringt hervor und bildet ihres Gleichen,
Schließt sich an die Reihen Gleichgesinnter.
Jeder fühlt es, jeder hat's erfahren:
Was dem Einen frommt, das frommet allen.Goethe, Werke, I,
j Friede.
Was du sagest, ich verehr' es!j Denn du hast mit wenig Worten^ Ausgesprochen, was die StädteBauet, was die Staaten gründet:Bürgersinn, wozu Natur unsEingepflanzt so Lust als Kräfte,i Aber heute siehst du diesenTreuen Sinn sich anders zeigen,j Nicht so ernst, wie du's verstanden,
> Aber sich zum schönsten Festei Emsiglich bethätigend.
Sieh! ein Waldgebüsch bewegt sichNach der Stadt hin; aller GärtenFroher, blumenhafter AufputzReißt sich los, um sich in's grünePrachtgehäng' hinein zu flechten,
Das der Häuser, das der HüttenAnsicht schön verhüllt und zieret,
Das von Giebel sich zu GiebelZiehend reicht und kranzbeladen,Schwankend, frischbelastet schwebt.
Bunter wird die tiefe Grüne,
Muntrer immer; Band an BändernSchlingt sich um, geknüpft zu SchleifenKrümmt sich's, und die losen EndenFlattern windbewegt. Zum LaubgangSiehst du Straßen umgewandelt,
Und zum Feiersaal den Marktplatz.Außenseiten sind nun Wände,
Fenster vollverzierte Nischen;
Unter ihnen schmückt die BrüstungSich mit bunten Teppichen.
Hier mit holden BlumenzügenSpricht's dich an und dort mit goldnen,So, als ob dir offne HerzenUebcrall begegneten.
Aber dieser stummen RedeSoll ein lautes Wort vorangeht!,
Ein bescheidnes, von dem MundeLieblicher Unschuldiger.
Siehe! da bewegt sich kindlichSchon, bekränzet und bekränzend,
In der Jugend Schmuck, den LilienAn Gewand gleich, eine RecheHolder Lebenserstlinge.
Wer sie siehet, dem bewegt sichWonnevoll das Herz. Der VaterSucht mit Blicken seine Tochter,
Und des Jünglings Auge gleitetUeber alle wählend hin.
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