NllZ wir bringen.
Vorspiel bei Eröffnung des neuen Schauspielhauses zu Lauchstädt.
1802 .
Vater Märten . .Mutter Martbe. .
Nymphe.
Phone.
Personen.
Hr. Malkolmi.Md. Beck.
Dem. Maas.Dem. Jagemann.
Pathos . . .Reisender . .Zwei Knaben.
Dem. Malkolmi.Hr. Becker.
Bauernstube.
An der rechten Seite niedriger Herd, mit gelindem Feuer und einigenTopfen; an der linken Seite hölzerner Tisch und Stuhl. In derHöhe. gleich unter der Decke, ein Teppich aufgehängt.
Erster Auftritt.
Vater Märte». Mutter Marthc(Veite in rechtlichen Bauernkleitern.)
Vater (geht in Gedanken, einigermaßen bewegt, auf und ab.)
Mutter thausmütterllch geschäftig, hin und wieder. Siebreitet eine Serviette auf den Tisch, nimmt vom Herde einen Napf,trägt ihn auf, legt einen Löffel dazu und spricht indessen). Setzedich doch. lieber Alter, setze dich ruhig hin. genieße dein Früh-stück mit Gelassenheit! Nun! was soll denn das schon wieder?Sage nur, was hast du? Alle diese Tage her bist du nachdenk-lich, gehst auf und ab, sprichst wenig, bist zerstreut. Hast duwas auf dem Herzen? Heraus damit! wie kannst du mir's ver-schweigen?
Vater. Es giebt in der Welt so mancherlei zu bedenken.
Mutter. Ja freilich, zu bedenken und zu bethun. Früh-stücke jetzt in Ruhe! Dann hinaus aufs Feld, sieh zu, wie sichdie Früchte erholt haben, und bringe mir gute Nachricht. Fürmich giebt's zu Hause genug zu schassen, im Stalle, in derScheune, auf dem Boden, im Keller, in der Küche. Und dasGesinde mag sehn, wie es will, wenn die Frau nicht hinten undvorne ist. so kommt doch nichts zu Stande. Laß dir die Suppeschmecken, setze dich! (Sie nöthigt ihn zu sitzen.) Daß sie nichtkalt wird! Hier ist der Löffel! hier! «Sie nöthigt ihn zu essen.)
Vater. Nun nun, nur nicht zu hastig! Ich will das Maulschon finden.
Mutter (im Hinausgehen bei Seite). Ich begreife nicht,was er haben mag. Er scheint mir schon seit einigen Tagen
ganz verändert. Seine Pfeife schmeckt ihm nicht mehr, und erlebt mir nicht mehr zu Willen. Was kann das heißen? Dasinuß heraus! und zwar je eher je lieber.
Zweiter Auftritt.
Bater Märten (allein).
(Er steht auf und sieht sich behnts.im um, ob die Frau weg ist.)
Sie ist fort! nun bin ich auf eine Weile sicher. Geschwind an'sWerk! Noch einmal durchgemessen, ob wohl auch alles, wiewir's zugelegt haben, auf die Stelle paßt. (Er holt einen etwasechsfüßigen Maaßstab und mißt, erst aus der Tiefe des Theatershervor.) Sechs, und hernach wieder Vier, sodann Acht undwieder Sechs! Ganz richtig! (Er ist indessen in's Proscenium ge.kommen.) Wie wird sie sich wundern, wenn sie erfährt, daßich das alte Haus wegreiße, daß ich ein neues baue, daß allesschon parat ist.
Dritter Auftritt.
Vater Märten. Mutter Marthc.
Mutter (tritt geschäftig herein, wie jemand, der etwas ver-loren oder vergessen hat) sie stutzt, indem sie die Handlung ihresMannes gewahr wird, und kommt langsam hervor).
Vater (mißt indeß von der linken Seite des Prosceniums gegendie rechte). Vier und dann Sechs und wieder Sechs! (Indemer den Maaßstab umschlagen will, triff« er seine Krau, die eben da-zwischen tritt.)
Mutter (den Schlag parirend und den Maaßstab auffassend).
Halt! nicht so eifrig!