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Was wir bringen.
Gesang, durch den du mein kleines Geschäft erheitert hast.
(Indem Nvnwbe und Mutter den Tisch zum Frühstück znrechtemachen. Sie stelle» eine Art kleiner Terrine und silberne Becher anf.I
Genießt jetzt aber auch der einfachen Kost, am ländlichen Herdezubereitet. (Zum Knaben.) Gehe hinaus, bringe mir einigeFeldblumen, daß ich diese Tafel damit schmücke.
phone. Das machst du sehr schön, liebe Schwester.
IIyinp h e. Aber wo bleibt unsere Dritte?
Erster Knabe. Sie sitzt noch im Wagen, sie will nichtherein; ich habe sie zum schönsten gebeten. Sie schwur, einesolche Höhle nicht zu betreten.
Phon e. Wir müssen selbst gehen, sie zu holen. Komm'!
Ächter Äustritt.
Vater und Mutter.
Vater. Hörst du? eine Höhle! Das soll man mir nichtzum zweitenmale sagen, morgen muß das Dach herunter! ichwill die Höhle schon luftig machen.
Mutter. So höre doch, was die artige Kleine da sagt;es sey ein Paradies, versichert sie, unser Haus.
Vater. Wer weiß, was sie unter Paradies versteht! Wasaber eine Höhle heißen soll, weiß ich recht gut.
tlcuntcr Änftiitt.
Die Vorigen. Pathos. Nymphe. Phone.
Die beiden Knaben, welche sich bald entfernen.
Phonc. So komm' doch herein, gute Schwester. Wo wirsind, kannst du wohl auch seyn.
Ühi» phc. Genieße, was wir dir bereitet haben, und ver-schmähe nicht diesen einfachen, unschuldigen Aufenthalt.
Pathos. Verschone mich mit deiner Kost. Was ich ge-nießen kaun, habe ich genossen. Laßt euch wohl werden aufeure Weise, und bleibt unbesorgt um mich. Nun aber vor allenDingen verschließt Thor und Thüre, daß niemand weiter sichin unsern Kreis eindränge.
Vater (gebt auf kurze Zelt ab).
phone und II I) INP he (setzen sich an den Tisch, und schlürfenaus silberne» Becher» das Aufgetragene).
Pathos. Wo ich hintrete, verwandelt sich alles! Undtvenn mein Geist das Wirkliche Hinschaffen könnte, so müßtedieser Raum zum Tempel werden.
Mutter (zum Vater). Es muß doch so schlimm in unsermHause nicht aussehen! die eine findet ein Paradies darin, dieandere will es gar zum Tempel machen.
Vater. Hätte ich das voraussehen können, so wären frei-lich die Baukosten zu ersparen gewesen. Indessen scheint es,diese guten Kinder verwandeln nur für sich und nicht für andereLeute.
Pathos izwischcn beide hineintretcnd). Ihr scheint mir einPaar ehrwürdige Leute.
Mutter. Ob wir ehrwürdig sind, das wissen wir nicht,aber daß wir ehrlich sind, können wir betheuern.
Pathos. Ihr lebt lange zusammen?
Mutter. Seit nn sercr Jugend.
Pathos. In diesem baufälligen Hause.
Vater. Ganz recht! Das Haus war baufällig, da wirnoch rüstig waren.
Pathos (beide mit einigem Erstaunen anblickend). Sollte ichwohl irren?
Mutter. Was seht ihr uns so an, mein Fräulein?
Pathos. Sollten die fabelhaften Zeiten wiederkehren?
Vater. Wie meint ihr das?
Pathos. Sollte wohl hinter euch was Anders verborgen! seyn?
! Mutter. Ich begreife euch nicht. Ihr macht mir bange.
^ Pathos. Habt ihr nichts von Philemon und Baucis ge-j hört?
Vater. Kein Sterbenswort.
^ Mutter. Wer war denn das?
Pathos. Ihr seyd es selbst, ohne es zu wissen. Ich sehePhilemon und Baucis vor mir.
Vater (vor flch>. Nein, das wird zu arg! Erst verwandelnsie mir mein Haus in ein Paradies, eine Höhle, einen Tempel,und nun soll's gar an uns selbst kommen! Wenn wir sie dochnur schon wieder los wären!
Pathos. Ich sehe sie vor mir, die würdigen Gatten, ver-bunden in ihrer ersten Jugend, in treuer Gesellschaft ihr Lebenhinbringen. Ein Chor von muntern Geschöpfen um sie her!Nach und nach lösen sie sich los, die Töchter werden ausgestattet,die Söhne versorgt, und ein frohes, thätiges Alter beglückt diebeiden.
Vater. Bis jetzt redt sie wahr.
Mutter. Das trifft vollkommen.
Pathos. Gastfreundlich und geschäftig haben sie immerFremde bei sich aufgenommen. Je beschränkter ihre Wohnungwar, desto lebhafter zeigte sich ihre Bemühung. Durch Neigungund Aufmerksamkeit ersetzten sie, was zu ersetzen war.
Mutter. Hörst du, das klingt anders, als du erwartetest.
Vater. Auf eine solche Lobrede hatte ich mich freilich nichtvorgesehen.
Pathos. In dem Gefühl ihrer Bescheidenheit hielten sieihren Zustand nicht gering, das alte Haus nicht zu enge, nichtzu schlecht.
Vater (bei Seite). Das paßt nun nicht; denn das alteHaus habe ich schon lange sehr schlecht gefunden.
Pathos. Und eben diese Bescheidenheit verhinderte sie, zuerkennen, daß sie Götter aufgenommen hatten.
Vater (bei Seite). Nun fängt mir's an unheimlich zu wer-ben; denn entweder das sind die Götter selbst, oder es ist nichtrichtig im Oberstübchen.
Pathos (zu den übrigen, die indessen aufgestanden sind). O
meine Schwestern, diese guten würdigen Leute verdienen, daßihnen ein neues Haus erbauet, daß sie verjüngt, daß sie zuPriestern eingeweiht werden des Tempels der schönsten Gast-freundschaft.
phone. Wir sind es zufrieden, meine Schwester. Duvermagst viel über die Gemüther; aber was wirst du über dieseBalken und Steine vermögen?
Vater. Was das betrifft, deßhalb seyn Sie unbesorgt!Eben bin ich im Begriff zu bauen. Steine, Holz und alles Nö-thige ist angeschafft. Nur mit meiner Frau bin ich noch nichtganz einig.