Was wir bringen.
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Reisender (der hinter dem Teppich hervorkommt). LiebeFrau, ich bitte sie mitzukommen. Es ist keine Gefahr dabei, esgeht so sanft, wie ein Schiffchen auf dem Teich, und sie ist inder besten Gesellschaft.
Mutter. Nein! nein! ich will von euch allen nichts wis-sen. Das mag mir eine saubere Gesellschaft seyn, die sich, mirnichts dir nichts, entschließt, zum Teufel zu fahren. Ja, ja,Herr! mache er nur große Augen, schneide er nur Gesichter, micherschreckt er nicht. Denkt er denn, daß ich den Schwarzen nichtauch im bunten Kittel erkennen werde? Ein Schwarzkünstler ister, oder der Gottseybeiuns selbst.
Rcisc»dcr. Will sie oder will sie nicht?
Mutier. Laß er doch erst einmal seine Hände sehen!Warum hat er denn so lange Aermel, wenn er nicht die Klauenverbergen will? Warum ist denn der Talar so lang, als daßman den Pferdefuß nicht sehen soll? Nun so schlag' er ihn dochzurück, wenn er ein gut Gewissen hat.
Reisender. Sie hat mich ja vorher ganz schmuck gesehen.
Mutter. Was? was? Handschuhe hatte er an und Ele-phantenstrümpfe! darunter laßt sich gar viel verbergen.
Reisender. Nun so bleibe sie und erwarte sie, wie es ihrgeht. Wie wir hinausgeflogen sind, stürzt das Haus zusammen.Mache sie wenigstens, daß sie hinauskommt.
Mutter. Nein! nein! hier bin ich geboren, hier will ichleben und sterben. Laß doch sehen, ob die bösen Geister dasHaus einwerfen können, das die guten so lange erhalten haben.
Reisen-er. Nun Adieu denn! Wenn sie durchaus sohalsstarrig ist, so folge sie wenigstens meinem letzten Rath: haltesie die Angen fest zu, bis alles vorbei ist, und so Gott befohlen!^Geht hinter den Teppich.)
Mutter. Gott befohlen! Nun, das klingt doch nicht soganz teuflisch. In dieß Eckchen will ich mich stecken, die Augenwill ich zuthun, mein Gebetlein verrichten, und abwarten, wasüber mich ergehen soll.
V a ter (hinter dem Teppich). Lebe wohl, Frau! Nun gehtes fort.
Mutter (an per rechten Seite knieend, und mit beiden Hän-den die Angen zuhaltend, ganz außer sich) Ja, NUN geht's fort,und ich höre schon sausen, rauschen, quiken, schreien, ächzen.Der böse Geist hat sie in seinen Klauen. O weh! o weh! meinarmer Mann! Ich unglückseliges Weib! Ich höre knittern undkrachen, das Gebälke bricht, der Schornstein fällt, die Mauernbersten. Ach! ach! wär' ich doch hinaus! Nun ist's vorbei, unddas ist mein Letztes.
Eilfter Auftritt.
(Dcr Schauplatz verwandelt sich in einen prächtige» Saal. Zu gleicherZeit hebt sich der Teppich empor und bleibt in einer gewissen Hohe,als Baldachin, schwebe». Darunter stehen Pathos in tragischer.P hon e in rpernhaft'phantastischer Kleidung, Nymphe, weiß, mitRoscnguirlauden. Vater Märten in Französischem, nicht zu alt-fränkischem Staatskleide, mit Alongcperrücke, Stock, den Hut unteremArm. Dcr zweite Knabe, mit zwei großen Masken, einer tra-gischen und komischen, tn Händen; der erste Knabe, halb schwarzund halb rosenfarb gekleidet, mit zwei Fackeln; Reisender alsM c r c u r.
Mutikr. Nun ist's vorbei! Alles ist so still geworden.Nun darf ich wohl wieder aufblinzen. (Sie sieht erst durch die
Finger, dann starri sie die Gruppe, so wie das Haus an.) Wo binich hingekommen? Bin ich auch entführt? Hat sich um michalles verändert? O wie seh' ich aus? In diesen meinen Alltags-kleidern in der Kirche! unter so vornehmen Leuten! Wo ver-krieche ich mich hin?
(Sie tritt in die Coulisse, die ihr zunächst steht.)
Zwölfter Auftritt.
Die Vorigen außer M arth e.
Pathos. Dank den Göttern! wir sind in unsere Hcimathgebracht. Der Wunderbau ist vollendet; wie gut läßt sich's hierweilen und wohnen! Kommt, Schwestern! Durchforscht mitmir die Hallen unsers neuen Tempels!
(Sie geht mit gemessenen Schritten nach dem Hintergründe.)
Dreizehnter Auftritt.
Die Vorigen außer Pathos.
phonl (zu Nymphe). Mir gefällt es hier außerordentlich.
Rymphc. Ich wollte, wir wären, wo wir hergekommensind. Dort war mir's doch behaglicher.
Phon c. Sieh nur, welche artige Kinder zu unsern Seitenstehen! Der meine ist besonders liebenswürdig. Du wendestdich weg, artiger Knabe! Du fliehst mich! O so bleibe doch!komm' in meine Arme!
Erster Anab c (macht eine Bewegung nach der linken Seite).
phonc (folgt ihm).
Erster Lnalir (wendet sich gegen die Rechte und zeigt seineschwarze Hälfte).
phonc. Was seh' ich? Welch ein wandelbarer Chamäleonbist du? Erst ziehst du mich mit allen Reizen an, nun erscheinstdu mir fürchterlich. An dieser Verwandlung erkenne ich dichwohl.
Erster Analic (der sich wieder nach der linken Seile wendetund seine helle Hälfte zeigt).
Phon c. Nun sehe ich dich wieder heiter und schön. Soabwechselnd gefällst du mir eben. Ich muß dich haschen, dich festhalten, und vermag ich es nicht, so will ich dich ewig verfolgen.
(Beide ab, an der linken Seite des Grundes.)
Vierzehnter Auftritt.
Die Vorigen außer Phone und dem ersten Knaben
Rymphc (zu dem Knaben). Laß mich. in diesen glänzendenPrachtsälen, in denen ich nur ein unendlich Leeres empfinde,dich liebes Kind an mein Herz drücken, und in deiner Kinder-natur mich wieder herstellen.
Zweiter Analic (hebt die komische Maske empor und hältsie vor's Gesicht).
Rymphc. O pfui! welch ein Abscheu! welch ein Schreck-bild! Welch Entsetzen! Entferne dich! (Sie macht einige Schrittegegen die linlc Seite, dcr Knabe tritt ihr nach.) Laß mich! bleib'