Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Was wir bringen.

zurück! Welch ein böser Genius verfolgt mich. Ähnele mein Herzdoch hier nichts Gutes. Wie entkomme ich? wo fliehe ich hin?(Sie entflieht, vom Knaben verfolgt, nach der rechten Seite desGrundes.)

Fünfzehnter Auftritt.

Die Vorigen außer Nymphe und zweiter Knabe.

Vater (welcher die ganze Zeit mit Verwunderung da gestanden,an der linken Seite ein wenig hervortretend). Wunderbar genuggeht's hier zu. Ich erhole mich noch nicht von meinem Erstaunen.Möchte ich doch wohl wissen, wie das zugegangen ist? wowirsind?welcher König diesen Palast bewohnt? Besonders artig aber find'ich es von den Geistern, daß sie auch gleich für unsere Garderobegesorgt haben. Potz Fischchen! ich dächte, so könnten wir uns beiHofe wohl sehen lassen. (Er geht mitBehaglichkeitnach dem Grunde.)

Sechzehnter Auftritt.

Mercur (allein, gegen die Zuschauer vortretend).

Wenn ihr. verehrte Viele, die sich diesen Tag.

Zu unsres Festes Weihe, mächtig zugedrängt.

Des ersten Spiels leichtfertige VerworrenheitMit günst'gen Augen angesehn, mit günst'gem OhrDie räthselhaften Reden willig aufgefaßt;

So sind auch wir der Pflichten dankbar eingedenk,

Und ohne Säumen tret' ich abgesendet her,

Den Schleier eilig wegzuheben, der vielleichtNoch über unsern raschbewegten Scherzen schwebt.

Wenn das Gefühl sich herzlich oft in Dämmrung freut,So gnüget heitre Sonnenklarheit nur dem Geist.

Und eurem Geiste zuzusprechen haben wirBesondrer Formen bunte Mannichfaltigkeit,

Verwegen und vertraulich, euch vorbeigeführt.

Zuvörderst also wird euch nicht entgangen seyn.

Daß jener Bauernstube niedrige GelegenheitDas alte Schauspielhaus bedeutet, das euch sonstMit ungefälliger Umgebung oft bedrängt,

So gut als uns, und das wir sämmtlich stets verwünscht.Gesprengt ist jene Ranpenhülle, neu belebtErscheinen wir in dieses weiten Tempels Raum.Bedeutend ist's zu gleicher Zeit und wirklich auch;

Denn ihr habt alle bessern Platz, so gut als wir.

Drum Lob den Architekten, deren Sinn und Kraft,

Auch den Gewerken, deren Hand es ausgeführt!

Und wenn wir aus dem alten in den neuen RaumZu Fuße nicht gegangen, sondern unverhofftEin höh'res Wirken scheinbar uns hinweg geführt;

So zeigen diese Scherze, daß wir, mehr und mehr,

Zu höhern Regionen unsrer edlen KunstUns aufzuschwingen alle vorbereitet sind.

So denket jener Oberhäupter, deren GunstDes neuen Zustands heitre Freundlichkeit gewährt.

Der beiden Fürsten, die, von Einem alten StammEntsprossen, und gerüstet mit des Wirkens Kraft,

In Ihrer hohen Thaten unbedingten KreisAuch uns. mit Batcrarmen, gütig aufgefaßt.

So danket Jenem, dieses Landes höchstem Herrn,

Der in dem holden Thale, das den grünen SchmuckBelebter Zierde seiner Vaterhand verdankt,

Auch uns den Platz bezeichnen wollen, uns, zugleichMit all den Seinen, friedliche GesetzlichkeitUnd reifer Fülle sichern Dauerstand gewährt.

Sodann dem Nahverwandten danket, der uns herGesendet, einen Mustertheil des lauten Chors,

Der ihn umgiebt, verbreitend Kunst und Wissenschaft.

So haben beide väterliche Fürsten dennDer neuen Anstalt solche hohe Gunst erzeigt,

Auf daß, an unsern Stellen, beide, wir und ihr,Gedenken mögen, im Vergnügen unsrer Pflicht:

Uns wechselsweis zu bilden. Denn der Künste ChorTritt nie behaglich auf, wofern er nicht bequemGebahnte Wege findet. Durch ein wild Gesträuch,Durch rohen Dorngeflechtes UnzugänglichkeitKann er die leichten Tänze nicht gefällig ziehn.

Was sie zu leisten immer auch sich vorgesetzt,

Gelingt nur dann und wächs't nur dann erst weiter fort,Wenn schon gebildet ihnen, heiter, Herz und SinnMit lebenskräft'ger Fülle reich entgegen strebt.

So denken Jene, die uns diesen Platz vertraut;

Und also denkt der große König ebenfalls.

Der nachbarlich an diese reichen Fluren gränzt.

Auch Er erwartet, auf gesunden, derben StammGepfropfter, guter, edler Früchte sich zu freun.

Und hoffet reiner Sitten innerlich GesetzIm Busen seines Volks lebendig aufgestellt,

Und, auf dem Weg durch die Gefilde schöner Kunst,

Nach lebensthät'gen Zwecken unverwandten Blick.

So füllet weihend nun das Haus, ihr Erdengötter,

Mit würdig ernster Gegenwart, mit edlem Sinn,

Daß. schauend oder wirkend, alle wir zugleichDer höhern Bildung unverrückt entgegen gehn.

Und bietet aller Bildung nicht die Schauspielkunst,

Mit hundert Armen, ein phantast'scher Riesengott,Unendlich mannichfalt'ge, reiche Mittel dar?

Davon an unsern kleinen Kreis heran zu ziehn,

So viel als möglich, ist ein unverrückt GesetzIn unserm Haushalt, und wir haben heute gleichDas, was wir bringen, euch in Bildern dargestellt.Von denen geb' ich schuld'ge Rechenschaft zum Schluß,Damit ihr deutlich schauet unsern ganzen Sinn.

Weil aber uns im Sinne schwebt der alte Spruch,Daß von den Göttern alles zu beginnen ist;