Gheaterreden.
Prolog.
Gesprochen den 7. Mai 1791.
Der Anfang ist an allen Sachen schwer;
Bei vielen Werken fälli er nicht in's Auge.
Der Landmann deckt den Samen mit der Egge,Und nur ein guter Sommer reift die Frucht;
Der Meister eines Baues gräbt den GrundNur desto tiefer, als er hoch und höherDie Mauern führen will: der Maler gründetSein ausgespanntes Tuch mit vieler Sorgfalt,Eh' er sein Bild gedankenvoll entwirft,
Und langsam nur entsteht, was jeder wollte.
Nun dächten wir, die wir versammelt sind,
Euch manches Werk der Schauspielkunst zu zeigenNur an uns selbst; so träten wir vielleichtGetrost hervor, und jeder könnte hoffen,
Sein weniges Talent euch zu empfehlen.
Allein bedenken wir, daß HarmonieDes ganzen Spiels allein verdienen kann,
Von euch gelobt zu werden, daß ein jederMit jedem stimmen, alle mit einanderEin schönes Ganzes vor euch stellen sollen:
So reget sich die Furcht in unsrer Brust.
Von allen Enden Deutschlands kommen wirErst jetzt zusammen; sind einander fremd,
Und fangen erst nach jenem schönen ZielVereint zu wandeln an, und jeder wünschtMit seinem Nebenmann, es zu erreichen;
Denn hier gilt nicht, daß einer athemlosDem andern heftig vorzueilen strebt,
Um einen Kranz für sich hinweg zu haschen.
Wir treten vor euch auf, und jeder bringtBescheiden seine Blume, daß nur baldEin schöner Kranz der Kunst vollendet werde,Den wir zu eurer Freude knüpfen möchten.
Und so empfehlen wir, mit bestem Willen,
Uns eurer Billigkeit und eurer Strenge.
Prolog.
Gesprochen den 1. Oktober 1791.
Wenn man von einem Orte sich entfernt,
An dem man eine lange Zeit gelebt,
An den Gefühl, Erinnerung,
Verwandte, Freunde fest uns binden,
Dann reißt das Herz sich ungern los, es fließenDie Thränen unaufhaltsam. Doch gedoppeltErgreift uns dann die Freude, wenn wir jeIn die geliebten Mauern wiederkehren.
Wir aber, die wir hier noch fremde sind,
Und hier nur wenig Augenblicke weilten,
Wir kehren freudig und entzückt zurück,
Als wenn wir unsre Vaterstadt begrüßten.
Ihr zählt uns zu den Euern, und wir fühlen,Welch einen Vorzug uns dieß Loos gewährt.
Seyd überzeugt, der Wunsch, euch zu gefallen,Belebt die Brust von jedem, der vor euchAuf diese Bühne tritt. Und sollt' es unsNicht stets gelingen, so bedenkt doch ja,
Daß unsre Kunst mit großen SchwierigkeitenZu kämpfen hat; vielleicht in Deutschland mehr,Als anderswo.
Von diesen SchwierigkeitenEuch hier zu unterhalten ist nicht Zeit;
Ihr kennt sie selbst, und besser ist's vielleicht,Ihr kennt sie nicht. Mit desto froherm SinnKommt ihr in dieses Haus, und hört uns zu,Und seht uns handeln. Alles geht natürlich,
Als hätt' es keine Mühe, keinen FleißGekostet. Aber dann, wenn eben dasGelingt; wenn alles geht, als müßt' es nurSo gehn: dann hatte mancher sich vorherDen Kopf zerbrochen, und mit vieler MüheWar endlich kaum die Leichtigkeit erreicht.
Der schönste Lohn von allem, was wir thun,
Ist euer Beifall: denn er zeigt uns an,
Daß unser Wunsch erfüllt ist, euch VergnügenZu machen; und nur eifriger bestrebt