Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Theatcrreden.

Sich jeder, das zum zweitenmal zu leisten,Was einmal ihm gelang. O, seyd nicht kargMit eurem Beifall! denn es ist ja nurEin Capital, das ihr auf Zinsen legt.

Epilog.

Gesprochen den 11. Juni 17gr,

In diesen letzten Stunden, die ihr uns,

Verehrte, gönnet, tret' ich vor euch auf;

Und ganz gewiß denkt ihr, ich stehe hier,

Abschied zu nehmen. Nein! verzeiht! mir ist'sUnmöglich! Schnell verjag' ich den Gedanken,

Daß wir von euch uns trennen sollen.

Mit leichtem Geiste flieg' ich über TageUnd Wochen weg, die uns in fremder Gegend,

Entfernt von euch, beschäftigen. Wir denkenUns gar zu gern: schon find wir wieder da!

Schon grüß' ich euch auf's neue! Seht, der HerbstHat eure holden Bäume schon entlaubt!

Es locket euch nicht mehr des Thales Reiz,

Der Hügel Munterkeit lockt euch nicht mehr.

Es braust der Wintersturm; es fliegt der Schnee!Schon eilt ihr wieder gern vertraulich her;

Ihr freut euch dessen, was wir Neues bringen,

Und das Bekannte besser und vollkommnerVon uns zu hören freut euch auch. Wir findenEuch immer freundlicher für uns gesinnt:

Wir sind nicht Fremde mehr, wir sind die Euren;

Ihr nehmet Theil an uns, wie wir an euch.

Ein günstiges Geschick giebt uns den Fürsten,

Zu unserm Wohl, zu unsrer Lust zurück,

Und neue Friedensfreuden kränzen schönDie Tage seiner Gattin, seiner Mutter;

Und wie ihr sie verehrt, und ihres Glücks euch frent,

So mög' euch allen eignes Glück erscheinen!

Und dieses laßt uns mitgenießen! Kommt!

Was Deutschland Neues giebt, ihr sollt es sehen,

Das Gute wiederholt, das Fremde sollNicht ausgeschlossen seyn. Wir geben euchVon jeder Art; denn keine sey verschmäht!

Nur eine meiden wir, wenn's möglich ist:

Die Art, die Langeweile macht!-So kommt!

So kommt denn! Ach!-Wo bin ich hin gerathen?

Um viele Stunden hab' ich diese WorteZu früh gesprochen! mich mit süßen BildemGetäuscht! den Abschied mir erleichtern wollen!Geschwind herunter mit dem Vorhang, daßNicht eine Thräne mir entwische! NurGeschwind herunter, daß von unsEin heitres Bild in eurer Seele bleibe!

Epilog.

Gesprochen von Demolselle Ncumann, in per Mitte von vielen Kindern,den letzten December 17S2.

Sie haben uns heransgeschickt, die Jüngsten,

Zum neuen Jahr ein freundlich WortAn euch zu bringen. Kinder, sagen sie,

Gefallen immer, rühren immer; geht,

Gefallt und rührt! Das möchten denn die Alten,

Die nun dahinten stehen, auch so gern,

Und wollen hören, ob es uns gelingt.

Wir haben euch bisher von Zeit zu ZeitGefallen, und ihr habt es uns gezeigt;

Das hat uns sehr gefreut und aufgemuntert.

Doch haben leider wir von Zeit zu ZeitEuch auch mißfallen; das hat uns betrübtUnd angefeuert. Denn man strebet fastViel stärker zu gefallen, wenn man einmalMißfallen hat, als wenn man stets gefällt,

Und endlich denkt, man müsse nur gefallen.

Drum bitten wir vor allen andern Dingen,

Was ihr bisher so gütig uns gegönnt,

Aufmerksamkeit; dann euern Beifall öfter,

Als wir ihn eben ganz verdienen mögen;

Denn wenn ihr schweigt, das ist das Allerschlimmste,Was uns begegnen kann.

Und weil denn endlich hier nur von VergnügenDie Rede wäre, wünschen wir euch allen' Zu Hause jedes Glück, das unser HerzAus seinen Banden lös't und es eröffnet:

Die schöne Freude, die uns HäuslichkeitUnd Liebe, Freundschaft und VertraulichkeitGewähren mögen, hat uns auch das GlückHoch oder tief gestellt, viel oder wenigBegünstigt; denn die allerhöchste FreudeGewähren jene Güter, die uns allenGemein sind, die wir nicht veräußern, nichtVertauschen können, die uns niemand raubt, ,

An die uns eine gütige Natur

Ein gleiches Recht gegeben, und dieß Recht

Mit stiller Macht und Allgewalt bewahrt.

So seyd denn alle zu Hause glücklich!

Väter, Mütter, Töchter, Söhne, Freunde,Verwandte, Gäste, Diener. Liebt euch,

Vertragt euch! Einer sorge für den andern!

Dieß schöne Glück, es raubt es kein Tyrann;

Der beste Fürst vermag es nicht zu geben.

Und so gesinnt besuchet dieses Haus,

Und sehet, wie vom User, manchem SturmDer Welt und wilder Leidenschaften zu.

Genießt das Gute, was wir geben können,

Und bringet Muth und Heiterkeit mit euch;

Und richtet dann mit freiem, reinem Blick