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Theaterreden.
Sich euch erweitern, wenn ihr zu GeschäftenEuch wieder muntrer fühlt,
Wenn der Geschmack sich allgemeiner zeigt,Wenn euer Urtheil immer sichrer wird,
So denkt: Auch jener kleine Jakob hatDazu was beigetragen! und seyd ihm,
Seyd allen, die hier oben mit ihm wirken,Zur neue» Zeit, so wie zur alten, günstig.
Epilog
nach der Vorstellung der Stolzen Vasthi, von Götter,im Oktober 1800.
An die Herzogin Amalie gerichtet.
Die Du der Musen reinste Kost gesogen,
Verzeihe diesen bunten Augenschmerz!
Daß maskenhaft wir heut uns angezogen,
Ist auf den Brettern ein erlaubter Scherz;
Und billig bist Du dieser Schaar gewogen;
Denn unter jeder Maske schlägt ein Herz.
O! könntest Du enthüllt das Innre sehen,
Es würden Ideale vor Dir stehen.
Verehrung naht sich mit durchdrungnen MienenUnd Dankbarkeit mit frei erhabner Brust;
Die Treue folgt; mit Eifer Dir zu dienen,
Ist unablässig ihre schönste Lust.
Bescheidenheit, in zitterndem Erkühnen,
Ist sich der stummen Sprache wohl bewußt,
Und Wünsche knieen an den goldnen Stufen,
Dir tausendfältiges Glück Herabzurufen.
So scheint ein Tempel hier sich zu erheben,
Wo erst der Thorheit laute Schelle klang;
Der Bretter Knarren und der Spieler BebenErscheinet nun in einem Hähern Rang.
Dir segnet diese Schaar ein schönes Leben!
Und lächelst Du der Muse leichtem Sang,
So hörest Du, von hier in wenig Tagen,
Mit etwas Neuem Dir das Alte sagen.
Prolog
bei Eröffnung der Darstellungen des Weimarischen Hoftheatersin Leipzig
bei, 21. Mai 18V7.
Gesprochen von Madame Wolff.
Wenn sich auf hoher Meeresfluth ein SchiffVon grader Bahn abseits getrieben sieht,
Vom Sturme wüthend hin und her geschleudert,
Der vorgeschricbncn Richtung Pfad verfehlt;
Da trauert Volk und Steuermann, da schwanketVon Hoffnung zu Verzweiflung jedes Herz:
Erscheint jedoch in kaum entlegner ZoneBequemer neuer Küste Landungsplatz,
Erfreut ein wirthlicher Empfang die Gäste;
Behend verlischt der Uebel tief Gefühl.
So geht es uns, die wir vom Sturm ergriffenUnd abgelenkt von viclgewohnter Bahn,
Zwar nicht als Fremde, doch als Neue kommen.
Wir sind nicht fremd; denn manchen unter euchBegrüßen wir als Gönner unsrer Muse.
O möge nun, was einige gcgönnet,
In diesen Tagen uns von allen werden!
Und wie man überhaupt das Wollen schätzt,
Wenn das Vollbringen auch nicht alles leistet;
So haben wir ein Recht an eure Gunst:
Denn keiner ist von uns, der sich vollendet,
Der sein Talent für abgeschlossen hielte;
Ja, keiner ist, der nicht mit jedem TageDie Kunst mehr zu gewinnen, sich zu bilden,
Was unsre Zeit und was ihr Geist verlangt,
Sich klarer zu vergegenwärtigen strebte.
Drum schenkt uns freien Beifall, wo's gelingt,
Und fördert unser Streben durch Belehrung.
Belehrung! ja, sie kann uns hier nicht fehlen,
Hier, wo sich früh, vor mancher deutschen Stadt,Geist und Geschmack entfaltete, die BühneZu ordnen und zu regeln sich begann.
Wer nennt nicht still bei sich die edlen Namen,
Die schön und gut auf's Vaterland gewirkt,
Durch Schrift und Rede, durch Talent und Beispiel?Auch jene sind noch unvergessen, dieVon dieser Bühne schon seit langer Zeit,
Natur und Kunst verbindend herrlich wirkten.
Gleicht jener Vorzeit nicht die Gegenwart?
Von der ich schweige, daß die Wahrheit nichtIm Schein der Schmeichelei verhüllt sich berge;
Doch darf ich sagen: Tiefer, zarter Sinn,
Das Alte, Mittlere, das Neuste fassend,
Dringt er nicht hier in mancher Blüthe vor?
Und theilet nicht der Bühne schön BemühnDer Künstler mit dem Freund der Kunst so gern?
Wer sich daher als Dichter, Künstler, KennerAn unserm Spiele freut, bezeug' es laut,
Und unser Geist soll sich im Tiefsten freuen;
Denn wer als Mensch uns Beifall geben mag,
Er thu' es frei und froh, und unser HerzWird neue Lust in Dankbarkeit gewinnen.
Ihr gebt uns Muth, wir wollen Freude geben;
Und so gewinnt, in dieses Raums Bezirk,
Gemüth und Geist und Sinn, befreit, erhöht, .Was uns von außen fehlt, erwünschten Frieden.