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Theaterreden.
Die sich in unserm Herzen, wie ihr sicher seyd,
Für euch bewegen, jeglichem zu Glück und Heil;
Dieß aber zeig' ich euch vertraulich an, daß wirGanz eigentlich dem treuen Arzt zur Seite stehn:
Denn Geist und Körper, innig sind sie ja verwandt;Ist jener froh, gleich fühlt sich dieser frei und wohl,Und manches Uebel flüchtet vor der Heiterkeit.
Hier also, meine Freunde, hier an diesen PlatzHat uns der Arzt zu seinem Beistand herbestellt,
Daß wer am Morgen badend seine Cur begann,
Sie Abends end'ge, schauend hier nach Herzenslust.Dieß also bleibt die Vorschrift! diese merkt euch wohl,Und setzt nicht aus! das ist Beding bei jeder Cur,
Daß man ununterbrochen ernstlich sie gebraucht.
Und wißt! wir kennen alle wohl; wer außen bleibt,Der wird verklagt, der hat es mit dem Arzt zu thun!Nicht viele Worte mach' ich mehr! Ihr seht wohl ein:Um euer Heil auf's redlichste sind wir besorgt.
So laßt mich enden, und zum Schlüsse, wie sich ziemt,Den Männern uns empfehlen, die am Ruder stehnUnd deren Leitung, deren Schutz wir uns vertraun!
Epilog
zum Trauerspiele Essex, im Charakter der Königin.
Den 18. Oktober 18IZ.
Und Essex nicht? — Unselige, kein Wort!
Ihr tretet auf, den Edlen trägt man fort!
Die Schwäche wird, die List zu spät verbannt;
Ich traut' euch noch, ob ich euch schon gekannt,
Wie Einer, der, zu eigenem Gericht,
Die Schlange nährt, und wähnt, sie steche nicht.
Kein Laut, kein Hauch beleidige mich hier!
Essex verstummt und so verstummt auch ihr!
Nun zeige sich mein ungebeugter Sinn;
Verschwindet all'! es bleibt die Königin.
«Alles entfernt sich, sie tritt vor.)Sie bleibe! ja! an diesem Tag voll Graun,
Mit schnellem Blick ihr Leben zu beschaun;
Denn ihr geziemt's, so hoch hinauf gestellt,
Des Glücks Gebieterin, die Lust der Welt,
Sich immer selber gleich, da klar zu sehn,
Wo andre, dumpf gedrückt, im Traume gehn.
Wer Muth sich fühlt in königlicher Brust,
Er zaudert keineswegs, betritt mit LustDes Stufenthrones untergrabne Bahn,
Kennt die Gefahr und steigt getrost hinan;
Des goldnen Reifes ungeheure Last,
Er wägt sie nicht; entschlossen, wie gefaßt,
Drückt er sie fröhlich auf das kühne HauptUnd trägt sie leicht, als wie von Grün umlaubt.
So thatest du. — Was noch so weit entfernt,
Hast du dir anzueignen still gelernt;
Und was auch Wildes dir den Weg verrannt,
Du hast's gesehn, betrachtet und erkannt.
Des Vaters Wuth, der Mutter Mißgeschick,
Der Schwester Haß, das alles blieb zurück,
Blieb hinter dir, indessen du gebeugtMit hohem Sinn dich in dir selbst erzeugt,
Und, im Gefängniß hart behandelt, FristZu bilden dich gewannst das, was du bist.
Ein froher Tag erschien, er rief dich an,
Man rief dich aus, und so war es gethan:
„Die Königin, sie lebe!" Nun du standst,
Und stehest noch, trotz dem, was du empfandst,Und trotz der Feinde, die mit Krieg und TodVon außen und von innen dich bedroht.
Des Papstes heil'ger Grimm, des Spaniers Neid,So vieler Freier Unbescheidenheit,
Der Großen tückisch aufgeregter Sinn,
Verräther viel, selbst eine Königin —
Und dieser denn zuletzt! Das trag' ich hier!
Die schnöde Welt, was weiß sie denn von mir?Schauspielerin! so nennen sie mich all,
Und Schau zu spielen ist ja unser Fall.
Die Völker gaffen, reden, wähnen viel;
Was wollen sie denn anders als ein Spiel?Verstellt man sich denn einzig auf dem Thron?Dort spielt ein Kind, und das verstellt sich schon.
Doch mit dir selbst, in Glück und in Gefahr,Elisabeth, dir selbst getreu und wahr,
Mit Recht verschlossen — welches zweite HerzVermag zu theilen königlichen Schmerz?
Die falsche Welt, sie buhlt um unsern Schatz,
Um unsre Gunst, sogar um unsern Platz;
Und machst du je dir den Geliebten gleich,
Nicht Liebe gnügt, er will das Königreich.
So war auch dieser. — Und nun sprich es aus:Dein Leben trugen sie mit ihm hinaus. —
Der Mensch erfährt, er sey auch, wer er mag^
Ein letztes Glück und einen letzten Tag.
Dieß giebt man zu, doch wer gesteht sich frei,
Daß diese Liebe nun die letzte sey!
Daß sich kein Auge mehr mit froher GluthZu unserm wendet, kein erregtes Blut,
Das überraschtem Herzen leicht entquoll,Verräthrisch mehr die Wange färben soll!
Daß kein Begegnen möglich, das entzückt,
Kein Wiederseht) zu hoffen, das beglückt,
Daß von der Sonne klarster HimmelsprachtNichts mehr erleuchtet wird! — Hier ist es Nacht!Und Nachts wird's bleiben in der hohlen Brust.Du blickst umher, und schauest ohne Lust,
So lang die Parze deinen Faden zwirnt,
Den Sternenhimmel, den du selbst gestirnt,
Und suchst vergebens um dein fürstlich HauptDen schönsten Stern, den du dir selbst geraubt;Das andre scheint ein unbedeutend Heer,
Gesteh' dir's nur! denn Essex lebt nicht mehr.