Tbeaterreve»,
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War er dir nicht der Mittelpunkt der Welt?
Der liebste Schmuck an allem, was gefällt?
War nicht um ihn Saal, Garten und GefildAls wie der Rahmen um ein kostbar Bild?
Das holde Bild, es war ein eitler Traum;
Das Schnitzwerk bleibt und zeigt den leeren Raum.
Wie schritt er nicht so frei, so musterhaft!
Des Jünglings Reize mit des Mannes Kraft!
Wie lauscht' ich gern dem wohlbedachten Rath!
Erst reine Klugheit, dann die rasche That;
Gemäßigt Feuer erst, dann Flammengluth,
Und königlich war selbst sein Uebermuth.
Doch ach! zu lange hast du dir's verhehlt:
Was ist das alles, wenn die Treue fehlt,
Und wenn der Günstling, gegen uns ergrimmt,
Das rauben will, was wir ihm frei bestimmt,
Wenn unsre Macht, zu eigenem Verdruß,
Wo sie belohnen wollte, strafen muß!
> Er ist gestraft — ich bin es auch! wohlanHier ist der Abschluß! Alles ist gethanUnd nichts kann mehr geschehn! Das Land, das Meer,Das Reich, die Kirche, das Gericht, das Heer,
Sie sind verschwunden — alles ist nicht mehr!
Und über dieses Nichts du Herrscherin!
Hier zeige sich zuletzt dein fester Sinn;
Regiere noch, weil es die Noth gebeut,
Regiere noch, da es dich nicht mehr freut.
Im Purpurmantel und mit Glanz gekrönt,
Dich so zu sehen, ist die Welt gewöhnt;
So unerschüttert zeige dich am Licht,
Wenn dir's im Busen morsch zusammenbricht.
Allein wenn dich die nächtlich stille ZeitVon jedem Auge, jedem Ohr befreit,
In deiner Zimmer einsamstem Gemach,
Entledige sich dein gerechtes A ch!
Du seufzest! — Fürchte nicht der Wände Spott,
Und wenn du weinen kannst, so danke Gott!
Und immer mit dir selbst, und noch einmalErneuet sich die ungemeßne Qual.
Du wiederholst die ungemeßne Pein:
Er ist nicht mehr; auch du hörst auf zu seyn —
So stirb, Elisabeth, mit dir allein!
Epilog ;u Schillers Glocke.
Am 10. August 1803.
Wiederholt und erneut bei. der Vorstellung am 10. Mai 1813-
Freude dieser Stadt bedeute,Friede sey ihr erst Geläute
Und so geschah's! Dem friedenreichen KlängeBewegte sich das Land und segenbarEin frisches Glück erschien; im HochgesangeBegrüßten wir das junge Fürstenpaar;
Im Vollgewühl, in lebensregem DrängeVermischte sich die thät'ge Völkerschaar,
Und festlich ward an die geschmückten StufenDie Huldigung der Künste vorgerufen.
Da hör' ich schreckhaft mitternächt'ges Läuten,
Das dumpf und schwer die Trauertöne schwellt.Jst's möglich? Soll es unsern Freund bedeuten,
An den sich jeder Wunsch geklammert hält?
Den Lebenswürd'gen soll der Tod erbeuten?
Ach! wie verwirrt solch ein Verlust die Welt!
Ach! was zerstört ein solcher Riß den Seinen!
Nun weint die Welt, und sollten wir nicht weinen?
Denn er war unser! Wie bequem geselligDen hohen Mann der gute Tag gezeigt,
Wie bald sein Ernst, anschließend, wohlgefällig,Zur Wechselrede heiter sich geneigt,
Bald raschgewandt, geistreich und sicherstellig,
Der Lebensplane tiefen Sinn erzeugt,
Und fruchtbar sich in Rath und That ergossen:
Das haben wir erfahren und genossen.
Denn er war unser! Mag das stolze WortDen lauten Schmerz gewaltig übertönen!
Er mochte sich bei uns, im sichern Port,
Nach wildem Sturm zum Dauernden gewöhnen.Indessen schritt sein Geist gewaltig fort,
Jn's Ewige des Wahren, Guten, Schönen,
Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine,
Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.
Nun schmückt' er sich die schöne Gartenzinne,
Von wannen er der Sterne Wort vernahm,
Das dem gleich ew'gen, gleich lebend'gen SinneGeheimnißvoll und klar entgegen kam.
Dort, sich und uns zu köstlichem Gewinne,Verwechselt er die Zeiten wundersam,
Begegnet' so, im Würdigsten beschäftigt,
Der Dämmerung, der Nacht, die uns entkräftigt.
Ihm schwollen der Geschichte Fluth auf Fluthen,Verspülend, was getadelt, was gelobt,
Der Erdbeherrscher wilde Heeresgluthen,
Die in der Welt sich grimmig ausgetobt,
Im niedrig Schrecklichsten, im höchsten GutenNach ihrem Wesen deutlich durchgeprobt. —
Nun sank der Mond, und zu erneuter WonneVom klaren Berg herüber stieg die Sonne.
Nun glühte seine Wange roth und rötherVon jener Jugend, die uns nie entfliegt,
Bon jenem Muth, der, früher oder später,
Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt,
Von jenem Glauben, der sich stets erhöhterBald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt,Damit das Gute wirke, wachse, fromme,
Damit der Tag dem Edlen endlich komme.