Benvenuto CeMni.
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Arbeit, die ihm außerordentlich gefiel, als über die Geschwin-digkeit, mit der ich ihn befriedigt hatte. Darauf ich, um diegute Wirkung meiner Arbeit zu vermehren, die alten Münzenvorzeigte, die von braven Leuten für die Päpste Julius undLeo gemacht worden waren. Da ich nun sah, daß ihm diemeinigen über die Maaßen wohlgefielen, zog ich einen Aufsatzaus dem Busen, in welchem ich bat, daß das Amt einesStempelschneiders bei der Münze mir übertragen werden mochte,welches monatlich sechs Goldgulden eintrug; außerdem wurdendie Stempel noch vom Münzmeister bezahlt. Der Papst nahmmeine Bittschrift, gab sie dem Secretär und sagte, er solle siesogleich ausfertigen. Dieser wollte sie in die Tasche stecken undsagte: Ew. Heiligkeit eile nicht so sehr! das sind Dinge, dieeinige Ueberlegung verdienen. Der Papst versetzte: Ich ver-stehe euch schon; gebt das Papier mir her! Er nahm es zurück,unterzeichnete es auf der Stelle und sagte: Ohne Widerredefertigt mir sogleich aus! denn die Schuhe des Benvenuto sindmir lieber als die Augen jener dummen Teufel. Ich dankteSeiner Heiligkeit, und ging fröhlich wieder an meine Arbeit.
Zehntes Capitel.
Die Tochter des Raphael del Moro hat eine döse Hand, der Au-tor ist bei der Cur geschäftig; aber seine Absicht, sie zu heiralhen,wird vereitelt. — Er schlägt eine schöne Medaille auf Papst ClemensVII. — Trauriges Ende seines Bruders, der zu Nom in einem Ge-fecht fällt. Schmerz des Autors darüber, der seinem Bruder ein Mo-nument mit einer Inschrift errichtet und den Tod rächt. — SeineWerkstatt wird bestohlen. — Außerordentliches Beispiel von der Treueeines Hundes bei dieser Gelegenheit. — Der Papst setzt großes Ver-trauen auf den Autor, und muntert ihn außerordentlich auf.
Noch arbeitete ich in der Werkstatt des Raphael del Moro,dessen ich oben erwähnte. Dieser brave Mann hatte ein garartiges Töchtcrchen, auf die ich ein Auge warf und sie zu hei-rathen gedachte; ich ließ mir aber nichts merken, und war viel-mehr so heiter und froh, daß sie sich über mich wunderten.Dem armen Kinde begegnete an der rechten Hand das Unglück,daß ihm zwei Knöchelchen am kleinen Finger und eines amnächsten angegriffen waren. Der Vater war unaufmerksam,und ließ sie von einem unwissenden Medicaster curiren, derversicherte, der ganze rechte Arm würde dem Kinde steif werden,wenn nichts Schlimmeres daraus entstünde. Als ich den armenVater in der größten Verlegenheit sah, sagte ich ihm, er sollenur nicht glauben, was der unwissende Mensch behauptete;darauf bat er mich, weil er weder Arzt noch Chirurgus kenne,ich möchte ihm einen verschaffen. Ich ließ sogleich den MeisterJacob von Perugia kommen, einen trefflichen Chirurgus. Ersah das arme Mädchen, das durch die Motte des unwissendenMenschen in die größte Angst versetzt war, sprach ihr Muth ein,und versicherte, daß sie den Gebrauch ihrer ganzen Hand be-halten solle, wenn auch die zwei letzten Finger etwas schwächerals die übrigen blieben. Da er nun zur Hülfe schritt, und etwasvon den kranken Knochen wegnehmen wollte, rief mich derVater, ich möchte doch bei der Operation gegenwärtig seyn.Ich sah bald, daß die Eisen des Meister Jacob zu stark waren;er richtete wenig aus, und machte dem Kinde große Schmerzen.Ich bat, er möchte nur eine Achtelstunde warten und inne halten.Ich lief darauf in die Werkstatt und machte vom feinsten
Stahl ein Eischen, womit er hernach mit solcher Leichtigkeitarbeitete, daß sie kaum einigen Schmerz fühlte, und er in kurzerZeit fertig war. Deßwegen, und um anderer Ursache willen,liebte er mich mehr als seine beiden Söhne» und gab sich vieleMühe, das gute Mädchen zu heilen.
Ich hatte große Freundschaft mit einem Herrn Gaddi, derKämmerer des Papstes und ein großer Freund von Talentenwar, wenn er auch selbst keine hatte. Bei ihm fand man immerdie gelehrten Leute, Johann Greco, Ludwig von Fano, AntonAllegretti und auch Hannibal Caro, einen jungen Fremden,Bastion von Venedig, einen trefflichen Maler, und mich. Wirgingen gewöhnlich des Tags einmal zu ihm. Der gute Raphaelwußte von dieser Freundschaft, und begab sich deßwegen zumHerrn Johann Gaddi und sagte ihm: Mein Herr, ihr kenntmich wohl, und da ich gern meine Tochter dem Benvenutogeben möchte, so wüßte ich mich an niemand besser als an EureGnaden zu wenden. Darauf ließ der kurzsichtige Gönner denarmen Mann kaum ausreden, und ohne irgend einen Anlaß inder Welt, sagte er zu ihm: Raphael, denkt mir daran nichtmehr! ihr seyd weiter von ihm entfernt, als der Januar vonden Maulbeeren. Der arme niedergeschlagene Mann suchteschnell das Mädchen zu verheirathen. Die Mutter und die ganzeFamilie machten mir böse Gesichter. Ich wußte nicht, was dasheißen sollte, und verdrießlich, daß sie mir meine treue Freund-schaft so schlecht belohnten, nahm ich mir vor, eine Werkstattin ihrer Nachbarschaft zu errichten. Meister Johann sagte mirnichts, als nach einigen Monaten, da das Mädchen schon ver-heirathet war.
Ich arbeitete immer mit großer Sorgfalt, mein Hauptwerkzu endigen, und die Münze zu bedienen, als der Papst auf'sneue mir einen Stempel zu einem Stücke von zwei Carlinen auf-trug, worauf das Bildniß Seiner Heiligkeit stehen sollte, undauf der andern Seite Christus auf dem Meer, der St. Peterndie Hand reicht, mit der Umschrift: (jusro «lubitasti? DieMünze gefiel so außerordentlich, daß ein gewisser Secretär desPapstes, ein trefflicher Mann, Sanga genannt, sagte: Ew.Heiligkeit kann sich rühmen, daß Sie eine Art Münze hat, wiedie alten Kaiser mit aller ihrer Pracht nicht gesehen haben.Darauf antwortete der Papst: Aber auch Benvenuto kann sichrühmen, daß er einem Kaiser meines Gleichen dient, der ihnzu schätzen weiß. Nun war ich unausgesetzt mit der großengoldenen Arbeit beschäftigt, und ich zeigte sie oft dem Papste,der immer mehr Vergnügen daran zu empfinden schien.
Auch mein Bruder war um diese Zeit in Rom, und zwarin Diensten Herzog Alexanders, dem der Papst damals dasHerzogthmn Penna verschafft hatte, zugleich mit vielen jungentapfern Leuten aus der Schule des außerordentlichen HerrnJohann von Medicis, und der Herzog hielt so viel auf ihn alsauf irgend einen. Mein Bruder war eines Tags nach Tischeunter den Bänken in der Werkstatt eines gewissen Baccino dellaCroce, wo alle die rüstigsten Bruder zusammenkamen; ersaßauf einem Stuhle und schlief. Zu der Zeit gingen die Häschermit ihrem Anführer vorbei, und führten einen gewissen CapitänCisti, der auch aus der Schule des Herrn Johann war, abernicht bei dem Herzog in Diensten stand. Als dieser vorbeige-führt wurde, sah er den Capitän Cattivanza Strozzi in dergedachten Werkstatt, und rief ihm zu: So eben wollte ich euchdas Geld bringen, das ich euch schuldig bin; wollt ihr es haben,