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Benvenuto Fellini.
wenn sie eines reichlichen Lebens genießen, und ein Fürst, der ^solche Männer in Wohlstand versetzt, pflegt und nährt dieKünste selbst, die, bei einer entgegengesetzten Behandlung, nurlangsam und kümmerlich fortwachsen. Und ich will Ew. Heilig-keit nur gestehen, daß ich mir auf diese Pfründe keine Hoffnung lmachte, glücklich genug, daß ich den armen Trabantendiensterhielt. Geben Ew. Heiligkeit jene gute Stelle einem verdientenkunstreichen Manne, nicht einem unwissenden, der seinen Leibpflegt. Nehmen Sie ein Beispiel an Papst Julius, Ihrem inGott ruhenden Vorfahren! er gab dem trefflichen BaumeisterBramante eine solche Pfründe. Und alsbald machte ich meineVerbeugung und ging weg.
Daraus trat Sebastian, der Venezianische Maler, hervorund sagte: Wenn Ew. Heiligkeit diese Pfründe jemand zu gebengedenken, der sich in den Künsten Mühe giebt, so darf ich bitten,mich dadurch zu beglücken. Darauf antwortete der Papst: Läßtsich doch der verteufelte Benvenuto auch gar nichts sagen! Ichwar geneigt, sie ihm zu geben; er sollte aber mit einem Papstenicht so stolz seyn; doch weiß ich nicht, was ich thun soll. Hier-aus bat der Bischof von Basona für den gedachten Sebastianund sagte: Heiliger Vater! Benvenuto ist jung und der Degenam der Seite kleidet ihn besser als der geistliche Rock. GebenEw. Heiligkeit diese Stelle dem geschickten Sebastian, undBenvenuto kann immer noch etwas Gutes, das vielleicht schick-licher ist, erhalten. Da wandte sich der Papst zu Herrn Bar-tholomäus Valori und sagte zu ihm: Wenn ihr Benvenutobegegnet, so sagt ihm, daß er dem Maler Sebastian die Pfründeverschafft hat; aber er soll wissen, daß die erste bessere Stelle,die aufgeht, ihm zugedacht ist. Inzwischen soll er sich gut haltenund meine Arbeit endigen.
Die andere Nacht begegnete ich Herrn Valori auf derStraße; zwei Fackelträger gingen vor ihm her; er eilte zumPapst, der ihn hatte rufen lassen. Er blieb stehen und sagtemit großer Freundlichkeit alles, was ihm der Papst aufgetragenhatte. Darauf antwortete ich: Mit mehr Fleiß und Nachdenkenals jemals werde ich diese Arbeit vollenden, ob ich gleich nichtdie mindeste Hoffnung habe, vorn Papste etwas zu erhalten.Herr Bartholomäus verwies mir, daß ich die Anträge einesPapstes nicht besser zu schätzen wisse. Ich antwortete: Da ichweiß, daß ich nichts haben werde, so wäre ich ein Thor, wenn ichhoffen wollte. Und so schieden wir aus einander. Vermuthlichhat Herr Bartholomäus dem Papst meine kühnen Reden undvielleicht noch mehr hinterbracht: denn ich ward in zwei Monatennicht gerufen, und ich ging auf keine Weise nach dem Palaste.
Der Papst, der darüber ungeduldig war, gab Herrn RobertPucci den Auftrag nachzusehen, was ich mache. Das guteMännchen kam alle Tage und sagte mir etwas Freundliches;und so that ich auch gegen ihn. Endlich als der Papst nachBologna verreisen wollte und sah, daß ich von freien Stückennicht zu ihm kam, gab mir Herr Robert zu verstehen, daß ichmeine Arbeit hinauftragen sollte; denn er wollte sehen, wieweit ich gekommen sey. Ich trug die Arbeit hin und zeigte, daßich nicht gefeiert hatte, und bat den Papst daß er mir 500Scudi da lassen sollte, theils auf Rechnung meines Verdienstes,theils weil mir noch Gold fehlte, um das Werk zu vollenden.Der Papst sagte darauf: Mach's nur erst fertig! Und ich ant-wortete im Fortgehen, wenn er mir Geld ließe, so sollte esnicht fehlen. >
^ Bei seiner Abreise nach Bologna ließ der Papst den Car-dinal Salviati als Legaten in Rom zurück, und gab ihm denAuftrag, die Arbeit bei mir zu betreiben, indem er sagte:Benvenuto ist ein Mann, der sich aus seinem Talent wenigl macht, und eben so wenig aus uns; deßhalb müßt ihr ihn an-feuern, so daß ich das Werk vollendet finde, wenn ich wieder-komme. Da schickte nach Verlauf von acht Tagen diese Bestievon einem Cardinal zu mir und befahl, ich sollte meine Arbeitmitbringen: ich ging aber ohne Arbeit hin. Darauf sagte erzu mir: Wo hast du dein Zwiebelinuß? ist's fertig? Darausantwortete ich: Hochwürdigster Herr! Mein Zwiebelmuß istnicht fertig, und wird nicht fertig werden, wenn ihr mir nichtdie Zwiebeln dazu gebt. Darauf war der Cardinal, der ohne-hin mehr einem Esel als einem Menschen ähnlich sah, noch umdie Hälfte häßlicher, fuhr auf mich los und rief: Ich werde dichaus die Galeere setzen, daß du Zeit hast, deine Arbeit zu voll-enden ! Da ward ich denn mit dieser Bestie auch bestialisch undsagte: Gnädiger Herr! Wenn ich durch Uebelthaten die Galeereverdiene, dann werdet ihr mich darauf setzen; aber gegenwärtigfürchte ich sie nicht! Und was mehr ist, so bethenre ich, daßich, eben um Ew. Gnaden willen, jetzt die Arbeit nicht endigenwill. Schickt nicht mehr zu mir! denn ich komme nicht mehrher, ihr müßtet mich denn durch die Häscher holen lassen.
Darauf schickte der gute Cardinal einigemal zu mir, ummich im Guten zur Arbeit bereden zu lassen; dagegen ich ihmaber jederzeit nur antworten ließ, er möchte mir Zwiebelnschicken, damit mein Zwiebelmuß fertig werden könnte, undso mußte er zuletzt an dieser Cur verzweifeln.
Der Papst kam von Bologna zurück und fragte sogleich nachmir; denn der Cardinal hatte schon das Schlimmste, was er-kennte, von mir geschrieben. Der Papst war in unglaublicherWuth und befahl, ich sollte mit dem Werke zu ihm kommen,welches ich auch that.
Hier muß ich bemerken, daß in der Zwischenzeit mich eingroßes Augenübel befallen hatte, welches die vornehmste Ursachewar, daß ich nicht weiter hatte arbeiten können: ich fürchtetewirklich blind zu werden, und hatte darauf schon meine Rech-nung gemacht. Da ich nun so zum Papste ging, dachte ich aufmeine Entschuldigung, warum das Werk nicht weiter wäre,und wie ich sie vorbringen wollte, indeß der Papst die Arbeitbetrachtete; allein es gelang mir nicht: denn sobald ich zu thmkam, fuhr er gleich mit wilden Worten heraus und sagte: Giebdie Arbeit her! ist sie fertig? Schnell deckte ich sie auf, und erfuhr mit größerer Wuth fort: Bei dem wahrhaftigen Gottschwöre ich dir — denn du glaubst dich nicht um mich beküm-mern zu dürfen — hielte mich nicht das Urtheil der Welt zurück,ich ließe dich und das Werk zu diesem Fenster hinauswerfen.Da ich nun sah, daß der Papst eine so schlimme Bestie gewordenwar, dachte ich darauf, mich sachte wegzubegeben, und nahm,indeß er immer zu schelten fortfuhr, die Arbeit unter das Kleidund sagte murmelnd: Könnte doch die ganze Welt einem Blin-den zu einer solchen Arbeit nicht das Vermögen geben! Darauferhob der Papst seine Stimme noch mehr und rief: Komm her!was sagst du? Ich war im Begriff, fort- und die Treppe hin-unterzuspringen; doch faßte ich mich, warf mich auf die Kniee,und weil er zu schreien nicht aufhörte, schrie ich auch und rief:Wenn ich zu meinem größten Unglück blind werde, bin ich danni gebunden zu arbeiten? Darauf antwortete er: Du hast dich doch