Benvtimto Cellin!.
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zu dem Münzmeister: Suchet mit allem Fleiße deu Thäter zuentdecken! denn wir wissen, daß Benvenuto ein ehrlicher Mannist. Jener, der mein großer Feind war, antwortete: WollteGott, daß es so wäre! wir haben aber schon einige Spur.Darauf gab der Papst dem Gouverneur von Rom den Auftrag,wo möglich den Thäter zu entdecken, ließ mich kommen, sprachüber mancherlei, endlich auch über die Münze, und sagte wiezufällig: Benvenuto, könntest du wohl auch falsche Münzenmachen? Ich versetzte, daß ich sie besser machen wollte als alledie Leute, die so ein schändliches Handwerk trieben; denn eswären nur unwissende und ungeschickte Menschen, die sich aufsolche schlechte Streiche einließen. Ich verdiente so viel mitmeiner wenigen Kunst, als ich nur brauchte, und könnte dabeivor Gott und der Welt bestehen, und wenn ich falsche Münzenmachen wollte, konnte ich nicht einmal so viel als bei meinemordentlichen Gewerbe verdienen.
Ich muß hier bemerken, daß ich alle! Morgen, wenn ichfür die Münze arbeitete, drei Scudi gewann; denn so hochwurde ein Stempel bezahlt, aber der Münzmeister feindete michan, weil er sie gerne wohlfeiler gehabt hätte.
Der Papst merkte wohl auf meine Worte, und da er vorherbefohlen hatte, daß man auf mich Acht geben und mich nichtaus Rom lassen sollte, befahl er nunmehr, die Untersuchungweiter fortzusetzen und sich um mich nicht zu bekümmern; denner wollte mich nicht aufbringen, um mich nicht etwa zu ver-lieren. Diejenigen, welche die Sache näher anging, und denender Papst sie lebhaft aufgetragen hatte, fanden bald den Thäter.Es war ein Arbeiter bei der Münze selbst, und zugleich mitihm wurde ein Mitschuldiger eingezogen.
An demselbigen Tage ging ich mit meinem Hund überPiazza Navona. Als ich vor die Thüre des obersten Häscherskam, stürzte mein Hund mit großem Gebelle in's Haus undfiel einen jungen Menschen an, den ein gewisser Goldschmiedvon Parma, Namens Donnino, als des Diebstahls verdächtig,hatte einziehen lassen. Sie waren eben im Wortwechsel begriffen:der junge Mensch leugnete kecklich alles ab, und Donnino schiennicht Beweise genug zu haben; nun fiel noch der Hund mitsolcher Gewalt den Beklagten an, daß die Häscher Mitleid mitihm hatten und ihn wollten gehen lassen, um so mehr als unterdiesen ein Genueser war, der seinen Vater kannte. Ich trathinzu, und der Hund zeigte keine Furcht, weder vor Degennoch vor Stöcken, und warf sich aus's neue dem Menschen anden Hals, so daß sie mir zuriefen: Wenn ich den Hund nichtwegnähme, so würden sie mir ihn todtschlagen.
Ich riß den Hund ab, so gut ich konnte, und als der Menschweggehen wollte, fielen ihm einige Papierdüten aus der Jacke,die Donnino sogleich für sein Eigenthum erkannte. Auch ichfand einen meiner Ringe darunter; da rief ich aus: Das ist derDieb, der meine Werkstatt erbrochen hat; mein Hund erkenntihn. Sogleich ließ ich das treue Thier wieder los, das ihnwieder anpackte. Der Schelm bat mich, ihn zu schonen, undversprach mir, alles das Meinige zurückzugeben. Ich nahmden Hund wieder ab, und darauf gab er mir Gold, Silber undRinge wieder, und in der Verwirrung 25 Scudi drüber; dabeibat er um Gnade, ich aber sagte, er solle Gott um Gnadebitten; ich würde ihm weder etwas zu Liebe noch zu Leide thun.Ich kehrte zu meiner Arbeit zurück, und erlebte bald, daß derfalsche Münzer vor der Thüre der Miinze aufgehcnkt, sein
Mitschuldiger auf die Galeere verbannt wurde, und der Genue-sische Dieb gleichfalls an den Galgen kam; ich aber behielt überVerdienst den Ruf eines ehrlichen Mannes.
Dieme große Arbeit ging zu Ende, als die fürchterlicheWasserfluth eintrat, durch welche ganz Rom überschwemmtwurde. Es war schon gegen Abend, als das Wasser noch immerwuchs; meine Werkstatt lag niedrig, wie die Bänke überhaupt,das Haus aber war hinterwärts an den Hügel gebaut. Ichdachte daher an mein Leben und an meine Ehre, nahm alledie Juwelen zu mir, ließ die Goldarbeit meinen Gesellen, stiegbarfuß zu meinen hintersten Fenstern heraus, watete, so gutich konnte, durch das Wasser und suchte aus Monte Cavallo zukommen; daselbst bat ich Herrn Johann Gaddi, der mein großerFreund war, mir diesen Schatz aufzuheben.
Nach einigen Tagen verlief sich das Wasser; ich konnte endlichdas große Werk fertig machen, und ich erlangte, durch meineanhaltende Bemühung und durch die Gnade Gottes, großenRuhm; denn man behauptete, es seh die schönste Arbeit, dienoch jemals dieser Art in Rom gesehen worden.
Mn brachte ich sie dem Papst, der mich nicht genug rühmenund preisen konnte und ausrief: Wenn ich ein reicher Kaiserwäre, wollte ich meinem Benvenuto so viel Land geben, alser mit den Augen erreichen könnte: so aber sind wir heut zuTage nur arme bankerutte Kaiser; doch soll er haben, so vieler bedarf.
Ich ließ den Papst seine übertriebenen Reden vollenden,und bat ihn darauf um eine Stelle unter seinen Leibtrabanten,die eben vacant war. Er versetzte, daß er mir was Bessereszugedacht habe; ich aber antwortete, er möchte mir diese Stellenur einstweilen zum Miethpfennig geben. Lachend versetzte derPapst, er sey es zufrieden; doch wolle er nicht, daß ich denDienst thun solle, und um die übrigen darüber zu beruhigen,werde er ihnen einige Freiheiten zugestehen, um die sie ihngebeten hätten. Dieser Trabantendienst brachte mir jährlichüber 200 Scudi ein.
1532. 1533.
Nachdem ich den: Papst eine Weile nüt verschiedenen kleinenArbeiten gedient hatte, befahl er mir, eine Zeichnung zu einemprächtigen Kelche zu machen, die ich sogleich, nebst einem Mo-dell, zu Stande brachte. Das letztere war von Holz und Wachs;statt des Fußes hatte ich drei runde Figuren, Glauben, Hoff-nung und Liebe, unter dem Kelche angebracht; sie standen aufeinem Untersatze, auf welchem halb erhoben die Geburt undAuferstehung Christi, sodann die Kreuzigung Petri, wie manmir befohlen hatte, zu sehen war. Indem ich an dieser Arbeitfortfuhr, wollte der Papst sie öfters sehen; allein ich konnteleider bemerken, daß er nicht mehr daran dachte, mich irgendbesser zu versorgen. Daher, als einst die Stelle eines Fratedel Piombo vacant wurde, bat ich ihn eines Abends darum.Der gute Papst, der sich nicht mehr der Entzückung erinnerte,in die er über mein voriges vollendetes Werk gerathen war,sagte zu mir: Eine Pfründe del Piombo trägt 800 Scudi ein;wenn ich dir sie gäbe, würdest du nur deinem Leibe wohlthun,deine schöne Kunst vernachlässigen, und man würde mich tadeln.Daraus antwortete ich sogleich: Die Katzen guter Art Mausenbesser, wenn sie fett, als wenn sie hungerig sind; so auch recht-schaffene Männer, die Talent haben, bringen es viel weiter,