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nach St. Germane ging, um das Grab Peters von MediciSauf Monte Cassino fertig zu machen. Er sagte mir, daß nochselbigen Abend Papst Clemens einen seiner Kämmerer geschickthabe, um nachfragen zu lassen, wie sich gedachter Tobias be-finde. Der Abgeordnete habe diesen Mann bei der Arbeit an-getrcsfen, dem nichts begegnet war, und der auch von nichtswußte. Als dieses dem Papst hinterbracht wurde, wendete ersich zu Pompes und sagte: Du bist ein schlechter Mensch; aberich versichere dich, du hast eine Schlange gekneipt, die dich beißenund dir dein Recht anthun wird! Dann sprach er mir dem Car-dinal Medicis und trug ihm auf, daß er ein wenig nach mirsehen soll:; denn um alles wollte er mich nicht verlieren. Wiraber ritten singend auf Monte Cassino.
Zweites Capitel.
Der Autor gelangt glücklich nach Neapel. — Dort findet er seinegeliebte Angelica und ihre Mutter. Sonderbare Zusammenkunftdieser Personen. — Er wird von dem Vicekönig von Neapel günstigaufgenommen, welcher versucht, ihn in seinen Diensten zu behalten.— AngelicaS Mutter macht ihm zu harte Bedingungen. Er nimmtdie Einladung des EardinalS MediciS nach Rom an, da der Papstden Irrthum wegen Tobias' Tod schon entdeckt hat. — Besonderesund galanter Abentheuer auf der Straße Er kommt glücklich nachRom, wo er hört, daß Benetetto von seiner Wunde genesen ist. —Er schlügt eine schöne Medaille auf Papst ElenicnS, und wartet Sei-ner Heiligkeit auf. — Wa« in dieser Audienz begegnet. — Der Papstvergiebt ihm, und nimmt ihn in seine Dienste.
Als nun Solosmeo daselbst die Arbeit durchgesehen hakte,machten wir uns auf und zogen gen Neapel. Ungefähr einehalbe Miglie vor der Stadt kam uns ein Wirth entgegen, deruns in sein Gasthaus einlud und versicherte, er sey lange Zeitmit Carl Ginori in Florenz gewesen; wenn wir bei ihm ein-kehrten, wolle er uns auf's beste bewirthen. Wir wiederholtenöfters, daß wir mit ihm nichts wollten zu schaffen haben; dessenungeachtet war er bald vor, bald hinter uns, und wiederholteseine Einladung immer mit denselbigen Worten. Endlich warich seiner Zudringlichkeit überdrüssig, und um ihn los zu werden,fragte ich, ob er mir nicht eine Sicilianerin, Namens Beatrice,nachweisen könne, die eine Tochter habe, welche Angelica heiße;beide seyen Courtisanen. Der Wirth, welcher glaubte, ich hätteihn zum Besten, rief aus: Gott verdamme alle Courtisanenund jeden, der ihnen wohl will! Darauf gab er feinem Pferdedie Sporen und eilte von uns weg. Ich freute mich, auf sogute Weise die Bestie los geworden zu seyn; aber zu gleicherZeit machte mir die Erinnerung der großen Liebe, die ich zudem Mädchen getragen hatte, nicht wenig Schmerzen. Indemich nun mit meinem Gefährten, nicht ohne manchen verliebtenSeufzer, von meinem Abentheuer sprach, sahen wir den Wirthim Galopp zurückkehren. Es sind zwei oder drei Tage, rief eraus, daß neben meinem Hause ein Weib und ein Mädchen ein-gezogen sind, die so heißen; ob sie Sicilianerinnen sind, kannich nicht sagen. Darauf versetzte ich: Der Name Angelica hatso große Gewalt auf mich, daß ich nunmehr gewiß bei dir ein-kehren will. Wir folgten dem Wirth und stiegen bei ihm ab.Eiligst brachte ich meine Sachen in Ordnung, ging in das be-nachbarte Haus, und fand meine Angelica wirklich daselbst, diemich mit unmäßigen Liebkosungen empfing; ich blieb bei ihr bis
den andern Morgen und war glücklicher als jemals. Mittenin diesem Genusse fiel mir ein, daß an diesem Tage gerade derMonat um sey, und daß ich, nach dem Versprechen der bösenGeister, meine Angelica nun besitze. Da denke nun jeder, dersich mit ihnen einläßt, sich die großen Gefahren, durch die ichhatte gehen müssen.
Ob ich gleich noch jung war, so kannte man mich in Neapeldoch auch schon als einen Menschen von Bedeutung, und empfingmich auf's beste, besonders Herr Domenico Fontana, ein treff-licher Goldschmied; er ließ mich die drei Tage, die ich in Neapelwar, in seiner Werkstatt arbeiten, und begleitete mich, als ichdem Vicekönig aufwartete, der mich zu sehen verlangt hatte.Seine Excellenz empfingen mich sehr gnädig, und es fiel ihmein Diamant in die Augen, den ich eben am Finger hatte;zufälligerweise brachte ich ihn in meinem Beutel nach Neapel;denn er war mir zum Kauf angeboten worden. Der Vicekönigverlangte ihn zu sehen, und wünschte ihn zu besitzen, wenn ichihn entbehren könnte. Ich versetzte daraus, indem ich den Ringan seinen Finger steckte, der Diamant und ich seyen zu seinemBefehl. Er versetzte, der Diamant sey ihm angenehm, nochangenehmer würde es ihm aber seyn, wenn ich bei ihm bleibenwollte; er wolle mir Bedingungen machen, mit denen ichzufrieden seyn würde. So ward viel Höfliches hin und wiedergesprochen; zuletzt verlangte er den Preis des Edelsteins mitEinem Worte zu wissen; ich verlangte 200 Scudi, und SeineExcellenz fanden die Forderung billig und sagten, daß ihnender Stein um so lieber sey, da ich ihn gefaßt habe; denn sonstkönne er nicht eine so treffliche Wirkung thun. Ich versetztedarauf, der Stein sey nicht von mir gefaßt; ich getraute mir,ihm durch eine andere Fassung noch einen viel größern Werthzu geben. Ich drückte sogleich mit dem Nagel den Stein ausdem Kästchen, putzte ihn und übergab ihn dem Vicekönig; erwar zufrieden und erstaunt, und gab mir eine Anweisung,worauf mir 200 Scudi ausgezahlt wurden.
Als ich nach Hause kam, fand ich Briefe vorn CardinalMedicis, worin mir gesagt wurde, ich solle wieder nach Romkommen und gleich bei Seiner Eminenz Palast absteigen. Alsich meiner Angelica den Brief gelesen hatte, bat sie mich mitherzlichen Thränen, ich möchte entweder in Neapel bleiben, odersie mit mir nehmen. Darauf antwortete ich, wenn sie mit mirginge, so wollte ich ihr die 200 Scudi, die ich vom Vicckönigerhalten hatte, aufzuheben geben. Da die Mutter sah, daß wirErnst machten, trat sie herbei und sagte: So laß mir hundertScudi, damit ich niederkommen kann, und alsdann wil^icheuch nachfolgen. Ich antwortete der alten Kupplerin, dreißigwollte ich ihr geben, wenn sie meine Angelica mit mir ließe.Diese Bedingung ging sie ein, und Angelica bat mich, ich solleihr ein Kleid von schwarzem Sammet kaufen, der in NeapelWohlseil war. Auch das war ich zufrieden; ich schickte nach demSammet und kaufte ihn. Da glaubte die Alte, ich sey nunvöllig gekocht und gar, und verlangte für sich ein Kleid vonseinem Tuche, und dergleichen für ihre Söhne, auch mehr Geld,als ich ihr angeboten hatte. Darüber beklagte ich mich mitfreundlichen Worten und sagte: Meine liebe Beatrice, ist dirdas nicht genug, was ich dir angeboten habe? Sie sagte Nein!Darauf versetzte ich: So ist es mir genug! nahm Abschied vonmeiner Angelica; sie weinte und ich lachte; wir trennten unsund ich kehrte nach Rom zurück.