Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Auswärtige Literatur und Volkspoesie.

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Don Osorio, Marquis von E., Schwager des Her-zogs von L.

Der Graf von T., Günstling des Günstlings Gvdoy.

Sor Maria de los Dolores, Aebtissin, Wittwedes Bruders vom Marquis von C.

Conducteur eines Fuhrwerks.

Hidalgo de Tativa, von Valencia gebürtig. In Er-innerung alter Zeiten für Oesterreich gegen die Bourbonsgesinnt.

Don Lope, geheimnißvoller Officier, des Prinzen vonAsturien Jugendgenosse, eingeengt mit ihm, nun durch einereichliche Stelle in America belohnt.

Der Prälat Jsidoro. Siehe oben.

Hiermit wären wir noch nicht einmal bis zu Ende desersten Theils gelangt; indessen sind die Hauptpersonen dochschon eingeleitet. Wir verlassen unsern Helden in dem Augen-blicke, da er nach America in eine ehrenvolle Verbannunggesendet wird. Auf diesem Schauplatz der neuen Welt tretenneue Personen auf, mit denen sich der Theiluehmer schonleichter bekannt machen wird. Kehrt er nach Europa zurück,so findet er sich in bekannter Umgebung.

Zu eigener Aushülse übernahmen wir die Bemühung,vorstehendes Verzeichniß auszuziehen, und die Schwierig-keiten , auf die man beim Lesen des Werks geräth, überwind-licher zu machen; sie bestehen aber darin, daß vier Personen,was ihnen begegnet ist, erzählen: der Reisende, der Verfasserdes Manuscripts von Ainhoa, ein Einsiedler und ein ritter-licher Soldat. Alle sprechen in der ersten Person, wodurchdenn der Verfasser freilich den großen Vortheil hat, sie alsgegenwärtig bei allen Ereignissen auftreten zu lassen; wie wirdenn vom Tode Tarl III. (1788) an bis auf den nächstheutigcnTag durch Augenzeugen von den merkwürdigen Fortschrittender großen Verwirrung eines Reichs belehrt werden.

Diese Erzählungen werden uns aber nicht etwa hintereinander, sondern über einander geschoben vorgelegt, woreinwir uns denn zu finden und uns desto aufmerksamer LeimLesen zu benehmen haben.

Hat man sich nun in das Geschichtliche gefunden, so mußman den Vertrag des Verfassers bewundern, und zugleichseine freie Uebersicht über die laufenden Welthandel mit Beifallbegrüßen. Wir sehen, wie er als Dichter und Redner einenjeden für seine Partei und wider die Gegner ausführlich, klarund kräftig reden läßt, und mithin die Darstellung der wild-widersprechenden Geister, woraus denn die vielleicht nicht zuschlichtende Verwirrung entspringt, zuletzt redlich vollendet.So wird zum Beispiel anfangs von jedermann auf Napoleongescholten und das Allerschlimmste über ihn ausgesprochen:wie er aber persönlich auftritt, ein Gefecht einleitet und durch-führt , erscheint er als Fürst und Heerführer zum günstigsten.

Daß bei dem Hervortreten eines solchen Werkes die Fran-zösischen Journale nicht schweigen konnten, läßt sich denken;der Constitutionnel rühmt es unbedingt, das Journal desDsbats ergreift eine der mißwollenden Kritik nicht fremdeManier, den Autor herabzuwürdigen: denn es fordert vondem, der eine solche Arbeit unternehmen wollte, unverträgliche,unmögliche Eigenschaften, versichert, das Werk sey schlecht,

weil es diese Bedingungen nicht erfülle; im einzelnen sey eslobenswürdig, das Ganze aber müsse cassirt und umgeschriebenwerden.

Nachdem aber nun der Recensent eine ganze Strecke vor-wärts geschritten, so wird er zuletzt wie Bileam seinen Fluchmit Segnungen abzuschließen vom guten Geiste genöthigt; wirtheilen die merkwürdige Stelle und zwar im Grundtexte mit,da, wie uns ein Versuch belehrt hat, die sorgfältigste Ueber-setzung sich nicht der Klarheit und Entschiedenheit des Originalsbemächtigen könnte.

6s livre porte desucoup ü rstiecidr. le u'en oormsisxss gut ollre uns peiuture plus vrsie des moeurs deI'LspsAns, gui douue uns Idee plus complete de I'ötstds es ps^s, st des csuses gut I'out tsnu, peut-tztrs ssusespoir de retour, loiu du rnouvemeut de 1s civilisstioude I'üluiope. lll. de Lnlvnnd^ doit besueoup ü ses propresodservstions; il est Iscils sussi de voir gu'il s otzteuudes reuseiAusrusus präeieux sur guslgnes Parties desArsuds dödsts guj out eu lieu dsns Is köuiusule: il «us lsit ussAe svec disesrueiusut. 6'il inoutrs l'exeös destoress de In zsuuesse dsus I» complicstiou de son sujet,dsns Is pouape de sou st/Ie, il Isisse peroer uu espritluüri de douue keure pur les Arsudes guestious guiSAiteut l'ordre social, et propre par cousegueut ü lesdövelvpper et ä les j u^er.

Ein solches Zeugniß, daß der Parteischriftsteller einem vonder Gegenseite zu ertheilen genöthigt ist, finden wir freilichaller Ehren werth und acceptiren es auf's höflichste; doch sagenwir zugleich: so schön und bedeutend auch die zugestandenenEigenschaften sind, so hat der Mann doch das Beste vergessen,denjenigen Vorzug, worauf die übrigen alle beruhen. Er über-sieht nämlich

die Pietät

die man freilich nicht in den Handlungen der aufgeführtenPersonen, vielmehr in dem Sinne des Ganzen, in dem Ge-müth und Geiste des Verfassers zu suchen hat.

Pietät, ein im Deutschen bis jetzt jungfräulich keuschesWort, da es unsere Reiniger abgelehnt, und als ein fremdesglücklicherweise bei Seite gebracht haben, kietss Arsvissiiuuiust ssuctissiiuur» uviueu, sagt ein edler Vorfahr, und gestehtihr zu, sie sey luudaiuentuiu oiuuium virtutuiu. Hierüberuns dießmal herauszulassen, verbeut uns Tag und Platz; deß-halb sagen wir kürzlich nur so viel.

Wenn gewisse Erscheinungen an der menschlichen Natur,betrachtet von Seiten der Sittlichkeit, uns nöthigen, ihr eineArt von radicalem Bösen, eine Erbsünde zuzuschreiben, sofordern andere Manifestationen derselben, ihr gleichfalls eineErbtugend, eine angeborene Güte, Rechtlichkeit und be-sonders eine Neigung zur Ehrfurcht zuzugestehen. Diesen Quell-punkt, wenn er, im Menschen cultivirt, zur Thätigkeit in'sLeben, zur Oeffentlichkeit gelangt, nennen wir Pietät, wiedie Alten.

Mächtig zeigt sie sich von Eltern zu Kindern, schwächer vonKindern zu Eltern; sie verbreitet ihre segensvolle Einwirkungvon Geschwistern über Bluts-, Stammes- und Landesver-wandte, erweist sich wirksam gegen Fürsten, Wohlthäter,