Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
JPEG-Download
 

574

Auswärtige Literatur und Volkspoesie.

Lehrer, Gönner, Freunde, Schützlinge, Diener, Knechte,Thiere, und somit gegen Grund und Boden, Land und Stadt;sie umfaßt alles, und indem ihr die Welt gehört, wendet sieihr Letztes, Bestes dem Himmel zu; sie allein hält der Egoistereidas Gegengewicht, sie würde, wenn sie durch ein Wunderaugenblicklich in allen Menschen hervorträte, die Erde vonallen den Uebeln heilen, au denen sie gegenwärtig und vielleichtunheilbar krank liegt. Schon sagten wir zu viel und würdenbei der größten Ausführlichkeit immer nur zu wenig sagen;deßwegen zeuge der Verfasser mit kurzen Worten für sich selbst:

I,s, jcuuesss 8 desoin cke respecter queigme cliose. 6eseutiment est le Principe cke tontes iee ncticms vei tueuses,U est le lover ck'uus emulntiou sninte qui uZArsuckit

I existeuce et <pri I'eleve. (zuicougue eutre cksus 18 vissaus pnz-er un tridut äs veuerntiou, 18 trnversc-rn tonteentiere saus en 8voir reyn.

Und wäre nicht diese heilige Gnade Gottes und der Naturin unserm Freunde durchdringend lebendig, wie sollte er alsJüngling zu dem höchsten Resultate der Lebensweisheit ge-langt seyn, das wir mit Bewunderung im Laufe des Werkesgewahr wurden und mit Erstaunen au einer einzelnen Stelleklar ausgesprochen fanden? Möge sie vielen deutlich,werdenund manches beunruhigte Gemüth mit seinem Zustande ver-söhnen !

cke crois Hu'cu eklet le Premier äsvoir cke ce naoncksest cke mesurer In carriörs Hue le üssurck nous 8 lixee,ck'v doruer uos vveux, cke clierclrer In plus gründe, inplus srlre äes jouissnuces cknus le cünrme ckes ckikücultesvniueues et ckes elmKrius ckomptes: peut-etre In cki^uite,le succtzs, le koulieur intime lui-mbme ne scmt-ils <zii'nce prix. lklnis pour nrrlver n cette resiAnation vertueuse,

II laut cke In lorce, uue korce immense.

Oeuvres äruwatiiiues äe Ooetlie,

trackuites cke^Ilemsock: prsceckdesck'unenolice biograpkiqueet littersire.

4 Volumss in-8.

1828,

In dem Augenblick, da der deutschen Nation die Fragevorgelegt wird, in wiefern sie eine Sammlung von Goethesvieljährigen literarischen Arbeiten günstig aufnehmen wolle,muß es angenehm seyn zu erfahren, wie sich seine Bemühungeneiner Nachbarnation darstellen, welche von jeher nur im all-gemeinen an deutschem Bestreben Theil genommen, wenigesdavon gekannt, das Wenigste gebilligt hat.

Nun dürfen wir nicht leugnen, daß wir Deutschen geradewegen dieses eigensinnigen Ablehnens auch gegen sie eine ent-schiedene Abneigung empfunden, daß wir uns um ihr Urtheilwenig bekümmert und sie gegenseitig nicht zum günstigsten be-urtheilt haben. Merkwürdig jedoch mußte es uns in derneuesten Zeit werden, wenn dasjenige, was wir an uns selbstschätzen, auch von ihnen anfing geschätzt zu werden, und zwarnicht, wie bisher, von einzelnen besonders gewogenen Personen,sondern in einem sich immer weiter ausbreitenden Kreise.

Woher diese Wirkung sich schreibe, verdient gelegentlich

eine besondere nähere Untersuchung und Betrachtung. Hierwerde nur der bedeutende Umstand hervorgehoben, daß Fran-zosen sich entschieden überzeugten, bei dem Deutschen walte einredlicher Ernst ob, er gehe bei seinen Produktionen mit dembesten Willen zu Werke; eine tüchtige und zugleich ausdauerndeEnergie könne man ihm nicht ableugnen; und nun mußtefreilich aus einer solchen Uebersicht unmittelbar der reinerichtige Begriff entspringen, daß-man eine jede Nation, so-dann aber auch die bedeutenden Arbeiten eines jeden Indi-viduums derselben aus und an ihnen selbst zu erkennen, auch,was noch mehr ist, nach ihnen selbst zu beurtheilen habe. Undso darf uns denn in weltbürgerlichem Sinne wohl freuen, daßein durch so viel Prüfung?- und Läuterungsepochen durchge-gangenes Volk sich nach frischen Quellen umsieht, um sich zuerquicken, zu stärken, herzustellen, und sich deßhalb mehr alsjemals nach außen, zwar nicht zu einem vollendeten, aner-kannten, sondern zu einem lebendigen, selbs»noch im Strebenund Streiten begriffenen Nachbarvolks hinwendet.

Aber nicht allein auf den Deutschen richten sie ihre Auf-merksamkeit, sondern auch auf den Engländer, den Jtaliäner;und wenn sie Schillers Cabale und Liebe in drei Nach-uud Umbildungen gleichzeitig auf drei Theatern günstig auf-nehmen, wenn sie Musäus' Mährchen übersetzen, so sind LordByron, Walter Scott und Cooper bei ihnen gleichfalls ein-heimisch, und sie wissen die Verdienste Manzonis nach Gebührzu würdigen.

Ja wenn man genau auf den Gang, den sie nehmen, Achtgiebt, so möchte die Zeit herannahen, wo sie uns Deutsche angründlich freisinniger Kritik zu übertreffen auf den Weg ge-langen. Möge sich dieß ein jeder, den es angeht, gesagt seynlassen. Wir wenigstens beobachten genau, was sie auf ihremhohen, nicht längst erreichten Standpunkte Günstiges oderUngünstiges über uns und andere Nachbarnationen aussprechen.Dieß sey hinreichend, um eine Recension der obengenanntenUebersetzung anzukündigen, die wir in abkürzendem Auszughiermit einführen wollen. Zu lesen ist sie 6lods 1826.blo. 55-64.

Der Referent fängt damit an, daß er die frühern undspätern Wirkungen Werthers in Frankreich charakteristischbezeichnet, sodann aber die Ursachen bemerkt und ausspricht,warum seit so vielen Jahren von meinen übrigen Arbeitennur wenige Kenntniß dorthin gekommen.

An der Langsamkeit, mit welcher Goethes Ruf sich beiuns verbreitete, ist größtentheils die vorzüglichste Eigenschaftseines Geistes schuld, die Originalität. Alles, was höchstoriginal ist, d. h. stark gestempelt von dem Charakter einesbesondern Mannes oder einer Nation, daran wird man schwer-lich sogleich Geschmack finden, und die Originalität ist dasvorspringende Verdienst dieses Dichters; ja man kann sagen,daß in seiner Unabhängigkeit er diese Eigenschaft, ohne die eskein Genie giebt, bis zum Uebermaaß treibe. Sodann bedarfes immer einer gewissen Anstrengung, um uns aus unsernGewohnheiten herauszufinden, und das Schöne zu genießen,wenn es unter neuer Gestalt vor uns tritt. Aber bei Goetheist es nicht mit einem Anlauf gethan, man muß es für einjedes seiner Werke erneuern; denn alle sind in einem ver-schiedenen Geist verfaßt. Wenn man von einem zum anderngeht, so tritt man jedesmal in eine neue Welt ein. Solch eine