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Beiträge zur Optik.
befindet. Diese Erfahrungen führen uns natürlich zu denfolgenden Versuchen.
50 .
Auf der Karte Nr. lO find zwei schwarze und zwei weißeVierecke kreuzweise angebracht, so daß sich Schwarz und WeißWechselsweise über einander befindet. Die Wirkung des Pris-mas bleibt auch hier wie bei den vorigen Beobachtungen sichgleich, und wir sehen nunmehr die verschiedenfarbigen Streifenneben einander auf Einer Linie, wie sie Nr. 11 zeigt, und derBegriff von dem Gegensatze wird uns immer einleuchtender.
51.
Um diesen völlig zur Klarheit zu bringen, nehmen wir dieKarte Nr. 3 wieder vor's Prisma, und halten sie dergestalt,daß der darauf befindliche weiße Streif vertical vor uns steht.Wir werden sogleich die rothe und gelbe Farbe oben, die blaueund violette unten erblicken, und der Zwischenraum desStreifens wird weiß erscheinen, so wie es die Karte Iir. 12angiebt.
52.
Betrachten wir auf eben die Weise die Karte Nr. 4, sosehen wir die Erscheinung abermals umgekehrt, indem an demschwarzen Streifen das Blaue und Biolette sich oben, dasRothe und Gelbe sich unten zeigt, und gleichfalls das Schwarzein der Mitte unverändert erscheint. Nr. 13 zeigt uns auchdiese Farben in ihrer Ordnung und Entfernung.
III.
Uebersicht und weitere Ausführung.
53.
Das Prisma zeigt den Augen desjenigen, der durch das-selbe sieht, alle farbigen oder unfarbigen Flächen in demselbenZustande, wie er sie mit dem bloßen Auge sieht, ohne weitereVeränderung, als daß sie wegen Stärke und Düsternheit desGlases ein wenig dunkler erscheinen, welches aber auch schonder Fall bei gläsernen Tafeln ist.
54.
Das Prisma zeigt nur Farben, da wo Licht und Schattenhorizontal wechseln; deßwegen zeigt es gewöhnlich an allenhorizontalen Rändern Farben, weil kaum ein Rand zu denkenist, wo nicht auch Abweichung der Farbe oder des Lichts unddes Schattens von einem Gegenstände zum andern existirt.
(Ich merke hier zu mehrerer Deutlichkeit an, was erst inder Folge weiter ausgeführt werden kann, daß an den Rän-dern, wo farbige Gegenstände an einander stoßen, das Prismagleichfalls die Farben nach dem bisherigen Gesetze zeigt, näm-lich nur in sofern, als eine Farbe, die über der andern steht,dunkler oder Heller ist.)
55.
Das Prisma zeigt die Farben nicht auf einander folgend,sondern einander entgegengesetzt. Da auf diesem Grundsätzealles beruht, so ist es nothwendig, die Versuche, die wir schongesehen haben, in dieser Rücksicht nochmals zu wiederholen.
56.
Wenn wir den Versuch, welcher den horizontalen weißenStreifen ganz gefärbt, und die fünf Farben in einer Folge
zeigt, einen Augenblick bewundern, so hilft uns doch bald diealte Theorie, und wir können uns diesen horizontalen Papier-streifen als eine Oefsnung eines Fensterladens, als die Wirkungeines hereinfallenden, in die fünf oder sieben Farben gebrochenenLichtstreifens vorstellen. Wenn wir aber den schwarzen Streifenauf weiß Papier vor uns nehmen, so verwundern wir uns umdesto mehr, da wir auch diesen schwarzen Streifen völlig auf-gehoben und die Finsterniß sowohl als das Licht in Farbenverwandelt sehen. Ich habe fast einen jeden, der diese letzteErfahrung zum erstenmal machte, über diese beiden Versucheerstaunt gesehen; ich habe die vergeblichen Bemühungen gesehen,das Phänomen aus der bisherigen Theorie zu erklären.
57.
Wir dürfen aber nur eben diese schwarzen und weißenStreifen vertical halten, und die Versuche des Z. 51 und 52wiederholen, so wird sich uns gleich das Räthsel ausschließen.Wir sehen nämlich alsdann die obern und untern Ränder völligvon einander getrennt, wir sehen den schwarzen und weißenStab in der Mitte, und bemerken, daß bei jenen ersten Ver-suchen der horizontale schwarze und weiße Stab nur deßwegenganz gefärbt war, weil er zu schmal ist, und die farbigen Aus-strahlungen beider Ränder einander in der Mitte des Stabeserreichen können.
58.
Da diese Strahlungen, wie hier nur im V»rbeigehen be-merkt werden kann, in der Nähe des Prismas geringer sindals in der Entfernung, so bringe man nur den horizontalenweißen Streifen nahe an's Prisma, und man wird die ge-trennten farbigen Ränder so gut als in dem verticalen Zustande,und das reine Weiß und Schwarz in der Mitte des Streifenserblicken; man entferne ihn darauf, und man wird bald in demWeißen das Gelbe, in dem Schwarzen das Violette Herunter-strahlen, und sowohl Weiß als Schwarz völlig aufgehobensehen. Man entferne beide Karten noch weiter, und man wirdin der Mitte des weißen Streifens ein schönes Papageigrünerblicken, weil Gelb und Blau sich strahlend vermischen. Ebenso werden wir in der Mitte des schwarzen Streifens in gedachterEntfernung ein schönes Pfirsichblüth sehen, weil die Strah-lungen des Violetten und Rothen sich mit einander vereinigen.Ich füge, zu noch größerer Deutlichkeit, ein Schema hier bei,wie an gedachten Stellen die Farben stehen muffen.
59.
Gesetz der farbigen Ränder, wie solche durch's Prisma er-scheinen, wenn, wie bei allen bisherigen Versuchen, voraus-gesetzt wird, der brechende Winkel unterwärts gekehrt ist.
Schema 1. Schema 2.
Weiß auf Schwarz Schwarz auf Weiß
Roth Blau
Gelb Violett
111 - 11-1
Blau Roth
Violett Gelb.
Ist der Körper, an dem die Ränder erscheinen, breit genug,so kann der mit f f-f bezeichnete Raum eine proportionirlicheBreite haben; ist der Körper schmal oder es vermehrt sich dieStrahlung durch Entfernung, so ensteht an dem Orte, der mit-s-s ch bezeichnet ist, in dem ersten Falle grün, in dem andernPfirsichblüth, und das Schema steht alsdann so aus: