Beiträge zur Optik.
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Achcma 3.Weiß auf SchwarzRothGelbGrünBlauViolett
Schema 1.Schwarz aus WeißBlauViolettPfirsichblüthRothGelb.
Stur ist in beiden Fällen zu bemerken, daß die MischungenGrün und Pfirsichblüth bei starken Strahlungen dergestalt prä-dominiren, daß sie die Farben, woraus sie zusammengesetztsind, gänzlich aufheben; doch wird dieses erst in dem eigenenCapitel von der Strahlung genauer ausgeführt werden.
60.
Da die bisher allgemein verbreiteten Prismen alle gleich-seitig sind und sehr starke Strahlungen hervorbringen, so habeich mich in meinem Vortrage danach gerichtet, damit die Ver-suche sogleich desto allgemeiner angestellt werden können; alleindie ganze Demonstration zieht sich in's Kürzere zusammen underhält sogleich den höchsten Grad von Evidenz, wenn man sehr ^spitze Prismen von 10 bis 15 Graden gebraucht. Es zeigen !sich alsdann die Farben viel reiner an den Rändern, selbst einer §schmalen horizontalen Linie.
61.
So kann man z. B. die beiden Karten Nr. 20 und 21durch ein spitzwinkeliges Prisma ansehen, und man wirdden feinen blauvioletten und gelbrothen Streifen an allen ent-gegengesetzten Rändern erblicken. Nimmt man dagegen eingleichseitiges Prisma, so geben beide Karten, die sich nur durchdie verschiedenen Breiten der weißen und schwarzen Streifenunterscheiden, zwei ganz verschiedene Farbenspiele, welche sichaus den Schemen 3 und 4 und der ihnen beigefügten Bemer-kung leicht erklären lassen. Die Karte Nr. 29 erklärt sich nachdem Schema Nr. 3 Weiß auf Schwarz, und es zeigt solche ineiner Entfernung von ungefähr 2 Fuß Hochroth, Papageigrün,Violett; und es läßt sich ein Punkt finden, wo man eben sowenig Blau als Gelb bemerkt. Dagegen ist die Karte Nr. 21als Schwarz auf Weiß anzusehen; sie zeigt in gedachter Ent-fernung Blau, Pfirsichblüth und Gelb, und es läßt sich gleich-falls eine Entfernung finden, wo man kein Hochroth und keinViolett erblickt.
62.
!
Die Karte 19 zeigt uns, wenn wir sie nahe genug an'sPrisma halten, an dem breiten Streifen noch Blau, Violett,Hochroth und Gelb, wenn an dem schmälern Streifen das Hoch-roth schon durch das Violett überwältigt und zu einem hellenPfirsichblüth verändert ist. Diese Erfahrung zeigt sich nochdeutlicher, wenn man den breiten Streifen noch einmal so breitmacht, welches mit ein paar Pinselstrichen geschehen kann, alswarum ich die Liebhaber ersuche. Ein ähnlicher, sehr auf-fallender Versuch findet bei den Fensterrahmen statt, vor-ausgesetzt, daß man den freien Himmel hinter ihnen sieht; derstarke Querstab des Kreuzes wird von oben herein blau, violett,hochroth und gelb erscheinen, wenn die kleinen Stäbe nur blau,violett und gelb sind.
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Diese Reihe von Experimenten, deren eins sich an dasandere anschließt, entwickelt die Phänomene der Farben, wiesie uns durch's Prisma erscheinen, wenn die Ränder, an denen
sie gesehen werden, entschieden Schwarz auf Weiß sind. Grauauf Schwarz, Weiß und Grau läßt uns zarte und sonderbarePhänomene sehen, ebenso die übrigen Farben, gegen Schwarzund Weiß, gegen einander selbst gehalten und durch's Prismabetrachtet. In dem nächsten Stücke dieser Beiträge werdenauch diese Wirkungen umständlich ausgeführt werden, und essollte mir angenehm seyn, wenn die Sagacität des größtenTheils meiner Leser mir voreilte, ja wenn die wichtigsten Punkte,die ich noch später vorzutragen habe, von einigen entdecktwürden, ehe sie durch mich bekannt werden; denn es liegt indem Wenigen, was schon gesagt ist, in diesen geringen, einemSpielwerk ähnlich sehenden Tafeln der Grund mancher schönenFolge und der Erklärung manches wichtigen Phänomens.Gegenwärtig kaun ich nur noch Einen Schritt weiter thun.
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Unsere bisherigen Versuche beschäftigten sich nur mit gerad-linigen Rändern, und es war nothwendig, um das Prin-cipium, wornach sie gefärbt erscheinen, auf das einfachste undfaßlichste darzustellen. Wir können nunmehr, ohne Furcht,uns zu verwirren, uns auch an gebogene Linien, an cirkel-runde Gegenstände wagen.
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Man nehme die Karte Nr. 19 nochmals zur Hand undhalte sie in der Diagonale vor's Prisma dergestalt, daß dieKreuze als Andreaskreuze erscheinen; man wird die Farben inder Folge des vierten Schemas erblicken und alle Linien werdengefärbt erscheinen. Es zeigen sich also hier abermals alle Rän-der farbig, sobald sie nur im Mindesten vom Perpendikel ab-weichen. Nimmt man die Karte Nr. 23 nahe vor's Prisma,so findet man die Ränder des schwarzen und weißen Cirkelsvon oben herunter und von unten hinauf halbmondförmig nachden Schemen 1 und 2 gefärbt, und das Schwarze und Weißezeigt sich noch in der Mitte, wie die Karte Nr. 17 es angiebt.Der schwarze und weiße Kreis sind beide ringsum gefärbt,aus eben der Ursache, aus welcher ein Andreaskreuz oder einweißes oder schwarzes Viereck, dessen Diagonale perpendicularvor's Prisma gehalten würde, ganz gefärbt erscheinen muß,weil sie nämlich aus Linien bestehen, die alle vom Perpendikelabweiche». Man wird dieses Gesetz hier um so deutlicher er-blicken, als die farbigen Ränder der Cirkel zu beiden Seitenschmal sind, hingegen der obere und untere sehr verbreiterterscheinen; denn natürlicherweise können die Seitenränder alsPerpendicularlinien angesehen werden, die sich gradweise demHorizont zuneigen und in sofern immer mit vermehrter Strah-lung erscheinen. Man versäume nicht, auch diese Karte vorallen Dingen mit dem spitzwinkeligen Prisma zu betrachten.
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Man entferne sich sodann von der Karte Nr. 23 ungefährunt 2 Fuß und betrachte sie durch das gleichseitige Prisma; manwird, wie ehemals die schmalen Streifen, nunmehr auch dieserunden schwarzen und weißen Bilder völlig gefärbt sehen undzwar, wie solches die Karte Nr. 18 zeigt, nach dem SchemaNr. 3 und 4. Es fällt nunmehr deutlich in die Augen, daßder schwarze so gut als der weiße Gegenstand durch die farbi-gen Ausstrahlungen der Ränder uns völlig gefärbterscheint, und daß wir die Ursache dieses Phänomens nirgendsanders zu suchen haben.