BeltrSq- z„r Optik.
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derselbe eine verhältnißmäßige Größe, daß die farbigen Strah-lungen der Ränder sich erreichen können, so entsteht in derMitte ein Papageigrün. tz. 59.
21) Erscheinen sie uns an einem schwarzen Körper, der anfeinem weißen Grunde steht, unter gedachter Bedingung, sosteht in der Mitte derselben ein Pfirsichblüth. Z. 59.
22) Sowohl schwarze als weiße Körper können unter diesenUmständen ganz farbig erscheinen. 8- 45. 46. 66.
23) Sonne, Mond, Sterne, Oefinung des Fensterladenserscheinen dnrch's Prisma mir farbig, weil sie als kleine helleKörper auf einem dunkeln Grunde anzusehen sind. ß. 67.
24) Sie erscheinen elliptisch, dergestalt daß die Farben-strahlungen und folglich auch der große Diameter der Ellipseanf der Achse des Prismas vertical steht. Z. 66. 67.
73.
Ich sollte zwar hier vielleicht noch, ehe ich schließe, einigeallgemeine Betrachtungen anstellen und in die Ferne hindeuten,wohin ich meine Leser zu führen gedenke. Es kann dieses aberwohl erst an dem Ende des folgenden Stückes geschehen, weildasjenige, was ich hier allenfalls sagen könnte, doch immernoch als nnbelegt und unerwiesen erscheinen müßte. So vielkann ich aber denjenigen Beobachtern, welche gern vorwärtsdringen mögen, sagen, daß in den wenigen Erfahrungen, dieich vorgetragen habe, der Grund zu allem Künftigen schongelegt ist, und daß es beinahe nur Entwicklung seyn wird,wenn wir in der Folge das durch's Prisma entdeckte Gesetz inallen Linsen, Glaskugeln und andern mannichfaltig geschlisse-nen Gläsern, in Wassertropfen und Dünsten, ja endlich mitdem bloßen Auge unter gewissen gegebenen Bedingungen ent-decken werden.
V.
Ueber den zu diesen Versuchen nöthigen Apparat undbesonders über die mit diesem Stücke ausgegebenen Karten.
74.
Sobald ich mir vornahm, die Erfahrungen über die Ent-stehung der prismatischen Farben dem Publikum vorzulegen,empfand ich gleich den Wunsch, sie so schnell als möglich wenig-stens in meinem Baterlande bekannt und ausgebreitet zu sehen.Da hierbei alles auf den Augenschein ankommt, so war esnöthig zu sorgen, daß jedermann mit der größten Leichtigkeitdazu gelangen könne; es wollte weder eine Beschreibung nochausgemalte Kupfertaseln, die der Schrift angefügt würden, zudiesen! Zwecke hinreichen. Ich beschloß also, die großen Tafeln,welche ich zu meinen Versuchen verfertigt, im Kleinen nach-ahmen zu lasten, und dadurch sowohl einen jeden sogleich durchdas Anschauen zu überzeugen als auch ein lebhafteres Interessezu erregen. Diejenigen Liebhaber, die einen ernsthafter» Antheildaran nehmen, werden nun leicht die Tafeln 1, 2, 3, 4, 7,10,14, 19, 20, 21, 22, 23 in beliebig großem Format nachmachenlassen, und die Versuche alsdann mit desto mehr Bequemlichkeitund größerm Succeß wiederholen. Ja sie werden durch eigenesNachdenken noch mehrere Abwechslungen erfinden können, alsich für dießmal anbringen konnte. Denn jede schwarze Figurauf weißem Grunde, und jede weiße auf schwarzem Grunde,bringt neue Erscheinungen hervor, die man in's Unendliche
vervielfältigen kann. Ich empfehle besonders Andreaskreuze,Sterne u. dergl., nicht weniger alle Arten von Mustern, diedurch Abwechslung von schwarzen und weißen Vierecken ent-stehen, welche letztere oft, wie die Karte Nr. 22 zeigt, vondreierlei Seiten verschiedene farbige Phänomene darstellen.
75.
Man wird, indem man selbst dergleichen Versuche ersinnt,immer mehr von der Conseqnenz desjenigen überzeugt werden,was oben vorgetragen worden ist. Um die Abwechslung desOben und Unten der beiden farbigen Pole recht deutlich einzu-sehen , verfertige man sich einen schwarzen Stern anf weißemund einen weißen Stern anf schwarzem Grunde, und durch-bohre ihn mit einer Nadel dergestalt, daß man ihn anf der-selben, wie auf einer Achse, herumdrehen kann. Während desDrehens beobachte man denselben durch's Prisma, und man wirddiesen Versuch mit Vergnügen und Nachdenken wiederholen.
76.
Ich habe meinen Vortrug dergestalt eingerichtet , daß dieVersuche durch jedes gewöhnliche gleichseitige Prisma angestelltwerden können, wenn es nur von weißem Glase ist; ja selbstmit einem Prisma von grünlichem Glase lassen sie sich anstellen,wenn man die geringe Differenz, welche die Farbe verursacht,bei der Beobachtung in Gedanken abrechnen will.
77.
Zu der völligen Evidenz der vorgetragenen Sätze gehörtaber, daß man ein spitzwinkeliges Prisma von 10 bis 20 Gradenanwende. Es kann ein jeder Glasschleifer solche leicht aus einerstarken Glastafcl verfertigen; und wenn sie auch nur einen starkenZoll hoch und einige Zoll breit sind, so daß man nur mit EinemAuge durchsieht, indem man das andere zuschließt, so sind sievorerst hinreichend. Ich werde aber dafür sorgen, daß Prismenvon reinem Glase und nach genau bestimmtem Maaße an Lieb-haber mit den folgenden Stücken ausgegeben werden können.Wie denn überhaupt der nöthige Apparat zu den anzustellendenVersuchen nach und nach wachsen wird, so genau ich auch zuWerke gehen werde, die Versuche zu simplificiren.
78.
Da sich aber doch der Fall oft ereignen kann, daß diese kleineSchrift mit den dazu gehörigen Tafeln an Orte gelangt, wokeine Prismen vorhanden sind, so habe ich farbige Tafeln hin-zugefügt, um dem Beobachter wenigstens anf einige Weise zuHülfe zu kommen, und ihm, bis er sich nach einem Prismaumgesehen, einstweilen verständlich zu seyn. Auch demjenigen,der das nöthige Instrument besitzt, werden diese gemaltenKarten nicht unnütz seyn: er kann seine Beobachtungen damitvergleichen, und überzeugt sich eher von dem Gesetz einer Er-scheinung , welche er vor sich auf dem Papier schon fipirt sieht.
79.
Ich muß aber freilich hier zum voraus bemerken, daß maudie Farben dieser Tafeln nicht mit den absoluten Farben derPrismatischen Erscheinungen in Absicht ihrer Schönheit ver-gleichen möge: denn es sind dieselben nur wie jeder andereHolzschnitt bei einem wissenschaftlichen Buche anzusehen, derweder künstlich noch gefällig, sondern bloß mechanisch undnützlich ist.
80.
Nur die unmittelbare Nähe einer Kartensabrik macht esmöglich, diese Tafeln so wie sie sind um einen Preis zu liefern,