Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Beiträge zur Optik.

der niemand abschrecken wird, und es war hier nicht die Frage,ein Werk für Bibliotheken auszuarbeiten, sondern einer kleinenSchrift die möglichste Ausbreitung zu verschaffen.

81.

Man wird daher diesen Tafeln manches nachsehen, wennman sie zur Deutlichkeit nützlich findet. Ich werde bemühtseyn, in der Folge diese Tafeln vollkommener zu machen, undsie auch einzeln ausgeben, damit jeder Liebhaber eine solche durchden Gebrauch leicht zerstörte Sammlung sich verbessert wiederanschaffen kann. Ich füge noch einige Beobachtungen hinzu,damit man bei diesen Karten in den anzustellenden Erfahrungennicht gestört werde.

82.

Es ist die Absicht, daß der Beobachter das Prisma, dessenWinkel unterwärts gekehrt ist, in der rechten Hand halte, beiden anzustellenden Erfahrungen die schwarz und weißen Kartenzuerst etwa einen halben Fuß hinter dem Prisma entfernt halte,indem er solche mit der linken Hand an der Seite, wo die Num-mern befindlich sind, ergreift, und die Nummern mit demDaumen zudeckt.

83.

Da einige Karten nicht allein vertikal, sondern auch hori-zontal gehalten werden müssen, so versteht sich's von selbst, daßman sich gewöhnt, sie auf die eine wie auf die andere Weise zuwenden. Man entferne alsdann das Prisma nach und nachbis zur Weite von zwei Fuß oder so weit, bis die Zeichnungder Karten undeutlich wird; man bringe sie wieder herbei,und gewöhne sich selbst nach und nach an die verschiedenenPhänomene.

84.

Wer diese schwarz und weißen Tafeln in größerem Forniatnachahmt, wird diese Erscheinung in größerer Entfernung undmit mehr Bequemlichkeit beobachten können.

85.

Zum Verständniß des Z. 65, 66, 67 lege man die dreiKarten Nr. 23, 17 und 18 dergestalt vor sich, daß die schwarzeHälfte zur linken Seite des Beobachters bleibt, die Nummernan diesen Karten mögen aufgeklebt seyn, wie sie wollen.

86 .

Die Tafeln Nr. 16, 24, 25, 26, 27 werden erst in denfolgenden Stücken nöthig werden.

87.

So wie auch der Versuch niit der Tafel Nr. 14 in der Reihedes gegenwärtigen Vertrags nicht Platz nehmen konnte; in-dessen kann man denselben einstweilen zur Belustigung anstellen.Wenn man die Tafel Nr. 14 durch's Prisma betrachtet, so wirddie abgebildete Fackel einem angezündeten Lichte ähnlich erschei-nen, wie die 15. Tafel solches darstellt. Sehen wir bei Nacht-zeit ein angezündetes Licht auch nur mit bloßen Augen, so werdenwir die Spitze desselben roth und gelb, den untern Theil der-selben blau sehen. Diese Farben werden sich in einem unge-heuern Grade verstärken, wenn wir das brennende Licht durchein Prisma betrachten. In wiefern sich diese Erfahrung an dieübrigen von uns bisher beobachteten anschließt, wird sich erstkünftig zeigen.

88 .

Ich wiederhole nochmals, daß die Beschreibung der Versuchebesonders des zweiten Capitels nur alsdann mit den Erfahrungen

übereinstimmen könne, wenn der Beobachter den sogenanntenbrechenden Winkel unterwärts gekehrt hat, und so die Gegen-stände betrachtet. Wie sich die Farben alsdann zeigen, gebendie gemalten Karten an; die Ausdrücke oben, unten, horizontal,perpendicular beziehen sich auf diese Richtung. Sie würdensich, wenn man den gedachten Winkel nunmehr auch nach oben,nach der rechten oder linken Hand wendete, folgendcrmaaßenverändern:

Der Winkel des Prismas gekehrtnach unten nach oben nach der Rechten nach der Linken

unten oben rechts links

oben unten links rechts

horizontal horizontal perpendicular perpendicular

perpendicular perpendicular horizontal horizontal.

Man sieht leicht, daß, wenn man sich diese Richtung desPrismas in einem Kreise denkt, sich das Oben und Unten,Rechts und Links auf ein Innen und Außen beziehe, welchessich deutlicher ergeben wird, wenn wir dereinst Versuche durchLinsen anstellen werden.

VI.

Beschreibung der Tafeln.

Da es möglich wäre, daß ungeachtet aller angewendetenMühe und beobachteten Genauigkeit eine falsche Nummer aufeine Karte getragen würde, so füge ich hier nochmals eine Be-schreibung der Tafeln hinzu, und ersuche jeden Beobachter, siehiernach zu revidiren.

Nr. 1. Schwarze wurmförmige Züge auf weißem Grunde.

Nr. 2. Schwarze und weiße kleine Vierecke.

Wird horizontal und diagonal vor's Prisma gehalten.

Nr. 3. Ein weißer Stab auf schwarzem Grunde.

Nr. 4. Ein schwarzer Stab auf weißem Grunde.

Diese beiden Nummern braucht der Beobachter sowohl hori-zontal als vertical.

Nr. 5. Ein Regenbogenstreif auf schwarzem Grunde.

Nr. 6. Ein umgewendeter Regenbozenstreif auf weißemGrunde.

Diese beiden Tafeln legt man horizontal vor sich, und zwarso, daß der Rücken des Bogens aufwärts gekehrt ist.

Nr. 7. Eine halb schwarze, halb weiße Tafel.

Der Beobachter bedient sich derselben, vaß bald dasSchwarze, bald das Weiße nuten steht.

Nr. 8. Eine halb schwarze, halb weiße Tafel mit einemrothen und gelben Streifen.

Wir legen sie dergestalt vor uns, daß sich das Schwarzeoben befindet.

Nr. 9. Eine halb schwarze, halb weiße Tafel mit eineniblauen und violetten Streifen.

Wir legen sie dergestalt vor uns, daß das Schwarze sichunten befindet.

Nr. 10. Zwei schwarze und zwei weiße längliche Viereckeüber's Kreuz gestellt.

Wir können sie horizontal, perpendicular, diagonal vor'sPrisma nehmen.

Nr. 11. Zwei schwarze und weiße längliche Vierecke über'sKreuz gestellt, mit einem rothen, gelben, blauen und violettenRande.