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Zur Färb«,lehre.
diluirten Purpur, ein Rosenfarb, ein Helles, reines Rothsehen. Symbolisch kann man sich diese Lösung einstweilenfolgendermaaßen vorstellen.
112 .
Nehmen wir aus unserm Farbenkreise das Blaue heraus,so fehlt uns Blau, Violett und Grün. Das reine Roth ver-breitet sich an der Stelle der beiden ersten, und wenn eswieder das Gelbe berührt, bringt es anstatt des Grünen aber-mals ein Orange hervor.
113.
Indem wir uns von dieser Erklärungsart überzeugt halten,haben wir diese merkwürdige Abweichung vom gewöhnlichenSehen Akyanoblepsie genannt, und zu besserer Einsichtmehrere Figuren gezeichnet und illuminirt, bei deren Erklä-rung wir künftig das weitere beizubringen gedenken. Auchfindet man daselbst eine Landschaft, gefärbt nach der Weise, wiediese Menschen wahrscheinlich die Natur sehen, den Himmelrosenfarb und alles Grüne in Tönen vom Gelben bis zumBraunrothen, ungefähr wie es uns im Herbst erscheint.
114.
Wir sprechen nunmehr von krankhaften sowohl als allenwidernatürlichen, außernatürlichen, seltenen Afsectionen derRetina, wobei, ohne äußeres Licht, das Auge zu einer Licht-erscheinung disponirt werden kann, und behalten uns vor, desgalvanischen Lichtes künftig zu erwähnen.
115.
Bei einem Schlag auf's Auge scheinen Funken umher zusprühen. Ferner, wenn man in gewissen körperlichen Dispo-sitionen, besonders bei erhitztem Blute und reger Empfind-lichkeit, das Auge erst sachte, dann immer stärker drückt, sokaun man ein blendendes, unerträgliches Licht erregen.
116.
Operirte Staarkranke, wenn sie Schmerz und Hitze imAuge haben, sehen häufig feurige Blitze und Funken, welchezuweilen acht bis vierzehn Tage bleiben, oder doch so lange,bis Schmerz und Hitze weicht.
117.
Ein Kranker, wenn er Ohrenschmerz bekam, sah jederzeitLichtsunken und Kugeln im Auge, so lange der Schmerz dauerte.
118.
Wurmkranke haben oft sonderbare Erscheinungen im Auge,bald Feuerfunken, bald Lichtgespenster, bald schreckhafte Figuren,die sie nicht entfernen können, bald sehen sie doppelt.
119.
Hypochondristen sehen häufig schwarze Figuren, als Fäden,Haare, Spinnen, Fliegen, Wespen. Diese Erscheinungenzeigen sich auch bei anfangendem schwarzen Staar. Manchesehen halbdurchsichtige kleine Röhren, wie Flügel von Jnsecten,Wasserbläschen von verschiedener Größe, welche beim Hebendes Auges niedersinken, zuweilen gerade so in Verbindunghängen, wie Froschlaich, und bald als völlige Sphären, baldals Linsen bemerkt werden.
120 .
Wie dort das Licht ohne äußeres Licht, so entspringen auchdiese Bilder ohne äußere Bilder. Sie sind theils vorübergehend,theils lebenslänglich dauernd. Hierbei tritt auch manchmal eineFarbe ein: denn Hypochondristen sehen auch häufig gelbrothe
schmale Bänder im Auge, oft heftiger und häufiger am Morgenoder bei leerem Magen.
121 .
Daß der Eindruck irgend eines Bildes im Auge einigeZeit verharre, kennen wir als physiologisches Phänomen (23);die allzulange Dauer eines solchen Eindrucks hingegen kannals krankhaft angesehen werden.
122 .
Je schwächer das Auge ist, desto länger bleibt das Bild indemselben. Die Retina stellt sich nicht sobald wieder her, undman kann die Wirkung als eine Art von Paralyse ansehen (28).
123.
Von blendenden Bildern ist es nicht zu verwundern. Wennman in die Sonne sieht, so kann man das Bild mehrere Tagemit sich herumtragen. Bohle erzählt einen Fall von zehnJahren.
124.
Das gleiche findet auch verhältnißmäßig von Bildern, welchenicht blendend sind, Statt. Busch erzählt von sich selbst, daßihm ein Kupferstich vollkommen mit allen seinen Theilen beisiebzehn Minuten im Auge geblieben.
125.
Mehrere Personen, welche zu Krampf und Vollblütigkeitgeneigt waren, behielten das Bild eines hochrothen Cattunsmit weißen Muscheln viele Minuten lang im Auge, und sahenes wie einen Flor vor allem schweben. Nur nach langemReiben des Auges verlor sich's.
126.
Scherffer bemerkt, daß die Purpurfarbe eines abklingendenstarken Lichteindrucks einige Stunden dauern könne.
127.
Wie wir durch Druck auf den Augapfel eine Lichterscheinungauf der Retina hervorbringen können, so entsteht bei schwachemDruck eine rothe Farbe, und wird gleichsam ein abklingendesLicht hervorgebracht.
128.
Viele Kranke, wenn sie erwachen, sehen alles in der Farbedes Morgenroths, wie durch einen rothen Flor; auch wenn sieam Abend lesen, und zwischendurch einnicken und wieder auf-wachen, Pflegt es zu geschehen. Dieses bleibt minutenlang undvergeht allenfalls, wenn das Auge etwas gerieben wird. Dabeisind zuweilen rothe Sterne und Kugeln. Dieses Rothsehendauert auch wohl eine lange Zeit.
129.
Die Luftfahrer, besonders Zambeccari und seine Ge-fährten, wollen in ihrer höchsten Erhebung den Mond blutrothgesehen haben. Da sie sich über die irdischen Dünste emporge-schwungen hatten, durch welche wir den Mond und die Sonnewohl in einer solchen Farbe sehen, so läßt sich vermuthen, daßdiese Erscheinung zu den pathologischen Farben gehöre. Esmögen nämlich die Sinne durch den ungewohnten Zustanddergestalt afficirt seyn, daß der ganze Körper, und besondersauch die Retina, in eine Art von Unrührbarkeit und Unreiz-barkeit verfällt. Es ist daher nicht unmöglich, daß der Mondals ein höchst abgestumpftes Licht wirke, und also das Gefühlder rothen Farbe hervorbringe. Den Hamburger Luftfahrernerschien auch die Sonne blutroth.
Wenn die Luftfahrenden zusammen sprechen, und sich kaum