DWakttschec Theil,
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hören, sollte nicht auch dieses der Unreizbarkeit der Nerven ebenso gut als der Dünne der Luft zugeschrieben werden können?
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Die Gegenstände werden von Kranken auch manchmal viel-farbig gesehen. Bohle erzählt von einer Dame, daß sie nacheinem Sturze, wobei ein Auge gequetscht worden, die Gegen-stände, besonders aber die weißen, lebhaft bis zum Unerträg-lichen schimmern gesehen.
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Die Aerzte nennen Chrupsie, wenn in typhischen Krank-heiten, besonders der Augen, die Patienten an den Rändernder Bilder, wo Hell und Dunkel an einander gränzen, farbigeUmgebungen zu sehen versichern. Wahrscheinlich entsteht inden Liquoren eine Veränderung, wodurch ihre Achromasie auf-gehoben wird.
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Beim grauen Staar läßt eine starkgetrübte Krystalllinseden Kranken einen rothen Schein sehen. In einem solchenFalle, der durch Elektricität behandelt wurde, veränderte sichder rothe Schein nach und nach in einen gelben, zuletzt ineinen weißen, und der Kranke fing an, wieder Gegenständegewahr zu werden; woraus man schließen konnte, daß der trübeZustand der Linse sich nach und nach der Durchsichtigkeit nähere.Diese Erscheinung wird sich, sobald wir mit den physischenFarben nähere Bekanntschaft gemacht, bequem ableiten lassen.
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Kann man nun annehmen, daß ein gelbsüchtiger Krankerdurch einen wirklich gelbgefärbten Liquor hindurchsehe, sowerden wir schon in die Abtheilung der chemischen Farben ver-wiesen, und wir sehen leicht ein, daß wir das Capitel von denpathologischen Farben nur dann erst vollkommen ausarbeitenkönnen, wenn wir uns mit der Farbenlehre in ihrem ganzenUmfang bekannt gemacht; deßhalb sey es an dem Gegenwärtigengenug, bis wir später das Angedeutete weiter ausführen können.
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Nur möchte hier zum Schlüsse noch einiger besondern Dis-positionen des Auges vorläufig zu erwähnen seyn.
Es giebt Maler, welche, anstatt daß sie die natürliche Farbewiedergeben sollten, einen allgemeinen Ton, einen warmenoder kalten, über das Bild verbreiten. So zeigt sich auch beimanchen eine Vorliebe für gewisse Farben, bei andern einUngefühl für Harmonie.
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Endlich ist noch bcmerkenswerth, daß wilde Nationen, un-gebildete Menschen, Kinder eine große Borliebe für lebhafteFarben empfinden; daß Thiere bei gewissen Farben in Zorngerathen; daß gebildete Menschen in Kleidung und sonstigerUmgebung die lebhaften Farben vermeiden und durch sie durch-gängig von sich zu entfernen suchen.
Zweite Abtheilung,physische Farben.
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Physische Farben nennen wir diejenigen, zu deren Hervor-bringung gewisse materielle Mittel nöthig sind, welche aber
selbst keine Farbe haben, und theils durchsichtig, theils trübund durchscheinend, theils völlig undurchsichtig seyn können.Dergleichen Farben werden also in unserm Auge durch solcheäußere bestimmte Anlässe erzeugt, oder wenn sie schon ausirgend eine Weise außer uns erzeugt sind, in unser Augezurückgeworfen. Ob wir nun schon hierdurch denselben eineArt von Objectivität zuschreiben, so bleibt doch das Vorüber-gehende, Nichtfestzuhaltende meistens ihr Kennzeichen.
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Sie heißen daher auch bei den frühern Naturforscherneolores axxarewtes, lluxi, tug-itivi, xtmutsstiei, tslsi,variantes. Zugleich werden sie sxeciosi und empüntioi,wegen ihrer auffallenden Herrlichkeit, genannt. Sie schließensich unmittelbar an die physiologischen au, und scheinen nur umeinen geringen Grad mehr Realität zu haben. Denn wenn beijenen vorzüglich das Auge wirksam war, und wir die Phäno-mene derselben nur in uns, aber außer uns darzustellen ver-mochten, so tritt nun hier der Fall ein, daß zwar Farben imAuge durch farblose Gegenstände erregt werden, daß wir aberauch eine farblose Flache an die Stelle unserer Retina setzenund auf derselben die Erscheinung außer uns gewahr werdenkönnen; wobei uns jedoch alle Erfahrungen auf das bestimmtesteüberzeugen, daß hier nicht von fertigen, sondern von werdendenund wechselnden Farben die Rede sey.
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Wir sehen uns deßhalb bei diesen physischen Farben durch-aus im Stande, einem subjectiven Phänomen ein objectivesan die Seite zu setzen, und öfters, durch die Verbindung beider,mit Glück tiefer in die Natur der Erscheinung einzudringen.
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Bei den Erfahrungen also, wobei wir die physischen Farbengewahr werden, wird das Auge nicht für sich als wirkend, dasLicht niemals in unmittelbarem Bezüge auf das Auge betrachtet,sondern wir richten unsere Aufmerksamkeit besonders darauf,wie durch Mittel, und zwar farblose Mittel, verschiedene Be-dingungen entstehen.
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Das Licht kann auf dreierlei Weise unter diesen Umständenbedingt werden. Erstlich wenn es von der Oberfläche einesMittels zurückstrahlt, da denn die katoptrischen Versuchezur Sprache kommen. Zweitens wenn es an dem Rande einesMittels herstrahlt. Die dabei eintretenden Erscheinungen wur-den ehemals perioptische genannt; wir nennen sie parop-tische. Drittens wenn es durch einen durchscheinenden oderdurchsichtigen Körper durchgeht, welches die dioptrischenVersuche sind. Eine vierte Art physischer Farben haben wirepoptische genannt, indem sich die Erscheinung, ohne vor-gängige Mittheilung (/7a--q), auf einer farblosen Oberflächeder Körper unter verschiedenen Bedingungen sehen läßt.
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Beurtheilen wir diese Rubriken in Bezug auf die von unsbeliebten Hauptabtheilungen, nach welchen wir die Farben inphysiologischer, physischer und chemischer Rücksicht betrachten,so finden wir, daß die katoptrischen Farben sich nahe an diephysiologischen anschließen, die paroptischen sich schon etwasmehr ablösen und gewissermaaßen selbstständig werden, diedioptrischen sich ganz eigentlich Physisch erwiesen und eine ent-schieden objective Seite haben; die epoptischen, obgleich in