Didaktischer Theil.
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unter unsere Tafeln ausgenommen, wo die Erscheinung vonihrem ersten Ursprünge an dargestellt ist, und an welchen mansich deutlich machen kann, warum das leuchtende'Bilv durchPrismen so viel stärker als durch parallele Mittel gefärbt wird.
328 ( 212 ).
An den beiden entgegengesetzten Gränzen steht eine entgegen-gesetzte Erscheinung in einem spitzen Winkel aus, die sich, wiesie weiter in dem Raume vorwärts geht, nach Maaßgabe diesesWinkels verbreitert. So strebt in der Richtung, in welcher dasleuchtende Bild verrückt worden, ein violetter Saum in dasDunste hinaus, ein blauer schmalerer Rand bleibt an derGränze; von der andern Seite strebt ein gelber Saum in dasHelle hinein, und ein gelbrother Rand bleibt an der Gränze.
329 ( 213 ).
Hier ist also die Bewegung des Dunkeln gegen das Helle,des Hellen gegen das Dunste wohl zu beachten.
330 ( 214 ).
Eines großen Bildes Mitte bleibt lange ungefärbt, beson-ders bei Mitteln von minderer Dichtigkeit und geringermMaaße, bis endlich die entgegengesetzten Säume und Rändereinander erreichen, da alsdann bei dem leuchtenden Bild in derMitte ein Grün entsteht.
331 ( 215 ).
Wenn nun die objectiven Versuche gewöhnlich nur mit demleuchtenden Sonnenbilde gemacht wurden, so ist ein objectiverVersuch mit einem dunkeln Bilde bisher fast gar nicht vorge-kommen. Wir haben hierzu aber auch eine bequeme Vorrich-tung angegeben. Jenes große Wafserprisma nämlich stelleman in die Sonne und klebe auf die äußere oder innere Seiteeine runde Pappenscheibe, so wird die farbige Erscheinung aber-mals an den Rändern vorgehen, nach jenem bekannten Gesetzentspringen; die Ränder werden erscheinen, sich in jenem Maaßeverbreitern und in der Mitte der Purpur entstehen. Man kannneben das Rund ein Viereck in beliebiger Richtung hinzufügen,und sich von dem oben mehrmals Angegebenen und Ausge-sprochenen von neuem überzeugen.
332 ( 216 ).
Nimmt man von dem gedachten Prisma diese dunkelnBilder wieder hinweg, wobei jedoch die Glastafcln jedesmalsorgfältig zu reinigen sind, und hält einen schwachen Stab,etwa einen starken Bleistift, vor die Mitte des horizontalenPrismas, so wird man das völlige Uebereinandergrcifen desvioletten Saums und des rothen Randes bewirken und nur diedrei Farben, die zwei äußern und die mittlere, sehen.
333 .
Schneidet man eine vor'ö Prisma zu schiebende Pappe der-gestalt aus, daß in der Mitte derselben eine horizontale länglicheOefsnung gebildet wird, und läßt alsdann das Sonnenlicht hin-durchfallen, so wird man die völlige Vereinigung des gelbenSaumes und des blauen Randes nunmehr über das Helle be-wrrken und nur Gelbroth, Grün und Violett sehen; auf welcheArt und Weise, ist bei Erklärung der Tafeln weiter aus ein-ander gesetzt.
334 ( 217 ).
Die prismatische Erscheinung ist also keineswegs fertig undvollendet, indem das leuchtende Bild aus dem Prisma hervor-tritt. Man wird alsdann nur erst ihre Ansänge im Gegensatzgewahr; dann wächst sie, das Entgegengesetzte vereinigt sich
und verschränkt sich zuletzt austs innigste. Der von einer Tafelaufgefangene Durchschnitt dieses Phänomens ist in jeder Ent-fernung vom Prisma anders, so daß weder von einer stetigenFolge der Farben, noch von einem durchaus gleichen Maaßderselben di- Rede seyn kann; weßhalb der Liebhaber undBeobachter sich an die Natur und unsere naturgemäßen Tafelnwenden wird, welchen zum Ueberfluß eine abermalige Er-klärung, so wie eine genügsame Anweisung und Anleitung zuallen Versuchen, hinzugefügt ist.
XXIV.
Ableitung der angezeigten Phänomene.
335 ( 218 ).
Wenn wir diese Ableitung schon bei Gelegenheit der sub-jectiven Versuche umständlich vorgetragen, wenn alles, wasdort gegolten hat, auch hier gilt, so bedarf es keiner weitläufi-gen Ausführung mehr, um zu zeigen, daß dasjenige, was inder Erscheinung völlig parallel geht, sich auch aus eben den-selben Quellen ableiten lasse-
336 ( 219 ).
Daß wir auch bei objectiven Versuchen mit Bildern zuthun haben, ist oben umständlich dargethan worden. DieSonne mag durch die kleinste Qeffnung hereinschcinen, sodringt doch immer das Bild ihrer ganzen Scheibe hindurch.Man mag das größte Prisma in das freie Sonnenlicht stellen,so ist es doch immer wieder das Sonnenbild, das sich an denRändern der brechenden Flächen selbst begränzt und die Nebel-bilder dieser Begränzung hervorbringt. Man mag eine vielfachausgeschnittene Pappe vor das Wasserprisma schieben, so sindes doch nur die Bilder aller Art, welche, nachdem sie durchBrechung von ihrer Stelle gerückt worden, farbige Ränder undSäume, und in denselben durchaus vollkommene Nebelbilderzeigen.
337 ( 235 ).
Haben uns bei fubjectiven Versuchen stark von einander ab-stechende Bilder eine höchst lebhafte Farbenerscheinuug zu Wegegebracht, so wird diese bei objectiven Versuchen noch viel leb-hafter und herrlicher seyn, weil das Sonnenbild von der höch-sten Energie ist, die wir kennen; daher auch dieses Nebelbildmächtig und, ungeachtet seines secundären getrübten und ver-dunkelten Zustandes, noch immer herrlich und glänzend seynmuß. Die vom Sonnenlicht durch's Prisma auf irgend einenGegenstand geworfenen Farben bringen ein gewaltiges Lichtmit sich, indem sie das höchst energische Urlicht gleichsam imHintergründe haben.
338 ( 238 ).
In wiefern wir auch diese Nebelbilder trüb nennen und sieaus der Lehre von den trüben Mitteln ableiten dürfen, wirdjedem, der uns bis hierher aufmerksam gefolgt, klar seyn, be-sonders aber dem, der sich den nöthigen Apparat verschafft, umdie Bestimmtheit und Lebhaftigkeit, womit trübe Mittel wirken,sich jederzeit vergegenwärtigen zu können.