Didaktischer Theil.
153
das ganze Sonnenbild wirke, Schatten hervorbringe, sie inDoppclschatten verwandle und endlich sogar aufhebe.
398.
Man nehme nunmehr, statt der festen Körper, ausgeschnit-tene Oeffnungen von verschiedener bestimmter Größe nebeneinander, und lasse das Sonnenlicht auf eine etwas entfernteTafel hindurchfallen, so wird man finden, daß das helle Bild,welches aus der Tafel von der Sonne hervorgebracht wird,größer sey als die Ocffnung; welches daher kommt, daß dereine Rand der Sonne durch die entgegengesetzte Seite derOesi-nung noch hindurchscheint, wenn der andere durch sie schon ver-deckt ist. Daher ist das helle Bild an seinen Rändern schwächerbeleuchtet.
399.
Nimmt man viercckte Oeffnungen, von welcher Größe manwolle, so wird das helle Bild auf einer Tafel, die neun Fußvon den Oeffnungen steht, um einen Zoll an jeder Seite größerseyn als die Oeffnung; welches mit dem Winkel des schein-baren Sonnendiameters ziemlich übereinkommt.
400.
Daß eben diese Randerleuchtung nach und nach abnehme,ist ganz natürlich, weil zuletzt nur ein Minimum des Sonnen-lichts vom Sonnenrande über's Kreuz durch den Rand derOeffnung einwirken kann.
401.
Wir sehen also hier abermals, wie sehr wir Ursache haben,uns in der Erfahrung vor der Annahme von parallelenStrahlen, Strahlenbüscheln und Bündeln und dergleichen hypo-thetischem Wesen zu hüten (309 f.).
402.
Wir können uns vielmehr das Scheinen der Sonne oderirgend eines Lichtes als eine unendliche Abspiegelung des be-schränkten Lichtbildes vorstellen; woraus sich denn wohl ableitenlaßt, wie alle viereckten Oeffnungen, durch welche die Sonnescheint, in gewissen Entfernungen, je nachdem sie größer oderkleiner sind, ein rundes Bild geben müssen.
403.
Obige Versuche kann man durch Oeffnungen von mancherleiForm und Größe wiederholen, und es wird sich immer dasselbein verschiedenen Abweichungen zeigen; wobei man jedoch immerbemerken wird, daß im vollen Lichte, und bei der einfachenOperation des Herscheinens der Sonne an einem Rand, keineFarbe sich sehen lasse.
404.
Wir wenden uns daher zu den Versuchen mit dem ge-dämpften Lichte, welches nöthig ist, damit die Farbenerscheinungeintrete. Man mache eine kleine Oeffnung in den Laden derdunkeln Kammer, man fange das über's Kreuz eindringendeSonnenbild mit einem weißen Papiere auf, und man wird,je kleiner die Oeffnung ist, ein desto matteres Licht erblicken;und zwar ganz natürlich, weil die Erleuchtung nicht von derganzen Sonne, sondern nur von einzelnen Punkten, nur theil-weise gewirkt wird.
405.
Betrachtet man dieses matte Sonnenbild genau, so findetman es gegen seine Ränder zu immer matter und mit einemgelben Saume begränzt, der sich deutlich zeigt, am deutlichsten ^aber, wenn sich ein Nebel oder eine durchscheinende Wolke vor
die Sonne zieht, ihr Licht mäßigt und dämpft. Sollten wiruns nicht gleich hierbei jenes Hofes an der Wand und desScheins eines nahe davorstehenden Lichtes erinnern (88) ?
406.
Betrachtet man jenes oben beschriebene Sonnenbild genauer,so sieht man, daß es mit diesem gelben Saume noch nicht ab-gethan ist, sondern man bemerkt noch einen zweiten, bläulichenKreis, wo nicht gar eine hosartige Wiederholung des Farben-saums. Ist das Zimmer recht dunkel, so sieht man, daß derzunächst um die Sonne erhellte Himmel gleichfalls einwirkt;man sieht den blauen Himmel, ja sogar die ganze Landschaftauf dem Papiere, und überzeugt sich abermals, daß hier nurvon dem Sonnenbilde die Rede sey.
407.
Nimmt man eine etwas größere, viereckte Oeffnung, welchedurch das Hineinstrahlen der Sonne nicht gleich rund wird, sokann man die Halbschatten von jedem Rande, das Zusammen-treffen derselben in den Ecken, die Färbung derselben, nachMaaßgabe obgemeldeter Erscheinung der runden Oeffnung,genau bemerken.
408.
Wir haben nunmehr ein parallaktisch scheinendes Licht ge-dämpft, indem wir es durch kleine Oeffnungen scheinen ließen,wir haben ihm aber seine parallaktische Eigenschaft nicht ge-nommen, so daß es abermals Doppelschatten der Körper, wenngleich mit gedämpfter Wirkung, hervorbringen kann. Diesesind nunmehr diejenigen, auf welche man bisher aufmerksamgewesen, welche in verschiedenen hellen und dunkeln, farbigenund farblosen Kreisen auf einander folgen, und vermehrte, jagewifsermaaßen unzählige Höfe hervorbringen. Sie sind oftgezeichnet und in Knpfer gestochen worden, indem man Nadeln,Haare und andere schmale Körper in das gedämpfte Lichtbrachte, die vielfachen, hofartigen Doppelschatten bemerkte, undsie einer Aus- und Einbiegung des Lichtes zuschrieb, und da-durch erklären wollte, wie der Kernschatten aufgehoben, undwie ein Helles an der Stelle des Dunkeln erscheinen könne.
409.
Mr aber halten vorerst daran fest, daß es abermals paral-laktische Doppelschatten sind, welche mit farbigen Säumen undHöfen begränzt erscheinen.
410.
Wenn man alles dieses nun gesehen, untersucht und stchdeutlich gemacht hat, so kann man zu dem Versuche mit denMesserklingen schreiten, welches nur ein Aneinanderrücken undparallaktisches Uebereinandergreifen der uns schon bekanntenHalbschatten und Höfe genannt werden kann.
411.
Zuletzt hat man jene Versuche mit Haaren, Nadeln undDrähten in jenem Halblichte, das die Sonne wirkt, so wie imHalblichte, das sich vom blauen Himmel herschreibt und aufdem Papiere zeigt, anzustellen und zu betrachten; wodurch mander wahren Ansicht dieser Phänomene sich immer mehr be-meistern wird.
412.
Da nun aber bei diesen Versuchen alles darauf ankommt,daß man sich von der parallaktischen Wirkung des scheinenden^ Lichtes überzeuge, so kann man sich das, worauf es ankommt,durch zwei Lichter deutlicher machen, wodurch sich die zwei