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Zur Aarbcnlehre.
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So scheint auch das Gelbe wesentlicher den Blättern an-zugehören als der blaue Antheil: denn dieser verschwindet imHerbste, und das Gelbe des Blattes scheint in eine brauneFarbe übergegangen. Noch merkwürdiger aber sind die be-sondern Fälle, da die Blätter im Herbste wieder rein gelbwerden, und andere sich bis zu dem höchsten Roth Hinauf-steigern.
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Uebrigens haben einige Pflanzen die Eigenschaft, durchkünstliche Behandlung fast durchaus in ein Farbenmaterialverwandelt zu werden, das so fein, wirksam und unendlichtheilbar ist, als irgend ein anderes. Beispiele sind der Indizund Krapp, mit denen so viel geleistet wird. Auch werdenFlechten zum Färben benutzt.
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Diesem Phänomen steht ein anderes unmittelbar entgegen,daß man nämlich den färbenden Theil der Pflanzen ausziehenund gleichsam besonders darstellen kaun, ohne daß ihre Organi-sation dadurch etwas zu leiden scheint. Die Farben der Blumenlassen sich durch Weingeist ausziehen und tingiren denselben;die Blumenblätter dagegen erscheinen weiß.
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Es giebt verschiedene Bearbeitungen der Blumen und ihrerSäfte durch Reagentien. Dieses hat Bohle in vielen Experi-menten geleistet. Man bleicht die Rosen durch Schwefel undstellt sie durch andere Säuren wieder her. Durch Tabaksrauchwerden die Rosen grün.
^ vorwärts bewegte, und, indem sie sich um eine Achse drehten,
^ das Gehäuse durch eine Folge von Riefen, Rändern, Rinnen! und Erhöhungen, nach einem immer sich vergrößernden Maaß«
! stab, hervorbrachten. Wir bemerken aber auch zugleich, daßj diesen Organen irgend ein mannichfaltig färbender Saft bei-wohnen mußte, der die Oberfläche des Gehäuses, wahrscheinlichdurch unmittelbare Einwirkung des Meerwassers, mit farbigenLinien, Punkten, Flecken und Schattirungen epochenweise be-zeichnete, und so die Spuren seines steigenden Wachsthumsauf der Außenseite dauernd hinterließ, indeß die innere meistensweiß oder nur blaßgefärbt angetroffen wird.
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Daß in den Muscheln solche Säfte sich befinden, zeigt unsdie Erfahrung auch außerdem genugsam, indem sie uns die-selben noch in ihrem flüssigen und färbenden Zustande dar-bietet, wovon der Saft des Dintenfisches ein Zeugniß giebt;ein weit stärkeres aber derjenige Purpursast, welcher in mehrernSchnecken gefunden wird, der von Alters her so berühmt istund in der neuern Zeit auch wohl benutzt wird. Es giebtnämlich unter den Eingeweiden mancher Würmer, welche sichin Schalgehäusen aushalten, ein gewisses Gefäß, das mit einemrothen Safte gefüllt ist. Dieser enthält ein sehr stark unddauerhaft färbendes Wesen, so daß man die ganzen Thierezerknirschen, kochen und aus dieser animalischen Brühe dochnoch eine hinreichend färbende Feuchtigkeit herausnehmen konnte.! Es läßt sich aber dieses farbgefllllte Gefäß auch von dem Thiere! absondern, wodurch denn freilich ein conccntrirter Saft ge-> Wonnen wird.
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l-II.
Würmer, Jnsecten, Fische.
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Von den Thieren, welche auf den niedern Stufen der Or-ganisation verweilen, sey hier vorläufig folgendes gesagt. DieWürmer, welche sich in der Erde aufhalten, der Finsternißund der kalten Feuchtigkeit gewidmet sind, zeigen sich miß-färbig; die Eingeweidewürmer, von warmer Feuchtigkeit imFinstern ausgebrütet und genährt, unfärbig; zu Bestimmungder Farbe scheint ausdrücklich Licht zu gehören.
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Diejenigen Geschöpfe, welche im Wasser wohnen, welches,als ein obgleich sehr dichtes Mittel, dennoch hinreichendes Lichthindurch läßt, erscheinen mehr oder weniger gesärbt. DieZoophyten, welche die reinste Kalkerde zu beleben scheinen,sind meistentheils weiß; doch finden wir die Corallen bis zumschönsten Gelbroth hinaufgesteigert, welches in andern Wurm-gehäusen sich bis nahe zum Purpur hinanhebt.
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Die Gehäuse der Schalthiere sind schön gezeichnet und ge-färbt; doch ist zu bemerken, daß weder die Laudschnccken nochdie Schale der Muscheln des süßen Wassers mit so hohen Farbengeziert sind als die des Meerwassers.
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Bei Betrachtung der Muschelschalen, besonders der ge-wundenen, bemerken wir, daß zu ihrem Entstehen eine Ver-sammlung unter sich ähnlicher thierischer Organe sich wachsend
Dieser Saft hat das Eigene, daß er, dem Licht und derLuft ausgesetzt, erst gelblich, dann grünlich erscheint, dannin's Blaue, von da in's Violette übergeht, immer aber einhöheres Roth annimmt, und zuletzt durch Einwirkung derSonne, besonders wenn er auf Batüst aufgetragen worden,eine reine hohe rothe Farbe annimmt.
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Wir hätten also hier eine Steigerung von der Minusieitebis zur Culmination, die wir bei den unorganischen Fällennicht leicht gewahr wurden; ja wir können diese Erscheinungbeinahe ein Durchwandern des ganzen Kreises nennen, undwir sind überzeugt, daß durch gehörige Versuche wirklich dieganze Durchwanderung des Kreises bewirkt werden könne: dennes ist wohl kein Zweifel, daß sich durch wohl angewendeteSäuren der Purpur vom Culminationspunkte herüber nachdem Scharlach führen ließe.
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Diese Feuchtigkeit scheint von der einen Seite mit der Be-gattung zusammenzuhängen; ja sogar finden sich Eier, die An-sänge künftiger Schalthiere, welche ein solches färbendes Wesenenthalten. Von der andern Seite scheint aber dieser Saft aufdas bei höher stehenden Thieren sich entwickelnde Blut zudeuten. Denn das Blut läßt uns ähnliche Eigenschaften derFarbe sehen: in seinem verdünntesten Zustande erscheint esuns gelb; verdichtet, wie es in den Adern sich befindet, roth,und zwar zeigt das arterielle Blut ein höheres Roth, wahr-scheinlich wegen der Säuerung, die ihm beim Athemholenwiderfährt; das venöse Blut geht mehr nach dem Violetten