Didaktischer Theil.
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Gegenstände darstellt, und uns von einer bedeutungslosen > Steigerung ist unaufhaltsam schnell und stetig; sie ist allge-Gegenwart gewiß macht, so zeigt sich die Farbe jederzeit spe- j mein, und kommt sowohl bei physiologischen als physischen undcifisch, charakteristisch, bedeutend. ^ chemischen Farben vor.
696 . ! --
Im allgemeinen betrachtet, entscheidet sie sich nach zwei !Seiten. Sie stellt einen Gegensatz dar, den wir eine Polarität ^nennen und durch ein Plus und Minus recht gut bezeichnen ikönnen.
Plus.
Gelb.
Wirkung.
Licht.
Hell.
Kraft.
Wärme.
Nähe.
Abstoßen.
Verwandtschaft mitSäuren.
Minus
Blau.
Beraubung.
Schatten.
Dunkel.
Schwäche.
Kälte.
Ferne.
Anziehen.
Verwandtschaft mitAlkalien.
Mischung der beiden Seiten.
697 .
Wenn man diesen specificirten Gegensatz in sich vermischt,so beben sich die beiderseitigen Eigenschaften nicht auf; sind sieaber auf den Punkt des Gleichgewichts gebracht, daß man keineder beiden besonders erkennt, so erhält die Mischung wiederetwas Specifisches für's Auge; sie erscheint als eine Einheit,bei der wir an die Zusammensetzung nicht denken. Diese Ein-heit nennen wir Grün.
698 .
Verbindung der gesteigerte» Enden.
702 .
Haben die Enden des einfachen Gegensatzes durch Mischungein schone« und angenehmes Phänomen bewirkt, so werden diegesteigerten Enden, wenn man sie verbindet, noch eine an-muthigcre Farbe hervorbringen, ja es läßt sich denken, daßhier der höchste Punkt der ganzen Erscheinung seyn werde.
703 .
Und so ist es auch: denn es entsteht das reine Roth, daswir oft, um seiner hohen Würde willen, den Purpur genannthaben.
704 .
Es giebt verschiedene Arten, wie der Purpur in der Er-scheinung entsteht: durch Uebereinanderführung des violettenSaums und gelbrothen Randes bei prismatischen Versuchen,durch fortgesetzte Steigerung bei chemischen, durch den organi-schen Gegensatz bei physiologischen Versuchen.
705 .
Als Pigment entsteht er nicht durch Mischung oder Ver-einigung , sondern durch Fipirung einer Körperlichkeit aus demhohen culniinirenden Farbenpnnkte. Daher der Maler Ursachehat, drei Grundfarben anzunehmen, indem er aus diesen dieübrigen sämmtlich zusammensetzt. Der Physiker hingegen nimmtnur zwei Grundfarben an, aus denen er die übrigen entwickeltund zusammensetzt.
Wenn nun zwei aus derselben Quelle entspringende ent-gegengesetzte Phänomene, indem man sie zusammenbringt,sich nicht aufheben, sondern sich zu einem dritten angenehm be-merkbaren verbinden, so ist dieß schon ein Phänomen, dasaus Uebereinstimmung hindeutet: das vollkommenere ist nochzurück.
Steigerung in's Rothe.
699 .
Das Blaue und Gelbe läßt sich nicht verdichten, ohne daßzugleich eine andere Erscheinung mit eintrete. Die Farbe istin ihrem lichtesten Zustand ein Dunkles; wird sie verdichtet,so muß sie dunkler werden, aber zugleich erhält sie einen Schein,den wir mit dem Worte röthlich bezeichnen.
700 .
Dieser Schein wächst immer fort, so daß er auf der höchstenStufe der Steigerung prävalirt. Ein gewaltsainer Lichteindruckklingt purpurfarben ab. Bei dem Gelbrcthen der prismatischenVersuche, das unmittelbar aus dem Gelben entspringt, denktman kaum mehr an das Gelbe.
701 .
Die Steigerung entsteht schon durch farblose trübe Mittel,und hier sehen wir die Wirkung in ihrer höchsten Reinheit undAllgemeinheit. Farbige specificirte durchsichtige Liquoren zeigendiese Steigerung sehr auffallend in den Stufengefäßen. Diese
Vollständigkeit der mannichsaltigen Erscheinung.
706 .
Die mannichsaltigen Erscheinungen, auf ihren verschiedenenStufen fipirt und neben einander betrachtet, bringen Totalitäthervor. Diese Totalität ist Harmonie für's Auge.
707 .
Der Farbenkreis ist vor unsern Augen entstanden, diemannichsaltigen Verhältnisse des Werdens sind uns deutlich.Zwei reine ursprüngliche Gegensätze sind da« Fundament desGanzen. Es zeigt sich sodann eine Steigerung, wodurch siesich beide einem Dritten nähern; dadurch entsteht auf jederSeite ein Tiefstes und ein Höchstes, ein Einfachstes und einBedingtestes, ein Genuinstes und ein Edelstes. Sodann kom-men zwei Vereinungen (Vermischungen, Verbindungen, wieman es nennen will), zur Sprache: einmal der einfachen an-fänglichen und sodann der gesteigerten Gegensätze.
Uebereinstimmung der vollständige» Erscheinung.
708 .
Die Totalität neben einander zu sehen, macht einen har-monischen Eindruck aus's Auge. Man hat hier den Unterschiedzwischen dem physischen Gegensatz und der harmonischen Ent-gegenstellung zu bedenken. Der erste beruht auf der reinennackten ursprünglichen Dualität, in sofern sie als ein Getrenntes