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Zur Farbenlehre.
irgend etwas erleuchte, erläutere und zu praktischen Handgriffen >irgend einen Vortheil gewähre. z
732.
Dagegen finden sich Männer, welche den Umfang desPraktischen Färbewesens wohl eingesehen, in dem Falle, sichmit der herkömmlichen Theorie zu entzweien, ihre Blößen mehroder weniger zu entdecken und ein der Natur und Erfahrunggemäßeres Allgemeines aufzusuchen. Wenn uns in der Ge-schichte die Namen Castel und Gülich begegnen, so werdenwir hierüber weitläufiger zu handeln Ursache haben; wobei sichzugleich Gelegenheit finden wird zu zeigen, wie eine fortgesetzteEmpirie, indem sie in allem Zufälligen umhergreist, den Kreis, iin den sie gebannt ist, wirklich ausläuft, und sich als ein hohesVollendetes dem Theoretiker, wenn er klare Augen und einredliches Gemüth hat, zu seiner großen Bequemlichkeit über-liefert.
Verhältniß zur Physiologie und Pathologie.
733.
Wenn wir in der Abtheilung, welche die Farben in Physio-logischer und pathologischer Rücksicht betrachtet, fast nur all-gemein bekannte Phänomene überliefert, so werden dagegeneinige neue Ansichten dem Physiologen nicht unwillkommenseyn. Besonders hoffen wir seine Zufriedenheit dadurch erreichtzu haben, daß wir gewisse Phänomene, welche isolirt standen,zu ihren ähnlichen und gleichen gebracht, und ihm dadurch ge-wissermaaßen vorgearbeitet haben.
734.
Was den pathologischen Anhang betrifft, so ist er freilichunzulänglich und incohärent. Wir besitzen aber die vortreff-lichsten Männer, die nicht allein in diesem Fache höchst erfahrenund kenntnißreich sind, sondern auch zugleich wegen eines sogebildeten Geistes verehrt werden, daß es ihnen wenig Mühemachen kann, diese Rubriken umzuschreiben, und das, was ichangedeutet, vollständig auszuführen, und zugleich an die höhernEinsichten in den Organismus anzuschließen.
Verhältniß zur Naturgeschichte.
735.
In sofern wir hoffen können, daß die Naturgeschichte auchnach und nach sich in eine Ableitung der Naturerscheinungenaus höhern Phänomenen umbilden wird, so glaubt der Ver-fasser auch hierzu einiges angedeutet und vorbereitet zu haben.Indem die Farbe in ihrer größten Mannichfaltigkeit sich auf derOberfläche lebendiger Wesen dem Auge darstellt, so ist sie einwichtiger Theil der äußern Zeichen, wodurch wir gewahr wer-den , was im Innern vorgeht.
736.
Zwar ist ihr von einer Seite wegen ihrer Unbestimmtheitund Versatilität nicht allzuviel zu trauen, doch wird eben dieseBeweglichkeit, in sofern sie sich uns als eine constante Er-scheinung zeigt, wieder ein Kriterien des beweglichen Lebens,und der Verfasfer wünscht nichts mehr, als daß ihm Frist ge-gönnt sey, das, was er hierüber wahrgenommen, in einerFolge, zu der hier der Ort nicht war, weitläufiger auseinander-zusetzen.
Verhältniß zur allgemeinen Physik.
737.
Der Zustand, in welchem sich die allgemeine Physik gegen-wärtig befindet, scheint auch unserer Arbeit besonders günstig,indem die Natnrlehre durch rastlose, maunichfaltige Behandlungsich nach und nach zu einer solchen Höhe erhoben hat, daß esnicht unmöglich scheint, die gränzenlose Empirie an einenmethodischen Mittelpunkt heranzuziehen.
738.
Dessen, was zu weit von unserm besondern Kreise abliegt,nicht zu gedenken, so finden sich die Formeln, durch die man dieelementaren Naturerscheinungen, wo nicht dogmatisch, dochwenigstens zum didaktischen Behufe ausspricht, durchaus aufdem Wege, daß man sieht, man werde durch die Ueberein-stimmung der Zeichen bald auch nothwendig zur Ueberein-stimmung im Sinne gelangen.
739.
Treue Beobachter der Natur, wenn sie auch sonst noch soverschieden denken, werden doch darin mit einander überein-kommen, daß alles, was erscheinen, was uns als ein Phäno-men begegnen solle, müsse entweder eine ursprüngliche Ent-zweiung, die einer Vereinigung fähig ist, oder eine ursprüng-liche Einheit, die zur Entzweiung gelangen könne, andeuten,und sich auf eine solche Weise darstellen. Das Geeinte zu ent-zweien, das Entzweite zu 'einigen, ist das Leben der Natur;dieß ist die ewige Systole und Diastole, die ewige Synkrisisund Diakrisis, das Ein- und Ausathmen der Welt, in der wirleben, weben und sind.
740.
Daß dasjenige, was wir hier als Zahl, als eins und zweiaussprechen, ein höheres Geschäft sey, versteht sich von selbst;so wie die Erscheinung eines dritten, vierten sich ferner Ent-wickelnden immer in einem höhern Sinne zu nehmen, besondersaber allen diesen Ausdrücken eine ächte Anschauung unterzu-legen ist.
741.
Das Eisen kennen wir als einen besondern, von andernunterschiedenen Körper; aber es ist ein gleichgültiges, uns nurin manchem Bezug und zu manchem Gebrauch merkwürdigesWesen. Wie wenig aber bedarf es, und die Gleichgültigkeitdieses Körpers ist aufgehoben. Eine Entzweiung geht vor, die,indem sie sich wieder zu vereinigen strebt, und sich selbst auf-sucht, einen gleichsam magischen Bezug auf ihres Gleichen ge-winnt, und diese Entzweiung, die doch nur wieder eine Ver-einigung ist, durch ihr ganzes Geschlecht fortsetzt. Hier kennenwir das gleichgültige Wesen, das Eisen; wir sehen die Ent-zweiung an ihm entstehen, sich fortpflanzen und verschwinden,und sich leicht wieder auf's neue erregen — nach unserer Mei-nung ein Urphänomen, das unmittelbar an der Idee steht,und nichts Irdisches über sich erkennt.
742.
Mit der Elektricität verhält es sich wieder auf eine eigeneWeise. Das Electrische, als ein Gleichgültiges, kennen wirnicht. Es ist für uns ein Nichts, ein Skull, ein Nullpunkt, einGleichgültiglcitspnnkt, der aber in allen erscheinenden Wesenliegt, und zugleich der Quellpnnkt ist, aus dem bei dem ge-ringsten Anlaß eine Doppelerscheinung hervortritt, welche nur