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Roth
Zur Farbenlehre.
Orange Violett
Gelb Blau
Grün,
so bilden sich aus den drei Farben, Gelb, Roth und Blau;drei Uebergänge, Orange, Violett und Grün — ich heiße allesOrange, was zwischen Gelb und Roth fällt, oder was vonGelb oder Roth aus sich nach diesen Seiten hinneigt — unddiese sind in ihrer mittlern Stellung am brillantesten und diereinen Mischungen der Farben.
2) Wenn man sich ein bläuliches Orange, ein röthlichesGrün oder ein gelbliches Violett denken will, wird einem so zuMuthe, wie bei einem südwestlichen Nordwinde. Wie sich aberein warmes Violett erklären läßt, giebt es im Verfolg vielleichtMaterie.
3) Zwei reine Farben, wie Gelb und Roth, geben einereine Mischung, Orange. Wenn man aber zu solcher Blaumischt, so wird sie beschmutzt, also daß, wenn sie zu gleichenTheilen geschieht, alle Farbe in ein unscheinendes Grau auf-gehoben ist.
Zwei reine Farben lassen sich mischen, zwei Mittelfarbenaber heben sich einander auf oder beschmutzen sich, da ein Theilvon der dritten Farbe hinzugekommen ist.
Wenn die drei reinen Farben sich einander aufheben inGrau, so thun die drei Mischungen, Orange, Violett undGrün, dasselbe in ihrer mittlern Stellung, weil die drei Farbenwieder gleich stark darin sind.
Da nun in diesem ganzen Kreise nur die reinen Uebergängeder drei Farben liegen, und sie durch ihre Mischung nur denZusatz von Grau erhalten, so liegt außer ihnen zur großemVervielfältigung noch Weiß und Schwarz.
4) Das Weiß macht durch seine Beimischung alle Farbenmatter, und wenn sie gleich Heller werden, so verlieren sie dochihre Klarheit und Feuer.
5) Schwarz macht alle Farben schmutzig, und wenn essolche gleich dunkler macht, so verlieren sie eben so wohl ihreReinheit und Klarheit.
6) Weiß und Schwarz, mit einander gemischt, giebt Grau.
7) Man empfindet sehr leicht, daß in dem Umfang von dendrei Farben nebst Weiß und Schwarz der durch unsere Augenempfundene Eindruck der Natur in seinen Elementen nicht er-schöpft ist. Da Weiß die Farben matt, und Schwarz sieschmutzig macht, werden wir daher geneigt, ein Hell und Dunkelanzunehmen. Die folgenden Betrachtungen werden uns aberzeigen, in wiefern sich hieran zu halten ist.
8) Es ist in der Natur außer dem Unterschied von Hellerund Dunkler in den reinen Farben noch ein anderer wichtigerauffallend. Wenn wir z. B. in einer Helligkeit und in einerReinheit rothes Tuch, Papier, Tastet, Atlaß oder Sammt,das Rothe des Abendroths oder rothes durchsichtiges Glas an-nehmen, so ist da noch ein Unterschied, der in der Durchsichtig-keit oder Undurchstchtigkeit der Materie liegt.
9) Wenn wir die drei Farben, Roth, Blau und Gelb, un-durchsichtig zusammenmischen, so entsteht ein Grau, welchesGrau eben so aus Weiß und Schwarz gemischt werden kann.
10) Wenn man diese drei Farben durchsichtig also mischt,daß keine überwiegend ist, so erhält man eine Dunkelheit, diedurch keine von den andern Theilen hervorgebracht werden kann.
11) Weiß sowohl als Schwarz sind beide undurchsichtig oderkörperlich. Man darf sich an dem Ausdruck weißes Glas nichtstoßen, womit man klares meint. WeißesWasser wird mansich nicht denken können, was rein ist, so wenig wie klare Milch.Wenn das Schwarze bloß dunkel machte, so könnte es wohlklar seyn; da es aber schmutzt, so kann es solches nicht.
12) Die undurchsichtigen Farben stehen zwischen dem Weißenund Schwarzen; sie können nie so hell wie Weiß, und nie sodunkel wie Schwarz seyn.
13) Die durchsichtigen Farben sind in ihrer Erleuchtung wiein ihrer Dunkelheit gränzenlos, wie Feuer und Wasser als ihreHöhe und ihre Tiefe angesehen werden kann.
14) Das Product der drei undurchsichtigen Farben, Grau,kann durch das Licht nicht wieder zu einer Reinheit kommen,noch durch eine Mischung dazu gebracht werden; es verbleichtentweder zu Weiß oder verkohlt sich zu Schwarz.
15) Drei Stücke Glas von den drei reinen durchsichtigenFarben würden, auf einander gelegt, eine Dunkelheit hervor-bringen, die tiefer wäre als jede Farbe einzeln, nämlich so: dreidurchsichtige Farben zusammen geben eine farblose Dunkelheit,die tiefer ist als irgend eine von den Farben. Gelb ist z. B. diehellste und leuchtendste unter den drei Farben, und doch, wennman zu ganz dunkelm Violett so viel Gelb mischt, bis sie sicheinander aufheben, so ist die Dunkelheit in hohem Grade verstärkt.
16) Wenn man ein dunkles durchsichtiges Glas, wie esallenfalls bei den optischen Gläsern ist, nimmt, und von derhalben Dicke eine polirte Steinkohle, und legt beide auf einenweißen Grund, so wird das Glas Heller erscheinen; verdoppeltman aber beide, so muß die Steinkohle stille stehen, wegen derUndurchstchtigkeit; das Glas wird aber bis in's Unendliche sichverdunkeln, obwohl für unsere Augen nicht sichtbar. Eine solcheDunkelheit können eben sowohl die einzelnen durchsichtigen Far-ben erreichen, so daß Schwarz dagegen nur wie ein schmutzigerFleck erscheint.
17) Wenn wir ein solches durchsichtiges Product der dreidurchsichtigen Farben auf die Weise verdünnen, und das Lichtdurchscheinen ließen, so wird es auch eine Art Grau geben, dieaber sehr verschieden von der Mischung der drei undurchsichtigenFarben seyn würde.
18) Die Helligkeit an einem klaren Himmel bei Sonnen-aufgang , dicht um die Sonne herum oder vor der Sonne her,kann so groß seyn, daß wir sie kaum ertragen können. Wennwir nun von dieser dort vorkommenden farblosen Klarheit, alseinem Product von den drei Farben, aus diese schließen wollten,so würden diese so hell seyn müssen, und so sehr über unsereKräfte weggerückt, daß sie für uns dasselbe Gehximniß bliebenwie die in der Dunkelheit versunkenen.
19) Nun merken wir aber auch, daß die Helligkeit oderDunkelheit nicht in den Vergleich oder Verhältniß zu den durch,sichtigen Farben zu setzen sey, wie das Schwarz und Weiß zuden undurchsichtigen. Sie ist vielmehr eine Eigenschaft,. undeins mit der Klarheit und mit der Farbe. Man stelle sich einenreinen Rubin vor, so dick oder so dünn man will, so ist dasRoth eins und dasselbe, und ist also nur ein durchsichtiges Roth,welches hell oder dunkel wird, je nachdem es vom Licht erweckt oderverlassen wird. Das Licht entzündet natürlich eben so das Productdieser Farben in seiner Tiefe, und erhebt es zu einer leuchtendenKlarheit, die jede Farbe durchscheinen läßt. Diese Erleuchtung,