194
Zur Farbenlehre.
Die enloptischen Farben.
Vorwort.
18l7.
Die Farbenlehre ward bisher im Stillen immer eifrig be-trieben; die Richtigkeir meiner Ansichten kenne ich zu gut, alsdaß mich die Unfreundlichkeit der Schule im mindesten irremachen sollte; mein Vertrag wirkt in verwandten Geisternfort, wenige Jahre werden es ausweisen, und ich denke zunächstauch ein Wort mitzusprechen.
Die Farbenerscheinungen, von meinem vieljährigen Freundeund Mitarbeiter Dr. Seebeck entdeckt, und von ihm ent-optisch genannt, beschäftigen mich gegenwärtig auf's leb-hafteste. Die Bedingungen immer genauer zu erforschen, unterwelchen sie erscheinen, sie als Complement meiner zweiten, denphysischen Farben gewidmeten Abtheilung aufzuführen, ist meinegewissenhafte Sorgfalt. Denn wie sollte das aufgeklärte Jahr-hundert nicht bald einsehen, daß man mit Lichtkügelchen, denenPol und Aequator angedichtet ward, sich nur selbst und anderezum Besten hat!
Hier nun folgen zunächst zwei Aufsätze, deren erster diePhänomene des Doppelspaths, der andere die bei Gelegenheitver Untersuchung jener merkwürdigen Bilderverdopplnng erstuns bekannt wordenen cntoptischen Farben nach meiner Ueber-zeugung und nach den Maximen meiner Farbenlehre anszu-sprechen bemüht seyn wird.
Doppelbilder des rhombischen Kalkspaths.
Da die cntoptischen Farben in Gefolg der Untersuchung dermerkwürdigen optischen Phänomene des genannten Mineralsentdeckt worden, so möchte man es wohl dem Vertrag ange-messen halten, von diesen Erscheinungen und von den dabeibemerkbaren Farbensäumen einiges vorauszuschicken.
Die Doppelbilder des bekannten durchsichtigen rhombischenKalkspaths sind hauptsächlich deßwegen merkwürdig, weil sieHalb- und Schattenbilder genannt werden können, und mitdenjenigen völlig übereinkommen, welche von zwei Flächendurchsichtiger Körper reflectirt werden. Halbbilder hießen sie,weil sie das Object, in Absicht auf die Stärke seiner Gegenwart,nur halb ausdrücken, Schattenbilder, weil sie den Grund,den dahinter liegenden Gegenstand durchscheinen lassen.
Aus diesen Eigenschaften fließt, daß jedes durch dengedachten Kalkspath verdoppelte Bild von dem Grundeparticipirt, über den es scheinbar hingeführt wird. Einweißes Bildchen auf schwarzem Grunde wird als ein dop-peltes graues, ein schwarzes Bildchen auf weißem Grundeebenmäßig als ein doppeltes graues erscheinen; nur da, woLeide Bilder sich decken, zeigt sich das volle Bild, zeigt sichdas wahre, dem Auge undurchdringliche Object, es seytieics, von welcher Art es wolle.
Um die Versuche zu vermannichfaltigen, schneide maueine kleine viereckige Oeffnnng in ein weißes Papier, einegleiche in ein schwarzes, man lege beide nach und nach aufdie verschiedensten Gründe, so wird das Bildchen unter dem
Doppclspath halbirt, schwach, schattenhaft erscheinen, es sey, vonwelcher Farbe es wolle; nur wo die beiden Bildchen zusammen-treffen, wird die kräftige volle Farbe des Grundes sichtbarwerden.
Hieraus erhellt also, daß man nicht sagen kaun, das Weißebestehe aus einem doppelten Grau, sondern das reine objectiveWeiß des Bildchens erscheint da, wo die Bildchen zusammen-treffen. Die beiden grauen Bilder entstehen nicht aus demzerlegten Weiß, sondern sie sind Schattenbilder des Weißen,durch welche der schwarze Grund hindurchblickt und sie grau er-scheinen läßt. Es gilt von allen Bildern auf schwarzem, weißemund farbigem Grunde.
In diesem letzten Falle zeigt sich bei den Schattenbilderndie Mischung ganz deutlich. Verrückt man ein gelbes Bildchenauf blauem Grund, so zeigen sich die Schattenbilder grünlich;Violett und Orange bringen ein purpurähnliches Bildchen hervor,Man und Purpur ein schönes Violett u. s. w. Die Gesetze derMischung gelten auch hier, wie auf dem Schwungrad und überall,und wer möchte nun sagen, daß Gelb aus doppeltem Grün,Purpur aus doppeltem Orange bestünde? Doch hat man der-gleichen Redensarten wohl auch schon früher gehört.
Das Unzulässige einer solchen Erklärungsart aber noch mehran den Tag zu bringen, mache man die Grnndbilder von Glanz-gold, Glanzsilber, polirtem Stahl, man verrücke sie durch denDoppelstahl; der Fall ist wie bei allen übrigen. Man würde sagenmüssen, das Glanzgold bestehe aus doppeltem Mattgold, dasGlanzsilber aus doppeltem Mattsilber und der blanke Stahlaus doppeltem angelaufenen. So viel von den Zwillingsbilderndes Doppelspaths; nun zu der Randfärbung derselben. Hierzueine Tafel.
"" XX
Doppelspatherscheinuug.
-MX
'X r X
X -
Entoptische Elemente.